Dortmund vs. RB Leipzig: Ein ideologischer Kampf in der Bundesliga

Die Fußballwelt kennt viele Rivalitäten, die oft von geografischer Nähe, langer Geschichte oder politischen Gegensätzen geprägt sind. Doch die Auseinandersetzung zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig scheint anders gelagert. Mit einem Abstand von über 400 Kilometern zwischen ihren Stadien und einer jüngeren Geschichte – ihr erstes Aufeinandertreffen fand erst 2016 statt – wurzelt die Abneigung vor allem in der Ideologie.

Viele der größten Dortmunder Fangruppen werden traditionell das Spiel in Leipzig boykottieren, um gegen die Eigentümerstruktur des vom Energydrink-Hersteller unterstützten Vereins zu protestieren. Stattdessen planen sie, die Spiele in Dortmund zu verfolgen. Eine Erklärung der offiziellen BVB-Fanabteilung verdeutlichte dies: “Auch wenn wir wieder auf die Unterstützung unserer Mannschaft verzichten müssen: RB Leipzig gegen Borussia Dortmund ist nicht unser Spiel.” Das Ziel sei es, “den Fußball als Sport der Fans zu erhalten”. Selbst die Vereine konnten es sich nicht verkneifen, vor dem Spiel in den sozialen Medien gegeneinander auszuteilen. Dortmund nutzte beispielsweise die #10YearChallenge, um darauf hinzuweisen, dass RB Leipzig erst 2009 gegründet wurde, woraufhin die “Bullen” konterten. Doch wie kam es zu dieser besonderen Konstellation? Eine Rückblick auf die bisherigen Begegnungen gibt Aufschluss.

Die bisherigen Duelle: Mehr als nur ein Spiel

1. 10. September 2016: RB Leipzig 1:0 Borussia Dortmund

Der Aufstieg des damals neu aufgestiegenen RB Leipzig in die Bundesliga war von Kontroversen begleitet. Fans in ganz Deutschland lehnten die angebliche Umgehung der 50+1-Regel ab, die sicherstellen soll, dass Vereine mehrheitlich in den Händen ihrer Mitglieder bleiben. Die Eigentümerschaft durch den österreichischen Getränkehersteller Red Bull und die Transferbeziehungen zu seinen Franchise-Clubs stießen auf Widerstand. Viele prominente deutsche Fangemeinden, darunter auch Hardcore-Fans von Bayern München und Köln, weigern sich bis heute, Auswärtsspiele in Leipzig zu besuchen.

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Die führenden Dortmunder Fangruppen boykottierten das erste Heimspiel von RB in der höchsten Spielklasse und besuchten stattdessen ein Spiel der Dortmunder Reservemannschaft. Trotzdem waren alle 4.300 Tickets im Gästeblock innerhalb einer Stunde vergriffen. Die mitgereisten Fans wurden jedoch enttäuscht, als Naby Keïta in der letzten regulären Spielminute nach einer Vorlage von Oliver Burke den entscheidenden Treffer erzielte und Leipzig den ersten Bundesliga-Sieg bescherte.

2. 4. Februar 2017: Borussia Dortmund 1:0 RB Leipzig

Dieser Sieg gab Leipzig Auftrieb für eine außergewöhnliche erste Saisonhälfte, in der sie bis Dezember ungeschlagen blieben. Ihr erster Besuch in Dortmund erfolgte nach einer Niederlage gegen Bayern München vor Weihnachten, gefolgt von zwei Siegen, die sie im Nacken des damaligen Tabellenführers hielten. Ein Kopfballtor von Pierre-Emerick Aubameyang in der ersten Halbzeit entschied die Partie. Doch abseits des Platzes gab es weitere brisante Vorkommnisse.

