Verstopfung lindern: Was hilft bei Obstipation?

Etwa ein Fünftel der deutschen Bevölkerung leidet regelmäßig unter Verstopfung. Treten die Beschwerden wie ausbleibender Stuhlgang über vier Tage, starkes Pressen bei der Darmentleerung und das Gefühl der unvollständigen Entleerung über einen längeren Zeitraum auf, sprechen Mediziner von Obstipation. Diese kann sich zu einer chronischen Verstopfung entwickeln, wobei Frauen und ältere Menschen häufiger betroffen sind. Doch was sind die Ursachen und was hilft wirklich gegen Darmträgheit? Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Ballaststoffen, Flüssigkeitszufuhr und gibt praktische Ernährungstipps.

Ballaststoffe als Schlüssel zur Darmaktivität

Um den trägen Darm wieder in Schwung zu bringen, sind pflanzliche Ballaststoffe unerlässlich. Sie wirken als natürliche Füllstoffe, die den Stuhl aufweichen und sein Volumen vergrößern, was zu einer schnelleren und regelmäßigeren Darmentleerung führt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine tägliche Aufnahme von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen. Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Vollkornprodukten, Gemüse und Obst ist, hilft, diesen Wert zu erreichen. Anfangs kann es hilfreich sein, den Ballaststoffgehalt der aufgenommenen Lebensmittel zu verfolgen, beispielsweise mithilfe von Apps oder Tabellen im Internet. Ein beispielhafter Tagesplan könnte zwei Scheiben Vollkornbrot, drei Kartoffeln, einen ungeschälten Apfel, eine ungeschälte Birne, etwa 200 Gramm Brokkoli und einen kleinen Tomatensalat umfassen. Lebensmittel mit einem Ballaststoffgehalt von über fünf Gramm pro 100 Gramm gelten als besonders reichhaltig. Dazu zählen Haferflocken, Pumpernickel, Roggenbrot, Amarant, Kleie, Trockenfrüchte (insbesondere Pflaumen und Aprikosen), Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen, Nüsse und Samen wie Chiasamen. Zur Unterstützung können Akazienfasern oder Flohsamen eingenommen werden, idealerweise zweimal täglich mit einem großen Glas Wasser, etwa 30 Minuten vor einer Mahlzeit. Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Schritt, um die Verdauung zu regulieren und Verstopfung zu lösen.

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Ausreichend Flüssigkeit gegen die Darmträgheit

Damit Ballaststoffe ihre volle Wirkung entfalten können, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr entscheidend. Es wird empfohlen, täglich mindestens zweieinhalb Liter Flüssigkeit in Form von Wasser oder ungesüßten Kräutertees zu trinken. Viele Menschen schätzen die anregende Wirkung von Kaffee auf die Verdauung. Allerdings sollte der Kaffeekonsum, ähnlich wie bei der Einnahme von Abführmitteln, nicht übertrieben werden, da der Darm sonst abstumpfen kann.

Was essen bei Verstopfung? Empfehlungen und Rezepte

Eine darmfreundliche Ernährung ist der Schlüssel zur Besserung. Hier finden Sie eine Übersicht über empfehlenswerte und nicht empfehlenswerte Lebensmittel, um Ihre Verdauung wieder in Schwung zu bringen.

Empfehlenswerte Lebensmittel

  • Vollkornprodukte: Vollkornbrot, Vollkorngetreideprodukte (insbesondere aus Hafer, Gerste, Dinkel, Roggen), Haferflocken, zuckerfreies Müsli, Quinoa, Amarant, Buchweizen, Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln.
  • Obst: Zuckerarmes Obst wie Äpfel, Aprikosen, Beeren, Clementinen, Erdbeeren, Grapefruits, Kiwis, Nektarinen, Orangen, Pflaumen, Pfirsiche, Wassermelone. In Maßen auch zuckerreicheres Obst wie Ananas, Bananen, Birnen, Trauben.
  • Gemüse: Alle Gemüsesorten, einschließlich Aubergine, Artischocken, Fenchel, Gurken, Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen, Linsen, Sojabohnen), Kohlarten, Möhren, Paprika, Pilzarten, Radieschen, Salatsorten, Sauerkraut, Spargel, Spinat, Tomaten, Zucchini.
  • Nüsse und Samen: Mandeln, Walnüsse, Haselnüsse, Cashewkerne, Macadamianüsse, Pinienkerne, Kürbiskerne, Leinsamen, Chiasamen, Sonnenblumenkerne (eine kleine Handvoll pro Tag).
  • Öle: Leinöl, Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl. Zum Braten Kokosöl. Wenig Butter.
  • Getränke: Wasser, ungesüßter Tee, Kaffee (in Maßen).
  • Fisch: Aal, Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Lachs, Makrele, Sardinen (ein bis zwei Portionen pro Woche).
  • Fleisch und Geflügel: Magerer Aufschnitt wie Putenbrust, Corned Beef, Kochschinken, Kassler, mageres Rind- oder Schweinefleisch (maximal ein bis zwei Portionen pro Woche).
  • Milchprodukte: Fettarme Milch (1,5 %), Buttermilch, Quark (bis 20 %), Naturjoghurt (1,5 %), saure Sahne, Kochsahne (15 %). Käse bis 45 % Fett in der Trockenmasse. Besonders mager sind Harzer Käse und körniger Frischkäse. Eier (bis fünf pro Woche).
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Nicht empfehlenswerte Lebensmittel

  • Weißmehlprodukte: Weißbrot, Toastbrot, Croissants, Knäckebrot, Zwieback, geschälter Reis, Pommes Frites, Kroketten, Kartoffelbrei.
  • Fertiggerichte und Fast Food.
  • Süßigkeiten und süße Backwaren: Kuchen, Kekse, Eiscreme, Chips.
  • Gezuckerte Obstprodukte: Obstkonserven, gezuckerte Trockenfrüchte.
  • Gesalzene Nüsse.
  • Ungesunde Fette: Schweine- und Gänseschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl.
  • Ungesunde Getränke: Fruchtsäfte (zu zuckerreich), Softdrinks, Milchmixgetränke, Alkohol.
  • Fisch in Mayonnaise oder Sahne, panierter Fisch.
  • Fettiges Fleisch und Wurstwaren: Paniertes Fleisch, Salami, Speck, Leberwurst, Blutwurst, Fleischkäse.
  • Fettreiche Milchprodukte: Sahne, Schmand, Crème fraîche, gesüßte Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark.

Eine gesunde Ernährung in der Schwangerschaft kann ebenfalls vorbeugend wirken und ist essenziell für Mutter und Kind. Denken Sie daran, dass diese Informationen eine individuelle ernährungsmedizinische Beratung nicht ersetzen können.

Fazit: Ein gesunder Darm durch bewusste Ernährung

Die Behandlung von Verstopfung beginnt oft mit einer Anpassung der Ernährungsgewohnheiten. Eine ballaststoffreiche Kost in Kombination mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr ist der Grundpfeiler für eine gesunde Verdauung. Durch die bewusste Auswahl von Lebensmitteln und die Beachtung von Empfehlungen können Sie aktiv dazu beitragen, Darmträgheit vorzubeugen und Ihr Wohlbefinden zu steigern. Wenn Sie unsicher sind oder die Beschwerden anhalten, suchen Sie professionellen Rat bei einem Arzt oder Ernährungsberater.