Ernährungsempfehlungen in Deutschland: Was ist neu und warum?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat ihre langjährigen Ernährungsempfehlungen überarbeitet und präsentiert mit „Gut essen und trinken“ ein aktualisiertes Konzept, das sowohl die Gesundheit des Menschen als auch die Umwelt in den Fokus rückt. Diese Neuerungen basieren auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und berücksichtigen gesellschaftliche Entwicklungen, um eine nachhaltige und ausgewogene Ernährungsweise in Deutschland zu fördern.

Die DGE empfiehlt nun eine stärker pflanzenbetonte Kost, bei der mindestens 75 Prozent der Nahrungsmittel aus pflanzlichen Quellen stammen sollten. Dieser Wandel reflektiert das wachsende Bewusstsein für die Umweltauswirkungen unserer Ernährungsgewohnheiten und unterstreicht die Bedeutung von Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten für eine gesunde und gleichzeitig ressourcenschonende Zukunft. Die Anpassung der Empfehlungen soll dazu beitragen, wichtige Klimaziele bis 2030 zu erreichen und somit aktiv den Klimawandel zu bekämpfen.

Warum eine Aktualisierung der Ernährungsempfehlungen?

Die Notwendigkeit einer Überarbeitung der bisherigen Ernährungsempfehlungen ergab sich aus dem Fortschritt der Wissenschaft und veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die DGE hat ein neues mathematisches Modell entwickelt, das erstmals Verzehrsgewohnheiten, Nährstoffbedarfe sowie Gesundheits- und Umweltaspekte gleichzeitig berücksichtigt. Ziel ist es, eine Ernährung zu etablieren, die nicht nur dem Einzelnen guttut, sondern auch die Umweltbelastung reduziert. Die bisherigen 10 Regeln der DGE wurden durch die aktualisierten Empfehlungen in „Gut essen und trinken“ ersetzt und spiegeln sich im überarbeiteten DGE-Ernährungskreis wider. Eine regelmäßige Überprüfung und Anpassung alle fünf Jahre ist angedacht, um die Aktualität der Empfehlungen zu gewährleisten.

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Für wen gelten die neuen Empfehlungen?

Die aktualisierten lebensmittelbasierten Ernährungsempfehlungen (FBDGs) richten sich primär an gesunde Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren mit einem durchschnittlichen Energiebedarf von etwa 2.000 Kilokalorien pro Tag, die eine Mischkost bevorzugen. Die DGE betont jedoch, dass die Empfehlungen auch für Vegetarier eine gute Orientierung bieten und angepasste Empfehlungen für spezielle Gruppen wie Kinder, ältere Menschen, Schwangere, Stillende sowie Veganer noch folgen werden. Die Leitlinien sind bewusst einfach gehalten, um die Umsetzung im Alltag zu erleichtern und Raum für individuelle Vorlieben zu lassen.

Hauptunterschiede zu den bisherigen Empfehlungen

Die signifikantesten Änderungen betreffen die Empfehlungen zu Milchprodukten sowie Fleisch und Wurst.

  • Milch und Milchprodukte: Statt bisher drei Portionen werden nun täglich zwei Portionen (insgesamt 500 Gramm) empfohlen.
  • Fleisch und Wurst: Der empfohlene Verzehr wurde auf maximal 52 Gramm pro Tag bzw. 300 Gramm pro Woche reduziert, verglichen mit den früheren 300 bis 600 Gramm pro Woche.
  • Hülsenfrüchte und Nüsse: Diese erhalten eigene Kategorien und werden mit 125 Gramm Hülsenfrüchten pro Woche und 25 Gramm Nüssen täglich stärker in den Fokus gerückt.
  • Obst und Gemüse: Die Empfehlung von mindestens fünf Portionen täglich bleibt bestehen, jedoch ohne spezifische Aufteilung in Obst- und Gemüseanteile.
  • Süße, salzige und fettige Lebensmittel: Der Konsum dieser Produkte sollte auf maximal 8 Prozent der täglichen Energieaufnahme begrenzt werden.
  • Eier: Der Verzehr von einem Ei pro Woche, einschließlich verarbeiteter Eier in Lebensmitteln, wird empfohlen.

