Divertikulose: Ernährung als Schlüssel zur Darmgesundheit

Was ist Divertikulose und wie entstehen Entzündungen?

Die Ausstülpungen in der Darmwand, bekannt als Divertikel, bedürfen in der Regel keiner spezifischen Behandlung, da sie an sich keine Schmerzen verursachen. Komplikationen wie Entzündungen (Divertikulitis) können jedoch in Schüben auftreten und mit starken Unterbauchschmerzen sowie Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Verstopfung einhergehen. Die genauen Auslöser für diese Entzündungen sind noch nicht vollständig geklärt. Frühere Annahmen, dass sich Kerne, Nüsse oder Körner in den Divertikeln festsetzen und Entzündungen hervorrufen könnten, wurden durch umfangreiche Studien widerlegt. Ein wesentlicher Faktor, der zur Divertikulitis beiträgt, ist eine ballaststoffarme Ernährung. Ohne ausreichende Ballaststoffe ist das Stuhlvolumen gering, der Stuhl wird oft hart und verweilt länger im Darm. Im Gegensatz dazu kann eine ballaststoffreiche und fleischarme Ernährung das Risiko für Divertikulitis nahezu halbieren. Studien zeigen, dass Vegetarier und Veganer signifikant seltener von entzündeten Divertikeln betroffen sind.

Die Bedeutung einer ballaststoffreichen Ernährung

Die schrittweise Umstellung der Ernährung auf eine höhere Zufuhr von Gemüse und Vollkornprodukten ist ratsam, um Blähungen zu vermeiden. Der Verdauungstrakt benötigt einige Wochen, um sich an die unverdaulichen Ballaststoffe zu gewöhnen. Ebenso wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere bei der Einnahme von Leinsamen oder Flohsamenschalen zur Verbesserung der Verdauung. Ein Mangel an Flüssigkeit kann zu schweren Verstopfungen bis hin zum Darmverschluss führen.

Grundlegende Ernährungstipps für Menschen mit Divertikulose

  • Bewusstes Essen und gründliches Kauen: Dies ist die oberste Regel. Ballaststoffreiche Lebensmittel sollten bereits im Mund gut zerkleinert werden. Bei Kauproblemen sind Backwaren aus fein vermahlenem Vollkornmehl, wie Grahambrot oder Vollkorntoast, empfehlenswert.
  • Getreideauswahl: Weizenmehl wird von manchen Menschen schlechter vertragen. Bevorzugen Sie Vollkornmehle aus Dinkel oder Roggen. Brot auf Sauerteigbasis oder älteres Brot ist oft besser verdaulich.
  • Nüsse und Samen: Diese sind sehr gesund, sollten aber gründlich gekaut oder bei Bedarf gemahlen werden.
  • Vollkornprodukte und Gemüse: Vollkornbrot, Vollkornflocken, Naturreis und eine Vielzahl von Gemüse- und Vollkornprodukten decken den Ballaststoffbedarf. Nach einem Entzündungsschub sollte die Menge jedoch schrittweise erhöht werden.
  • Entzündungshemmende Fette: Omega-3-Fettsäuren, wie sie in schonend gepresstem Leinöl und zweimal wöchentlich verzehrtem fettem Seefisch (Hering, Lachs, Makrele), wirken entzündungshemmend.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter, vorzugsweise stilles Wasser mit einem hohen Magnesiumgehalt (> 100 mg/l) oder ungezuckerte Tees (grün oder Kräuter). Ballaststoffe binden Wasser und quellen im Darm.
  • Probiotika: Präparate wie Lactobacillus casei können die Darmflora positiv unterstützen. Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch und Sauerkraut haben ebenfalls einen förderlichen Einfluss auf die Darmflora.
  • Bewegung: Tägliche Spaziergänge von mindestens 30 Minuten fördern einen gesunden Darm.
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Lebensmittelauswahl und Rezepte bei Divertikulose

Eine angepasste Ernährung kann die beschwerdefreie Zeit verlängern und das Risiko von Entzündungen reduzieren.

Empfehlenswerte Lebensmittel:

  • Brot und Getreide: Feines Vollkornbrot (nicht auf Weizenbasis), Sauerteigbrot, Haferflocken, Buchweizen, Hirse, Quinoa. Geeignete Nudeln sind Dinkelnudeln oder Buchweizennudeln. Kartoffeln, Polenta und Reis sind ebenfalls gut verträglich.
  • Obst: Zuckerarme Obstsorten, insbesondere Beeren, frisch oder tiefgekühlt. Grobe Kerne von Äpfeln, Birnen und Melonen sollten entfernt werden.
  • Gemüse: Alle Salatsorten und die meisten Gemüsearten, frisch oder tiefgekühlt. Blähendes Gemüse wie Hülsenfrüchte, Kohlarten, Zwiebeln und Paprika sollten in Maßen und je nach individueller Verträglichkeit verzehrt werden. Blähende Kräuter wie Kümmel und Dill sind empfehlenswert.
  • Nüsse und Samen: Alle Nüsse, Mandeln, Kerne und Samen (z. B. Flohsamenschalen, geschrotete Leinsamen) sollten gut gekaut oder gemahlen werden.
  • Fette und Öle: Olivenöl, Rapsöl, Leinöl, Butter und Ghee sind gute Optionen. Mayonnaise sollte vermieden werden.
  • Getränke: Wasser (still), ungezuckerte Tees (Kamille, Fenchel, Kümmel), Kaffee, Gemüsesäfte und verdünnte Fruchtsäfte. Softdrinks, Fruchtnektare und Milchmixgetränke sind weniger empfehlenswert.
  • Fisch und Meeresfrüchte: Alle Arten, besonders Hering, Lachs und Makrele wegen ihres hohen Omega-3-Fettsäuregehalts. Fischgerichte mit Mayonnaise oder panierter/frittierter Fisch sollten gemieden werden.
  • Fleisch: Mageres Geflügelfleisch und magere Wurstwaren wie Putenbrustaufschnitt oder Kochschinken sind empfehlenswert. Fettes Fleisch und stark verarbeitete Wurstprodukte sollten reduziert werden.
  • Milchprodukte: Naturjoghurt, Quark, Buttermilch, Kefir und Käse sind gut verträglich. Stark verarbeitete oder gesüßte Fertigprodukte wie Pudding oder Fruchtjoghurt sollten gemieden werden.

Diese Informationen ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung. Ernährungsmedizinische Behandlungen werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen anteilig übernommen.

Die Anpassung der Ernährung kann einen erheblichen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität bei Divertikulose leisten. Durch bewusste Lebensmittelauswahl und die Beachtung von Empfehlungen zur Zubereitung können Beschwerden gelindert und das Wohlbefinden gesteigert werden.

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