Erhöhte Leberwerte können ein erstes Anzeichen für eine Lebererkrankung sein, müssen aber nicht zwangsläufig auf schwerwiegende Probleme hindeuten. Stress, Medikamente, Sport oder Virusinfektionen können ebenfalls zu veränderten Leberwerten führen. Eine genaue Abklärung durch einen Spezialisten ist entscheidend, um die Ursache zu ermitteln und die richtige Behandlung einzuleiten. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Leberwerte, ihre Bedeutung und die gängigen Vorgehensweisen bei erhöhten Werten.
Symptome eines Leberschadens
Obwohl die Leber selbst keine Schmerzrezeptoren besitzt und somit Schädigungen lange Zeit unbemerkt bleiben können, gibt es dennoch Anzeichen, die auf eine Lebererkrankung hindeuten können. Dazu gehören allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein spürbarer Leistungsabfall. Auch Blutgerinnungsstörungen können auftreten, da die Leber eine Schlüsselrolle bei der Produktion von Gerinnungsfaktoren spielt. Gelbsucht, erkennbar an einer Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute, ist ein weiteres mögliches Symptom, das durch einen erhöhten Bilirubinspiegel verursacht wird. Schmerzen im Oberbauch sind nicht immer vorhanden, treten aber auf, wenn die Leberkapsel durch Schwellungen oder Größenzunahme gedehnt wird.
Vielfältige Ursachen für Lebererkrankungen
Die Liste der möglichen Lebererkrankungen ist lang und vielfältig. Dazu zählen unter anderem Hepatitis, Fettleber, Lebertumore und Lebermetastasen, aber auch Leberzirrhose. Vergiftungen durch Pilze, Medikamente, Nahrungsmittel, Drogen oder Alkohol können ebenfalls die Leber erheblich schädigen. Medikamentenunverträglichkeiten stellen eine weitere Ursache dar.
Besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen Stress und Leberwerten. Bei einer Leberlipidose (Fettleber) kann erhöhter Stress zu einer massiven Cortisolausschüttung führen. Dies wiederum kann eine Einschmelzung von Fettreserven bewirken, deren weitere Verstoffwechselung in der Leber jedoch gehemmt wird, sodass sich das Fett dort einlagert. Erhöhte Leberwerte durch Stress betreffen vor allem die Enzyme ALT und AST.
Auch nach Virusinfektionen können erhöhte Leberwerte auftreten, wenn auch nicht als Regel. Eine Ausnahme bilden hier beispielsweise Herpesviren. Massiv erhöhte Leberwerte nach einer Virusinfektion sind jedoch vorrangig im Zusammenhang mit Hepatitis-Erregern zu beobachten.
Weiterführende Diagnostik bei erhöhten Leberwerten
Stellt ein Gastroenterologe erhöhte Leberwerte fest, richtet sich die weitere Vorgehensweise nach der Höhe der Erhöhung und dem Vorhandensein von Beschwerden. Stark erhöhte Leberwerte, die mehr als das Zehnfache des Normalwerts betragen, deuten auf ein akutes Leberversagen hin und erfordern eine sofortige Abklärung durch einen Facharzt. Solche massiven Erhöhungen sind typisch für Leberentzündungen (Hepatitis) und Vergiftungen, einschließlich solcher durch Medikamente in zu hoher Dosierung.
Bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sind essenziell, um die genaue Ursache der erhöhten Leberwerte zu ermitteln. Diese Untersuchungen können oft kurzfristig in spezialisierten Kliniken durchgeführt werden. Die Diagnose kann auch durch das Absetzen verdächtiger Medikamente gestützt werden: Normalisieren sich die Leberwerte danach, liegt die Ursache wahrscheinlich in der Medikamenteneinnahme.
