Bodo/Glimt vs. Tottenham: Die Herausforderung des künstlichen Rasens und die Erinnerung an Zagreb

Die Europa League birgt stets Überraschungen, und die bevorstehende K.o.-Runde zwischen Bodo/Glimt und Tottenham Hotspur verspricht Hochspannung. Mit einem 3:1-Vorsprung aus dem Hinspiel reist Tottenham nach Norwegen, doch die Erinnerungen an eine ähnliche Situation vor vier Jahren, als sie gegen Dinamo Zagreb eine 0:2-Führung verspielten, liegen schwer in der Luft. Diese Ausgangslage erfordert höchste Konzentration, um eine Wiederholung des unglücklichen Ausscheidens zu vermeiden.

Historische Wendepunkte in der Europa League

Tottenham Hotspur steht vor einer Herausforderung, die sie bereits kennen. Vor vier Jahren ließ die Mannschaft eine 2:0-Führung aus dem Hinspiel gegen Dinamo Zagreb verspielen und schied nach einer 0:3-Niederlage nach Verlängerung aus. Was diese Niederlage noch bemerkenswerter machte, war die Tatsache, dass Dinamo Zagreb zwischen den beiden Spielen seinen Trainer verlor, der wegen einer Haftstrafe zurücktreten musste.

Nun steht Bodo/Glimt vor der Chance, ein ähnliches Wunder wie Dinamo Zagreb zu vollbringen. Die Norweger liegen im Halbfinale mit 1:3 zurück, doch die Geschichte der Europa League seit der Umbenennung in der Saison 2009/10 zeigt, dass ein Zwei-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel noch nie aufgeholt werden konnte. Die letzte vergleichbare Aufholjagd fand vor 37 Jahren im UEFA-Pokal statt, als Espanyol den Club Brügge mit 3:0 besiegte und mit einem Gesamtergebnis von 3:2 ins Finale einzog.

Die Festung Aspmyra Stadion: Ein künstlicher Vorteil

Was Bodo/Glimt besonderen Glauben an eine historische Aufholjagd gibt, ist ihre einzigartige Heimstätte, das Aspmyra Stadion. Gelegen oberhalb des Polarkreises, ist das Stadion mit seinen 8.270 Plätzen bekannt für seinen anspruchsvollen Kunstrasen, die eisigen Temperaturen und die enge, aufgeladene Atmosphäre. Diese Bedingungen haben sich für viele Gastmannschaften als eisiges Grab erwiesen.

Weiterlesen >>  FC Barcelona gegen Elche: Anstoßzeiten weltweit

Die Mannschaft von Kjetil Knutsen hat 28 ihrer letzten 34 Heimspiele im europäischen Wettbewerb gewonnen und ist aktuell auf einer Serie von fünf aufeinanderfolgenden Heimsiegen. Ihre jüngste europäische Heimniederlage datiert aus dem Jahr 2021. Selbst gegen hochkarätige Gegner wie Lazio Rom konnte Bodo/Glimt überzeugen. Kurz vor dem Spiel gegen die Italiener war der Rasen noch schneebedeckt, doch dank einer Kombination aus Rasenheizung, Schneepflügen und engagierten Platzwarten konnte die Partie stattfinden. Lazio verlor das Hinspiel mit 0:2, wobei der künstliche Untergrund als besonders problematisch galt.

Der Verteidiger von Bodo/Glimt, Odin Bjørnftuft, der das Hinspiel in London verletzungsbedingt verpasste, bestätigt den Vorteil des künstlichen Rasens: “Ohne Zweifel ist es ein Vorteil für uns. Wir trainieren täglich auf diesem Platz, während die Gegner an Kunstrasen nicht gewöhnt sind.” Er räumt ein, dass der Ball auf Kunstrasen schneller rollt, was Pässe und das Tempo des Spiels beeinflusst. Dies ermögliche es den Angreifern, schneller in Position zu kommen und erschwere es den Verteidigern, den Kontakt aufzunehmen.