RB-Fans wurden auf dem Weg zum Stadion mit Gegenständen wie Dosen und Steinen beworfen, was zu späteren Anklagen gegen 28 Personen führte. Fans auf der berühmten Dortmunder Südtribüne entrollten riesige Banner, von denen vier Prozent laut Polizeiangaben illegalen Inhalt enthielten. Eine Untersuchung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die sich nur auf die Ereignisse im Stadion konzentrierte, führte zur Schließung der Südtribüne für ein Ligaspiel und einer Geldstrafe von 100.000 Euro. Leipzig beendete die Saison als Tabellenzweiter, drei Punkte vor dem BVB.

3. 14. Oktober 2017: Borussia Dortmund 2:3 RB Leipzig

Ein tausendfach besuchter Protestmarsch gegen RB Leipzig durch die Dortmunder Straßen verlief weitgehend friedlich, doch die Stimmung der Heimfans war unmissverständlich. Auf dem Spielfeld ging es turbulenter zu. Aubameyang eröffnete den Torreigen nach nur vier Minuten, doch die Gäste drehten das Spiel nach der Halbzeit zu einer 3:1-Führung durch Tore von Marcel Sabitzer, Yusuf Poulsen und einem Elfmeter von Jean-Kévin Augustin. Aubameyang verkürzte per Elfmeter 26 Minuten vor Schluss, doch es reichte nicht. Es war die erste Niederlage für den BVB nach einem furiosen Saisonstart unter Peter Bosz, der 19 von 21 Punkten geholt hatte. Für den niederländischen Trainer begann damit der Anfang vom Ende, da er vor seiner Entlassung im Dezember kein weiteres Ligaspiel mehr gewann.

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4. 3. März 2018: RB Leipzig 1:1 Borussia Dortmund

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Dortmund unter dem Interimstrainer Peter Stöger einigermaßen stabilisiert, während Leipzig mit dem sogenannten “zweiten-Saison-Syndrom” zu kämpfen hatte. Wieder blieben die meisten großen Dortmunder Fangruppen fern. Die Partie war weniger intensiv, und keine der Mannschaften konnte die von Augustin und Marco Reus innerhalb von neun Minuten in der ersten Halbzeit erzielten Treffer übertreffen. Der ausgeliehene Dortmunder Stürmer Michy Batshuayi vergab eine Großchance, die seinem Team den ersten Sieg in Leipzig hätte bringen können. Die Saison beendeten beide Teams enttäuschend: Die “Bullen” wurden Sechster, der BVB rutschte auf den vierten Platz ab.

5. 26. August 2018: Borussia Dortmund 4:1 RB Leipzig

Vor dem ersten Spieltag der damaligen Saison hatten beide Teams neue Trainer. Ralf Rangnick wärmte den Trainerstuhl bei RB Leipzig für Julian Nagelsmann, während Lucien Favre die neueste Aufgabe hatte, die “Schwarz-Gelben” wieder an die Spitze zu führen. Wie üblich, wollte die Südtribüne die Unterscheidung zwischen traditionellen Werten und dem Franchise-Modell Leipzigs hervorheben. Ein Banner mit der Aufschrift: “Es geht schon wieder los! Jeder kriegt seine Chance, aber für RB Leipzig: Null Toleranz!” wurde an der Vorderseite der Tribüne enthüllt.

Favre erwischte einen schockierenden Start: Augustin traf bereits nach weniger als einer Minute. Doch ein Treffer von Mahmoud Dahoud, ein Eigentor von Sabitzer, ein spektakulärer Fallrückzieher von Axel Witsel und ein später Treffer von Reus sicherten einen Sieg, der die Gastgeber besser aussehen ließ, als sie waren. Dies leitete eine brillante Hinrunde für Dortmund ein. Favre und die BVB-Fans – sowohl in der Red Bull Arena als auch zurück in Dortmund – hofften, dass dieser Sieg der Beginn einer Serie sein würde, die zum ersten Bundesliga-Titel seit 2012 führen sollte. Die Fans von Borussia Dortmund werden auch am kommenden Spieltag hoffen, ihren ersten Auswärtssieg gegen einen Verein zu feiern, dessen Existenzrecht viele immer noch leugnen.

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