Die wichtigsten Leberwerte im Überblick
Aspartat-Aminotransferase (AST/GOT)
Die Aspartat-Aminotransferase (AST), auch bekannt als GOT, wird nicht nur in den Leberzellen, sondern auch in Herz- und Skelettmuskelzellen produziert. Ein Anstieg des AST-Wertes kann daher auf eine Schädigung in einem dieser Gewebe hindeuten. Um eine Leberproblematik zu bestätigen, müssen andere Leberwerte im Verhältnis betrachtet werden. Sind diese im Normbereich, können Muskelüberbeanspruchung, Herzinfarkt oder eine Schädigung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) die Ursache sein. Erhöhte Leberwerte nach intensivem Sport, insbesondere Kraft- oder Ausdauertraining, sprechen für eine Muskelüberbeanspruchung und sind in der Regel unbedenklich, solange keine Muskelschmerzen auftreten. Auch nach Unfällen oder Traumata kann der AST-Wert erhöht sein. AST spielt eine wichtige Rolle im Kohlenhydrat- und Energiestoffwechsel.
Alanin-Aminotransferase (ALT/GPT)
Die Alanin-Aminotransferase (ALT), auch GPT genannt, ist der aussagekräftigste Blutwert in Bezug auf die Leber, da sie fast ausschließlich in Leberzellen gebildet wird. Geringe Mengen ALT finden sich auch in Herz- und Skelettmuskulatur. Daher können auch Sport und Herzinfarkte die ALT beeinflussen. Eine radikale Gewichtsabnahme kann zu einer ALT-Erhöhung führen, da der Körper dann vermehrt Fettreserven zur Energiegewinnung einschmilzt, als die Leber verarbeiten kann. Erkrankungen der Gallenwege, die zu einem Gallestau führen, sind ebenfalls eine mögliche Ursache für erhöhte ALT-Werte.
Glutamatdehydrogenase (GLDH)
Die Glutamatdehydrogenase (GLDH) ist für verschiedene Stoffwechselprozesse im Körper notwendig und kommt überwiegend in der Leber vor. Im Gegensatz zu ALT und AST, die bereits bei leichten Leberbelastungen ansteigen, zeigt eine erhöhte GLDH im Blut erst dann eine Auffälligkeit, wenn bereits Zellen vollständig zugrunde gegangen sind. Ein erhöhter GLDH-Wert deutet daher auf einen schweren, chronischen Leberschaden hin.
Alkalische Phosphatase (AP)
Die Alkalische Phosphatase (AP) ist nicht nur in der Leber, sondern auch in den Gallengängen und im Skelett zu finden. Ein erhöhter AP-Wert kann daher auf Gallengangstauungen oder einen gesteigerten Knochenstoffwechsel hinweisen. Letzteres ist beispielsweise nach Knochenbrüchen, bei Osteoporose oder im Kindesalter während des Wachstums der Fall.
Bilirubin
Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Hämoglobins, des roten Blutfarbstoffs. Im Blut entstandenes Bilirubin wird in der Leber verstoffwechselt und über die Galle ausgeschieden. Ein Überschuss an Bilirubin im Blut führt zur Gelbfärbung der Schleimhäute (Gelbsucht). Die Ursachen hierfür können vielfältig sein: Ein übermäßiges Absterben von roten Blutkörperchen kann zu einem erhöhten Bilirubinanstieg führen, den die Leber nicht mehr bewältigen kann. Lebererkrankungen können die Funktion der Leber einschränken und den Bilirubinabbau verzögern. Auch eine Beeinträchtigung der Gallenausscheidung kann zu einem Rückstau und somit zu erhöhten Bilirubinwerten führen. Liegt ein erhöhter Bilirubinspiegel vor, während die übrigen Leberwerte im Normbereich sind, deutet dies in der Regel nicht auf eine primäre Lebererkrankung hin.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass erhöhte Leberwerte ein komplexes Thema sind, das eine sorgfältige ärztliche Abklärung erfordert. Nur so können die spezifischen Ursachen ermittelt und eine adäquate Behandlung eingeleitet werden, um die Gesundheit der Leber langfristig zu erhalten.

