Großstädte sind als Zentren für Innovation, Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung, sowohl national als auch international. Ihre hohe Bevölkerungsdichte und dichte Infrastruktur machen sie jedoch auch anfällig für die vielfältigen Risiken des Klimawandels, wie Starkregen, Sturmfluten oder Hitzewellen. Diese Ereignisse können erhebliche Auswirkungen auf städtische Funktionen, Infrastrukturen und Dienstleistungen haben, was wiederum kostspielige Anpassungsmaßnahmen erfordert. Angesichts dessen ist es von großem Interesse zu untersuchen, wie intensiv sich Deutsche Großstädte bisher mit den Folgen des Klimawandels und den notwendigen Anpassungen auseinandergesetzt haben. Diese Analyse ist entscheidend für die Weiterentwicklung von Anpassungspolitiken, Förderprogrammen sowie Bildungs- und Informationsangeboten.
Onlinerecherche zur Klimaanpassung deutscher Großstädte
Im Auftrag des Umweltbundesamtes führte adelphi im Dezember 2016 eine umfassende Online-Recherche zur aktuellen Situation der Klimaanpassungsaktivitäten in deutschen Großstädten durch. Die Untersuchung konzentrierte sich auf folgende Kernfragen:
- Wie viele Großstädte in Deutschland haben sich bislang intensiv mit den Folgen des Klimawandels beschäftigt?
- Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen in den vorliegenden Anpassungsstrategien?
- Gibt es Korrelationen zwischen bestimmten Faktoren (wie Stadtgröße, Lage oder Verschuldungsgrad) und dem Ausmaß der Auseinandersetzung mit Klimafolgen in Großstädten?
- Welche Partner oder Förderprogramme wurden bei der Erstellung von Anpassungsstrategien herangezogen?
Zur Beantwortung dieser Fragen wurde im ersten Schritt eine Internetsuche mit verschiedenen Begriffskombinationen durchgeführt, um Aktivitäten deutscher Großstädte im Umgang mit Klimafolgen zu identifizieren. Im Anschluss wurden weitere Daten zu den Charakteristika der Städte erhoben und mit den Anpassungsaktivitäten in Beziehung gesetzt. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Online-Recherche ausschließlich den öffentlich zugänglichen Informationsstand abbildet. Möglicherweise laufende Aktivitäten, die nicht online dokumentiert sind, sowie eine Befragung der Verantwortlichen vor Ort waren nicht Teil dieser Studie.
Entwicklung von Strategien und Aktivitäten zur Anpassung in deutschen Großstädten
In der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit 76 Großstädte mit über 100.000 Einwohnern. Nur ein Jahr nach der Verabschiedung der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel veröffentlichten Deutsche Großstädte erstmals Anpassungsstrategien im Jahr 2009. Bis zum Stichtag der Recherche am 1. Januar 2017 hatten insgesamt 38 Großstädte, also genau die Hälfte, eine eigene Anpassungsstrategie oder eine integrierte Klimaschutz– und Anpassungsstrategie publiziert. Elf weitere Städte befanden sich zu diesem Zeitpunkt in der Erarbeitung solcher Strategiedokumente. Von den vorliegenden 38 Strategien legten 20 einen klaren Fokus auf die Anpassung an den Klimawandel, während in den übrigen Dokumenten die Anpassung als gleichwertiges oder nachrangiges Thema behandelt wurde. Darüber hinaus unternahmen 31 weitere Großstädte einzelne Anpassungsaktivitäten, auch wenn sie kein strategisches Dokument veröffentlicht hatten. Unter „Anpassungsaktivitäten“ wurden hierbei beispielsweise die Planung einer Strategie, die Beteiligung von Verwaltungsorganen an Forschungsprojekten, Workshops zur Öffentlichkeitsarbeit oder die Einbeziehung von Bürgern und Unternehmen verstanden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich mindestens 90 Prozent der deutschen Großstädte inzwischen aktiv mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzen, eine deutliche Steigerung gegenüber 2014, als dieser Wert noch bei 68 Prozent lag.