Tottenham und der Kunstrasen: Eine unerwartete Vertrautheit

Interessanterweise ist Tottenham Hotspur mit künstlichen Rasenplätzen nicht gänzlich unbekannt. Erst vor vier Monaten musste die Mannschaft von Trainer Ange Postecoglou auf einem solchen Untergrund beim Viertligisten Tamworth antreten. Damals reichte es nur zu einem knappen 3:0-Sieg nach Verlängerung in der dritten Runde des FA Cups. Diese knappe Begegnung könnte sich nun als wertvolle Erfahrung für die Reise nach Norwegen erweisen.

Bjørnftuft erklärt weiter die Besonderheiten des künstlichen Rasens: “Der Ball rollt hier extrem schnell, was es für die Verteidiger schwieriger macht, die Angreifer zu erreichen und Kontakt aufzunehmen. Das ist unser Vorteil.” Er betont, dass die Umstellung von Kunstrasen auf Naturrasen und umgekehrt für Spieler, die nicht daran gewöhnt sind, eine Herausforderung darstellt.

Weiterlesen >>  Deutschlands faszinierende Vielfalt: Eine Entdeckungsreise

Milder werdende Temperaturen und der Heimvorteil

Im Gegensatz zu den eisigen Bedingungen, die viele Gastmannschaften wie Lazio, Olympiakos, Porto, Besiktas und Twente in dieser Saison erlebt haben, werden die Temperaturen für Tottenham voraussichtlich milder ausfallen. Während Besiktas im Dezember bei minus einem Grad verlor, werden für das Spiel am Donnerstag Temperaturen um die sieben Grad Celsius erwartet. Dies könnte den dramatischen Kältefaktor etwas abschwächen.

Bjørnftuft zeigt sich unbeeindruckt von der Wetterdiskussion: “Ich freue mich darauf, die Sonne wiederzusehen! Es macht mir nichts aus, und ich glaube nicht, dass einer von uns sich davon beeinflussen lässt. Die Zeitungen reden weltweit über den Wettervorteil für uns, aber wir können unabhängig vom Wetter unser Fußballspiel spielen.”

Viel entscheidender als das Wetter ist für Bodo/Glimt die Atmosphäre im kleineren, kompakten Stadion. Die enge Bindung der Stadt an ihr Team und die leidenschaftliche Unterstützung der Fans im Aspmyra Stadion schaffen eine wohlige Umgebung für die Heimmannschaft.

Tottenham hat alles zu verlieren

Bodo/Glimt kann auf eine beeindruckende Statistik verweisen: 60 Prozent ihrer europäischen Siege (ohne Qualifikation) wurden mit zwei oder mehr Toren Unterschied erzielt. Dies unterstreicht ihre Fähigkeit, Spiele dominieren zu können.

Tottenham wird alles daran setzen, nicht als erste Mannschaft ein Gegentor zu kassieren. Der europäische Fußballexperte Kevin Hatchard betont die Bedeutung des ersten Tores: “Wenn sie dieses erste Tor erzielen, wird es mit der Kulisse und der Umgebung – dem Kunstrasen am Polarkreis – zu einer enormen psychologischen Prüfung für Tottenham.” Er fügt hinzu: “Tottenham hat alles zu verlieren, während Bodo/Glimt vergleichsweise wenig zu verlieren hat. Der Druck lastet nicht so stark auf ihnen.”

Weiterlesen >>  FIFA 23 Gavi Shapeshifters: Wie man die Herausforderung meistert

Die Parallele zu Dinamo Zagreb vor vier Jahren ist unübersehbar. Bodo/Glimt hat die Chance, die Geschichte zu wiederholen und die Favoritenrolle von Tottenham auf den Kopf zu stellen. Dieses Duell verspricht ein spannendes Schauspiel, bei dem nicht nur fußballerisches Können, sondern auch mentale Stärke und die Anpassungsfähigkeit an ungewöhnliche Bedingungen entscheidend sein werden.