Colitis ulcerosa ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die Betroffene vor besondere Herausforderungen stellt, insbesondere in Bezug auf die Ernährung. Wiederkehrende Durchfälle und die Schädigung der Darmschleimhaut können zu einem erheblichen Risiko für Mangelernährung führen, da wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Kalzium, Eisen, Zink, Folsäure sowie die Vitamine D und B12 oft nicht ausreichend aufgenommen werden. Diese Mangelzustände schwächen den Körper zusätzlich und können Rückfälle begünstigen. Eine ausgewogene und angepasste Ernährung ist daher entscheidend, um die beschwerdefreie Zeit zu verlängern und das Wohlbefinden zu steigern. Auch wenn es keine universelle Diät gegen Colitis gibt, kann eine Ernährungstherapie mit möglichst natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln ohne Zusatzstoffe unterstützend wirken. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Zusatzstoffe wie Süßungsmittel und Emulgatoren die Darmbarriere und -schleimhaut schädigen können, weshalb auf eine bewusste Lebensmittelauswahl geachtet werden sollte. Die konkreten Empfehlungen unterscheiden sich dabei je nach Krankheitsstadium – ob sich der Patient in der Akutphase oder in der beschwerdefreien Ruhephase befindet.
Ernährung in der Ruhephase: Kräftigend und ausgewogen
In der Remissionsphase, also wenn keine Durchfälle und kein sichtbares Blut im Stuhl auftreten, wird eine leichte, aber dennoch vollwertige Kost empfohlen. Diese sollte kalorien-, vitamin- und ballaststoffreich sein. Bevorzugen Sie vollwertige Getreideprodukte (fein geschrotet), Gemüse, mildes Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte sowie Eier. Lebensmittel und Zubereitungsarten, die häufig Beschwerden auslösen, wie frittierte, fette, stark gewürzte oder sehr heiße und kalte Speisen, sollten gemieden werden. Schonende Garmethoden wie das Dampfgaren sind hier ideal.
Entzündungshemmende Lebensmittel wie Omega-3-Fettsäuren, die beispielsweise in Leinöl und Lachs vorkommen, sowie anthocyanhaltige Beeren, insbesondere Heidelbeeren, können sich positiv auswirken. Auch bis zu drei Tassen frisch gefilterter Kaffee pro Tag können entzündungshemmend wirken.
Empfohlene Lebensmittel in der Ruhephase:
- Getreideprodukte: Toastbrot, Mischbrot, helle Brötchen, fein geschrotetes Vollkorn, Zwieback; Hafer, Hirse, Reis, Nudeln, Quinoa, Amarant.
- Obst: Banane, Heidelbeeren, Honigmelone, Papaya; individuell verträglich sind auch geschälte Äpfel und Birnen, Aprikosen, Pfirsiche sowie andere Beerenfrüchte.
- Gemüse: Milde Sorten wie Karotten, Brokkoli, Zucchini, Fenchel, Spargel, Kürbis, Kohlrabi, rote Bete, grüne Bohnen und Erbsen, Spinat, Mangold, Tomaten, Salat.
- Nüsse und Samen: Gemahlene Nüsse, Sesam, Sonnenblumenkerne, Mandelmus (in kleinen Mengen).
- Fette: Butter, Olivenöl, Omega-3-haltige Pflanzenöle wie Leinöl, Hanföl, Walnussöl, Rapsöl.
- Getränke: Mindestens 2 Liter pro Tag, vorzugsweise stilles Wasser, ungezuckerte Kräutertees (Kamille, Fenchel, Pfefferminze, Melisse). Moderat auch Kaffee und schwarzer Tee.
- Fisch: Gut verträglich sind fettarme Sorten wie Seelachs, Dorsch, Kabeljau, Zander, Forelle. Individuell je nach Fettverträglichkeit auch Lachs oder Hering.
- Fleisch: Fettarmes, helles Fleisch wie Huhn oder Pute.
- Milchprodukte: Milch, Naturjoghurt, Buttermilch, Quark (bis 20 % Fett), Frischkäse, fettarmer Schnittkäse, saure Sahne, Mozzarella. Eier sind meist gut verträglich, besonders weich gekocht oder als Rührei.
Weniger empfehlenswerte Lebensmittel in der Ruhephase:
- Getreideprodukte: Körnerbrote, Aufbackbrötchen, Pumpernickel, sehr frisches Brot oder Hefegebäck.
- Obst: Kirschen, Johannisbeeren, Mandarinen, Orangen, Pflaumen, Stachelbeeren, Weintrauben; Trockenobst, gezuckerte Früchte.
- Gemüse: Zwiebeln, Knoblauch, Lauch, Kohlgemüse (Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl, Sauerkraut), Auberginen, Artischocken, Rettich, Rhabarber.
- Nüsse und Samen: Ganze Nüsse, Kerne und Samen.
- Fette: Margarine, Schmalz, Mayonnaise.
- Getränke: Alkohol, kohlensäure- oder zuckerhaltige Getränke, eisgekühlte Getränke, unverdünnte Fruchtsäfte.
- Fisch: Fischkonserven, Fischsalate, panierter Fisch.
- Fleisch: Rotes Fleisch, fettes Fleisch (Ente, Gans, Schweinebraten), Wurstwaren (Salami, Streichwurst).
- Milchprodukte: Hart gekochte Eier, Eiersalate; größere Mengen Sahne, Schmand, Crème fraîche, lang gereifte Käse, Schimmelkäse.
Ernährung in der Akutphase: Darmschonend und entlastend
Während eines entzündlichen Schubs werden oft nur wenige, milde Lebensmittel vertragen. Häufig treten schubbedingte Zuckerunverträglichkeiten (Laktose, Fruktose, Sorbit) auf. Zusätzlich zu den Empfehlungen für die Ruhephase gelten daher besondere Vorsichtsmaßnahmen, um den entzündeten Dickdarm zu entlasten. Es ist jedoch wichtig, trotz der Angst vor Beschwerden weiterhin abwechslungsreich zu essen, um Nährstoffdefizite zu vermeiden.
Empfohlene Lebensmittel in der Akutphase:
- Getreideprodukte: Fein geschrotete Getreideprodukte wie Weißbrot, Zwieback, Reis, Haferflocken (als Brei).
- Obst: Reife Bananen, gekochte oder pürierte Äpfel ohne Schale, Heidelbeeren.
- Gemüse: Gekochte und pürierte, milde Gemüsesorten wie Karotten, Fenchel, Zucchini.
- Proteine: Mageres Geflügel (Huhn, Pute), magerer Fisch (Seelachs, Kabeljau), Eier (weich gekocht, Rührei).
- Milchprodukte: Lactosefreie Milchprodukte wie Naturjoghurt oder Quark, wenn verträglich.
- Getränke: Stilles Wasser, ungezuckerte Kräutertees (Kamille, Fenchel).
Weniger empfehlenswerte Lebensmittel in der Akutphase:
- Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, rohes Gemüse, fettes Fleisch, sehr süße oder stark gewürzte Speisen, stark verarbeitete Produkte.
Diese Informationen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Eine ernährungsmedizinische Behandlung oder Beratung wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel anteilig übernommen. Wenn Sie an Colitis ulcerosa leiden, ist eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt und gegebenenfalls einem Ernährungsberater unerlässlich, um die für Sie passende Ernährungsstrategie zu entwickeln und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