Inhaltliche Schwerpunkte der Anpassungsstrategien
Die Analyse bisheriger und zukünftiger klimatischer Veränderungen sowie deren Betroffenheit nimmt in den Strategien der Großstädte meist den größten Raum ein. Die Dokumente sind stark von klassischen Perspektiven der Verwaltung und Stadtplanung geprägt. Viele Strategien sind nach Handlungsfeldern wie Stadtentwässerung, Verkehr, Energie, Gesundheit, Stadtgrün, Biodiversität oder Gebäudemanagement strukturiert. Als primäre Instrumente zur Bewältigung des Klimawandels werden vor allem planerische Vorgaben und bauliche Maßnahmen, einschließlich Begrünungsaktivitäten, eingesetzt. Allerdings zeigt die Analyse auch, dass umfassendere Ansätze, die eine breitere Akteursvielfalt, verstärkte Kommunikation und Beteiligung sowie weiche Instrumente stärker berücksichtigen, weniger Anwendung finden. Beispielsweise widmen sich nur acht von 38 Strategien nennenswert der Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation, und die Beteiligung externer Akteure am Strategieprozess wird nur in acht Fällen explizit erwähnt.
Stand der Anpassung nach Einwohnerzahl und Verschuldung
Bei der Betrachtung des Anpassungsstands in Relation zur Einwohnerzahl wird deutlich, dass größere Städte signifikant aktiver sind. Alle Städte mit über einer Million Einwohnern sind bereits in der Anpassung an Klimafolgen tätig. Auch im Hinblick auf die Pro-Kopf-Verschuldung zeigen sich interessante Entwicklungen. In der Gruppe der höchstverschuldeten Städte (über 10.000 Euro Schulden pro Kopf im Kernhaushalt) befinden sich zwar drei Stadtstaaten, von denen jedoch vier trotz hoher Verschuldung bereits ein Strategiedokument erarbeitet haben. Städte mit mittlerer Pro-Kopf-Verschuldung (2.000 bis 10.000 Euro) zeigen ebenfalls eine zunehmende Aktivität im Bereich Klimaanpassung: Der Anteil dieser Städte mit Anpassungsaktivitäten stieg von 73 Prozent im Jahr 2014 auf 92 Prozent im Jahr 2016. Dies deutet darauf hin, dass die Entwicklung von Klimaanpassungsaktivitäten und -strategien zunehmend als notwendige kommunale Aufgabe betrachtet wird, unabhängig von der Finanzlage.
Stand der Anpassung in den alten und neuen Bundesländern
In den neuen Bundesländern unternehmen mittlerweile alle zehn Großstädte Anpassungsaktivitäten, und neun davon haben bereits ein Strategiedokument veröffentlicht. Dieser Befund steht im Kontrast zu der Annahme, dass Anpassung in den neuen Bundesländern aufgrund von Schrumpfung und angespannten Haushalten nachrangig behandelt wird. In den alten Bundesländern führen etwa 90 Prozent der dort angesiedelten Großstädte Anpassungsaktivitäten durch.
Finanzierungsquellen und externe Unterstützung
Bei der Erstellung von Anpassungsstrategien geben 13 der 38 Dokumente keine Auskunft über die Finanzierung, was darauf schließen lässt, dass hierfür primär eigene Haushaltsmittel verwendet wurden. Die übrigen Strategien wurden durch verschiedene Quellen finanziert, darunter EU-Mittel (z.B. das siebte EU-Rahmenprogramm), Bundesmittel (wie die „Nationale Klimaschutzinitiative“ des BMUB oder das Programm „Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten“ des BMBF) sowie Landesmittel.
Zur Expertiseeinholung wird meist auf externe Partner zurückgegriffen: Rund 73 Prozent der Strategiedokumente verzeichnen Unterstützung durch mindestens einen externen Partner, am häufigsten durch Universitäten oder Forschungseinrichtungen (zehn Fälle), Planungs-, Ingenieurs- oder Architekturbüros (zwölf Fälle) oder eine Kombination aus beidem (sechs Fälle).
Fazit
Die Ergebnisse der Online-Recherche belegen, dass deutsche Großstädte die Risiken des Klimawandels zunehmend erkennen und entsprechende Anpassungsmaßnahmen ergreifen. Dies ist auch trotz angespannter Haushaltslagen möglich. Der Anteil der aktiv werdenden Großstädte im Bereich Klimaanpassung ist signifikant gestiegen und weitere Kommunen planen für die Zukunft entsprechende Aktivitäten. Städte, die noch am Anfang stehen, können sich beispielsweise über das Online-Tool „Klimalotse“ des Umweltbundesamtes informieren, das Hilfestellung bei der Erstellung und Durchführung von Maßnahmen zur Klimaanpassung bietet und somit auch für kleine und mittlere Kommunen eine wertvolle Ressource darstellt.

