Durchlässigkeit im Bildungssystem: Brücken bauen zwischen beruflicher und akademischer Bildung

Das deutsche Bildungssystem steht vor der Herausforderung, lebenslanges Lernen zu fördern und flexible Bildungswege zu ermöglichen. Ein zentraler Baustein hierfür ist die angestrebte Durchlässigkeit, die insbesondere den Übergang zwischen beruflicher und akademischer Bildung erleichtern soll. Dieses Ziel, im Rahmen der “Strategie für Lebenslanges Lernen” von Bund und Ländern beschlossen, zielt darauf ab, Barrieren abzubauen und individuelle Lernbiografien zu unterstützen. Die Hochschulen sind aufgerufen, ihre Strukturen zu überdenken und den Zugang für Menschen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen zu öffnen.

Die Bedeutung von Durchlässigkeit erstreckt sich dabei auf mehrere Ebenen. Einerseits geht es um die Flexibilität innerhalb des Hochschulsystems selbst, etwa durch die Anerkennung von Studienleistungen zwischen verschiedenen Hochschultypen oder Ländern. Andererseits und weitaus häufiger ist damit die Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte gemeint. Diese Anrechnung erworbener Kompetenzen ist nicht nur ein Beitrag zur Erhöhung der Chancengerechtigkeit, sondern auch eine strategische Maßnahme zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in Deutschland. Die Vision ist eine wechselseitige Öffnung, bei der auch die berufliche Bildung von einer stärkeren Verbindung zur akademischen Welt profitieren kann.

Hintergründe und Bedeutung für Hochschulen

Die Bundesregierung und die Länder haben bereits 2004 mit der »Strategie für Lebenslanges Lernen in der Bundesrepublik Deutschland« den Grundstein für ein Bildungssystem gelegt, das Menschen in allen Lebensphasen und -bereichen unterstützt. Für Hochschulen bedeutet dies, institutionelle Übergänge im Sinne der Durchlässigkeit neu zu gestalten. Dies ermöglicht Studierenden mit vielfältigen Bildungsbiografien und in unterschiedlichen Lebenssituationen, wie beispielsweise Berufstätige oder Elternteile, erfolgreich ein Studium abzuschließen.

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Die Forderung nach mehr Durchlässigkeit manifestiert sich in verschiedenen Initiativen und Projekten. BMBF-geförderte Vorhaben wie nexus, „ANKOM“ und „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“ haben maßgeblich dazu beigetragen, das Thema an den Hochschulen zu verankern. Die Hochschulen sind nun gefordert, ihre Profilbildung in diesem Bereich fortzusetzen und auf den erreichten Erfolgen aufzubauen. Dies beinhaltet die verstärkte Nutzung und das Angebot pauschaler Anrechnungsoptionen sowie die Erhöhung von Transparenz und Verlässlichkeit der Verfahren.

Anrechnung als Schlüssel zur Öffnung

Ein wesentlicher Aspekt der Durchlässigkeit ist die Anrechnung von außerhochschulisch erworbenen Kompetenzen. Projekte wie das der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) unterstützen Hochschulen dabei, geeignete Verfahren für die Anerkennung von Kompetenzen zu entwickeln und das Bewusstsein für deren Anrechenbarkeit zu stärken. Die HRK-Entschließung „Anerkennung und Anrechnung an Hochschulen“ betont die Förderung der beidseitigen Durchlässigkeit, um Übergänge zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung zu schaffen und gibt Empfehlungen für außerhochschulische Bildungsakteure.

Die „Zehn Empfehlungen zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung“, veröffentlicht im Jahr 2015, stellen nachhaltige Handlungsziele für alle Akteure im Bildungsbereich dar. Bereits 2008 thematisierten die HRK-Beschlüsse zur Neuordnung des Hochschulzugangs für berufliche Qualifizierte und die Erklärung „Für mehr Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulbildung“ die Rolle der kompetenzorientierten Anrechnung für die Umsetzung von Durchlässigkeit. Diese frühen Weichenstellungen zeigen die kontinuierliche Bemühung, das deutsche Bildungssystem flexibler und zugänglicher zu gestalten. Das Projekt MODUS, welches diese Bemühungen unterstützte, wurde am 30. Juni 2025 abgeschlossen.

Fazit und Ausblick

Die Förderung der Durchlässigkeit im deutschen Bildungssystem ist ein fortlaufender Prozess, der entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Landes ist. Durch die Stärkung der Verbindungen zwischen beruflicher und akademischer Bildung wird nicht nur dem Fachkräftemangel entgegengewirkt, sondern auch die Chancengerechtigkeit erhöht und individuelles lebenslanges Lernen ermöglicht. Die Weiterentwicklung von Anrechnungsverfahren und die Schaffung transparenter Übergänge sind hierbei zentrale Aufgaben.

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Wenn Sie daran interessiert sind, Ihre beruflichen Kompetenzen durch ein Hochschulstudium zu erweitern oder sich über flexible Studienmodelle informieren möchten, lohnt es sich, die Angebote der deutschen Hochschulen genauer zu prüfen und sich über die Möglichkeiten der Anrechnung beruflich erworbener Qualifikationen zu informieren.