Gerissene Mundwinkel: Vielfältige Ursachen für die schmerzhaften Einrisse

Gerissene Mundwinkel, medizinisch als Mundwinkelrhagaden oder Cheilitis angularis bekannt, sind ein weit verbreitetes und oft schmerzhaftes Leiden. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und reichen von äußeren Einflüssen wie Kälte und Feuchtigkeitsmangel bis hin zu inneren Faktoren wie Vitaminmangel oder bestimmten Erkrankungen. Oftmals ist es eine Kombination mehrerer Faktoren, die zur Entstehung der eingerissenen Mundwinkel führt. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen und gibt Aufschluss darüber, was hinter den schmerzhaften Einrissen steckt.

Hautbeanspruchungen als Auslöser

Trockene und spröde Haut ist anfällig für Einrisse, doch auch ständige Feuchtigkeit im Mundwinkelbereich kann problematisch sein. Ein vermehrter Speichelfluss, beispielsweise durch schlecht sitzende Prothesen oder Zahnspangen, kann die Haut aufweichen und reizen. Umgekehrt kann ein verringerter Speichelfluss, bedingt durch Rauchen, bestimmte Medikamente (wie Antidepressiva) oder Autoimmunerkrankungen wie das Sjögren-Syndrom, zu trockenen Lippen und infolgedessen zu eingerissenen Mundwinkeln führen.

Mechanische Reize spielen ebenfalls eine Rolle. Dazu zählen Beanspruchungen beim Zahnarzt, wo das wiederholte Dehnen und Instrumentieren den Mundbereich stark beanspruchen kann. Auch die Anwendung von Zahnseide kann die empfindlichen Mundwinkel reizen. Ein weiteres Problem kann beim Verlust von Seitenzähnen entstehen: Fehlt die nötige Abstützung, kann die Bisshöhe absinken, was zu einer Verkürzung der Kinnpartie und zur Bildung einer feuchten Kammer in den Mundwinkeln führt, die die Haut belastet und Rhagaden begünstigt.

Vitamin- und Spurenelementmangel

Eingerissene Mundwinkel können ein Indikator für Mangelzustände an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen sein.

  • Eisenmangel: Ein Mangel an Eisen ist eine der häufigsten Ursachen für Mundwinkelrhagaden. Eisen ist essenziell für die Zellteilung und die Funktion des Immunsystems. Ein Mangel kann zu einer allgemeinen Schwächung und damit zu anfälligerer Haut führen.
  • Vitamin-B2-Mangel (Riboflavin): Ein Mangel an Vitamin B2 beeinträchtigt den Stoffwechsel und die Hautgesundheit. Neben eingerissenen Mundwinkeln können auch Entzündungen der Haut und Schleimhäute sowie Sehstörungen auftreten.
  • Vitamin-C-Mangel: Seltener, aber möglich ist ein Mangel an Vitamin C. Dieser äußert sich langfristig als Skorbut mit Symptomen wie Zahnfleischbluten und eben eingerissenen Mundwinkeln, meist infolge von Magen-Darm-Erkrankungen.
  • Zinkmangel: Zink ist entscheidend für ein intaktes Immunsystem. Bei einer Abwehrschwäche treten häufig schmerzende Einrisse im Mundbereich auf.
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Infektionen als Begleiterscheinung

Sind die Mundwinkel einmal eingerissen, bieten sie einen idealen Nährboden für Bakterien und Pilze. Insbesondere der Hefepilz Candida albicans kann sich hier ansiedeln und zu stark geröteten, eingerissenen Mundwinkeln führen, die oft von einem weißlichen, abstreifbaren Belag überzogen sind. Solche Infektionen treten gehäuft bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auf, beispielsweise bei einer AIDS-Erkrankung oder während einer Chemotherapie.

Grunderkrankungen als Ursache

Eine Reihe von Erkrankungen kann ebenfalls zu eingerissenen Mundwinkeln führen. Dazu zählen verschiedene Hauterkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Allergien sowie systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Leberzirrhose.

Hauterkrankungen

Bei Allergien, Neurodermitis oder seborrhoischem Ekzem können sich schuppende, juckende Hautausschläge im Gesicht bilden, die auch die Lippen und Mundwinkel betreffen können.

Autoimmunerkrankungen

Das Sjögren-Syndrom, das vor allem Frauen nach den Wechseljahren betrifft, führt zur Zerstörung der Speicheldrüsen und damit zu extrem trockenen Augen und einem trockenen Mund. Neben eingerissenen Mundwinkeln können Sprach- und Schluckstörungen, Geschmacksveränderungen und trockene Lippen auftreten. Auch die Sklerodermie ist eine Autoimmunerkrankung, die mit Mundwinkelrhagaden einhergehen kann.

Allergien

Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe von Zahnpasta oder Kosmetika können Mundwinkelrhagaden auslösen. Ebenso kann eine Nickelallergie bei Trägern von Zahnspangen zu den unangenehmen Einrissen führen.

Leberzirrhose

Bei einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) vernarbt das Lebergewebe und verliert an Funktion. Dieses fortgeschrittene Stadium chronischer Lebererkrankungen kann sich unter anderem durch Gelbsucht, Bauchwassersucht (Aszites), eine Lackzunge und eben eingerissene Mundwinkel äußern.

Diabetes mellitus

Trockene Haut und eingerissene Mundwinkel können auch Anzeichen für Diabetes mellitus sein, insbesondere in den frühen Stadien der Erkrankung. Diabetiker sind zudem anfälliger für Pilzinfektionen im Mundbereich, die zu Rhagaden führen können.

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Zur Vorbeugung und Behandlung von eingerissenen Mundwinkeln sind eine gute Mundhygiene, eine ausgewogene Ernährung sowie die Pflege der Lippen, beispielsweise mit Dexpanthenol-haltigen Salben, von großer Bedeutung. Bei anhaltenden Beschwerden sollte jedoch immer ein Arzt konsultiert werden, um die genaue Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.