“Detox” nach Chemotherapie: Was wirklich hilft und wovon Sie die Finger lassen sollten

Die Zeit nach einer Chemotherapie ist eine Phase der Erholung und des Wiederaufbaus für den Körper. Während des Heilungsprozesses tauchen oft Fragen auf, wie man den Körper am besten unterstützen kann, insbesondere im Hinblick auf sogenannte “Entgiftungs”-Methoden. Dieser Artikel beleuchtet, was nach einer Krebsbehandlung wissenschaftlich fundiert ist und welche Praktiken gemieden werden sollten.

Der Körper als Selbstheilungs-Experte: Wie “Detox” wirklich funktioniert

Der Wunsch, einer geliebten Person wie Ihrer Schwester nach einer Krebsbehandlung zu helfen, ist verständlich und wertvoll. Viele Krebspatienten empfinden die Unterstützung durch Angehörige als äußerst wichtig. Wenn es jedoch um die Zeit nach einer abgeschlossenen Therapie geht, ist die Rücksprache mit dem behandelnden Ärzteteam unerlässlich. Dies gilt insbesondere für sogenannte alternative oder komplementäre Maßnahmen, die oft unter dem Begriff “Detox” zusammengefasst werden.

Es ist wichtig zu wissen, dass die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von “Entgiftung” zur Befreiung des Körpers von Schadstoffen bisher begrenzt ist. Im Gegenteil, manche dieser Kuren oder Diäten, einschließlich Fastenkuren, können Krebspatienten unnötig belasten oder sogar gesundheitliche Risiken bergen.

Der körpereigene Abbau von Chemotherapeutika

Die meisten Medikamente, die in einer Chemotherapie eingesetzt werden – sogenannte Zytostatika – werden vom Körper innerhalb weniger Stunden bis Tage eigenständig abgebaut. Dieser Prozess geschieht hauptsächlich über die Nieren oder den Darm. Nur in seltenen Fällen benötigt der Körper eine längere Zeitspanne, um die Chemotherapie vollständig zu eliminieren.

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Gut zu wissen: Solange Leber, Nieren und Darm unbeeinträchtigt sind, arbeitet der Stoffwechsel von Krebspatienten normal. Dieser Zustand wird von den Ärzten vor Beginn einer Chemotherapie sorgfältig überprüft.

Nach dem Ende einer Chemotherapie durchläuft der Körper eine bemerkenswerte Erholungsphase:

  • Viele Nebenwirkungen, wie z.B. Übelkeit, klingen ab.
  • Der Appetit kehrt allmählich zurück.
  • Das Haarwachstum setzt wieder ein.
  • Die Schleimhäute, einschließlich der Mundschleimhaut, regenerieren sich und werden unempfindlicher.
  • Das allgemeine Müdigkeitsgefühl lässt nach.
  • Das Immunsystem wird nach einigen Wochen wieder stärker, sobald sich die blutbildenden Zellen neu formieren.

Vorsicht vor irreführenden “Krebsdiäten”

Der Begriff “Krebsdiäten” umfasst eine Vielzahl von Ansätzen, die angeblich den Krebs heilen, Therapiefolgen lindern und den Körper Entgiften sollen. Bekannte Beispiele sind die Breuss-Kur, das Buchinger-Fasten oder die Gerson-Diät. Diese Methoden sind jedoch kein Bestandteil der medizinischen Standardbehandlung, da es in der Regel an wissenschaftlichen Beweisen für ihren Nutzen fehlt und ihre Sicherheit oft nicht ausreichend belegt ist.

Die Risiken fragwürdiger Diäten

Krebsdiäten können ernsthafte gesundheitliche Nachteile mit sich bringen:

  • Heilfasten, Tee- oder Saftfasten: Krebspatienten leiden oft bereits an Gewichtsverlust durch die Erkrankung und Therapie. Zusätzliches Fasten kann eine Mangelernährung fördern, was zu weiterem ungewolltem Gewichtsverlust und Muskelabbau führt.
  • Entwässerung: Sogenannte Diuretika regen den Körper zur Flüssigkeitsausscheidung an. Selbst pflanzliche Inhaltsstoffe können den Kreislauf belasten und den Salzhaushalt stören.
  • Einläufe oder starkes Abführen: Diese Praktiken schwächen den Körper durch den Verlust von Flüssigkeit und Salzen. Die Anwendung von Kaffee oder anderen angeblich Entgiftenden Substanzen mittels Einläufen kann die Darmschleimhaut schädigen, zu Verstopfungen bis hin zu einem Darmverschluss führen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein.
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Was nach der Chemotherapie wirklich helfen kann

Statt auf fragwürdige Entgiftungsmethoden zu setzen, gibt es effektivere Wege, um die Genesung nach einer Chemotherapie zu unterstützen. Ernährung für Muskelaufbau kann beispielsweise eine wichtige Rolle spielen, um Kraft und Vitalität zurückzugewinnen.

  • Entzündete Schleimhäute: Während der Heilungsphase der Schleimhäute ist es ratsam, auf säurehaltige Säfte oder sehr heiße Getränke zu verzichten. Ebenso sollten trockene oder harte Lebensmittel gemieden werden. Bei Entzündungen im Mundbereich können lokal wirksame Schmerzmittel Linderung verschaffen. Jegliche Beschwerden sollten umgehend mit dem Arzt besprochen werden.
  • Gewichtsverlust: Bei unerwünschtem Gewichtsverlust kann eine spezialisierte Ernährungsberatung oder -therapie, die auf onkologische Patienten ausgerichtet ist, sehr hilfreich sein.
  • Müdigkeit (Fatigue): Bei festgestellten Mineralstoff- oder Vitaminmängeln können Ärzte eine Supplementierung mit Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure verschreiben. Körperliche Aktivität, selbst bei Müdigkeit, wird von Fachleuten empfohlen. Möglicherweise können Sie Ihre Schwester hierbei motivieren und unterstützen.

Therapiefolgen nicht eigenmächtig behandeln

Es ist von größter Wichtigkeit, dass Krebspatienten keine Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel ohne vorherige ärztliche Absprache einnehmen.

Ärzte begleiten Patientinnen und Patienten auch nach der Krebstherapie. Sie unterstützen die Genesung von den Belastungen der Behandlung. Umfassende Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Evidenzbasierte Medizin und Leitlinien.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit und geeigneten unterstützenden Maßnahmen ist ein wichtiger Schritt im Heilungsprozess. Eine fundierte und ausgewogene Herangehensweise, basierend auf ärztlichem Rat, ist dabei der Schlüssel zum Wohlbefinden.