Eine detaillierte Übersicht über die Unterschiede zeigt die folgende Tabelle:

EmpfehlungNeuBisher
GetränkeAm besten Wasser trinken (1,5 L/Tag)
Obst und Gemüsemind. 5 P./Tag (500 g)
Hülsenfrüchte und Nüsse1 P. Nüsse/Tag (25 g) + mind. 1 P. Hülsenfrüchte (125 g)/WocheTeil der Gruppen Obst & Gemüse
Getreide5 P./Tag (300 g), davon mind. 1/3 Vollkorn
Pflanzliche Öle1 P./Tag (10 g)
Milch und Milchprodukte2 P./Tag (500 g Milch)3 P./Tag (700 g Milch)
Fisch1–2 P./Woche (180 g)
Fleisch und Wurstbis zu 300 g/Wochebis zu 300–600 g/Woche
Süßes, Salziges, Fettigesmax. 8 Energieprozentkeine Aussage
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(Quelle: DGE)

Die DGE stellt zur besseren Veranschaulichung eine detaillierte Übersicht in Form einer Grafik zur Verfügung.

Der DGE-Ernährungskreis: Ein visuelles Konzept

Der DGE-Ernährungskreis dient als kompakte Orientierungshilfe für eine ausgewogene und nachhaltige Ernährung in Deutschland. Er visualisiert die empfohlenen Anteile der verschiedenen Lebensmittelgruppen an der täglichen Ernährung.

Im Zentrum des Kreises stehen Getränke, wobei Wasser und ungesüßter Tee mit 1,5 Litern pro Tag empfohlen werden. Den größten Anteil machen pflanzliche Lebensmittel aus – darunter Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen, Getreideprodukte und Kartoffeln – die essenziell für die Nährstoffversorgung sind. Pflanzliche Öle werden als bevorzugte Fettquelle hervorgehoben.

Milchprodukte sowie Fleisch, Wurst, Fisch und Eier ergänzen den Speiseplan in kleineren Mengen. Idealerweise setzt sich die Ernährung zu 75 Prozent aus pflanzlichen und zu 25 Prozent aus tierischen Lebensmitteln zusammen.

Für Vegetarier, die Milchprodukte und Eier konsumieren, werden anstelle von Fleisch, Wurst und Fisch vermehrt Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Gemüse sowie Nüsse und Ölsaaten empfohlen. Bei pflanzlichen Milchalternativen ist auf eine ausreichende Zufuhr von Calcium, Vitamin B2 und Jod zu achten.

Lebensmittel wie Chips, Süßigkeiten oder alkoholische Getränke sind bewusst aus dem Ernährungskreis ausgeschlossen, da sie zwar Kalorien liefern, aber wenig essentielle Nährstoffe. Die DGE rät ausdrücklich von Alkoholkonsum ab, da er mit zahlreichen Gesundheitsrisiken verbunden ist.

Datengrundlage der neuen Empfehlungen

Die neuen Ernährungsempfehlungen basieren auf einem mathematischen Optimierungsmodell, das Gesundheits-, Umwelt- und Verzehrsaspekte integriert. Als Datenquellen dienen unter anderem die Nationale Verzehrsstudie II, der Bundeslebensmittelschlüssel und ökologische Datenbanken. Ziel ist es, die Empfehlungen flexibel an neue wissenschaftliche Erkenntnisse anzupassen und künftig auch weitere Indikatoren wie Schadstoffe oder Wasserverbrauch einzubeziehen.

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Unterschied zur Planetary Health Diet (PHD)

Während die PHD eine globale Richtlinie für das Jahr 2050 darstellt, sind die FBDGs spezifische nationale Empfehlungen für Deutschland bis 2030. Die FBDGs sind auf einen Energiebedarf von 2.000 kcal pro Tag ausgelegt und berücksichtigen die Lebenssituation gesunder Erwachsener in Deutschland. Die PHD hingegen geht von einem globalen Durchschnitt von 2.500 kcal aus.

Fazit

Die aktualisierten Ernährungsempfehlungen der DGE stellen eine wichtige Weichenstellung für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung in Deutschland dar. Durch die stärkere Betonung pflanzlicher Lebensmittel und die Reduzierung des Verzehrs tierischer Produkte werden sowohl die individuelle Gesundheit als auch die Umwelt geschont. Eine bewusste Wahl der Lebensmittel und eine Orientierung am neuen Ernährungskreis können dazu beitragen, diesen positiven Wandel im persönlichen Ernährungsverhalten umzusetzen und somit einen Beitrag zu einer lebenswerten Zukunft zu leisten.