Deutsche Autobauer: Afrika im Visier

Der afrikanische Kontinent, einst ein unbedeutender Spieler auf der globalen Automobilbühne, rückt zunehmend in den Fokus der deutschen Automobilindustrie. Angesichts gesättigter Märkte in Europa und Nordamerika sowie des dynamischen Wachstums in Asien, insbesondere China, suchen deutsche Hersteller nach neuen Wachstumspotenzialen. Afrika, mit seiner rasant wachsenden Bevölkerung und Urbanisierung, birgt ein beträchtliches, wenn auch noch weitgehend unerschlossenes Potenzial für den Automobilsektor. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat daher eine engere Zusammenarbeit mit dem Afrikanischen Verband der Automobilhersteller (AAAM) angekündigt, um die Herausforderungen und Chancen dieses aufstrebenden Marktes gemeinsam zu gestalten.

Afrikas Automobilmarkt: Ein Blick auf das Potenzial

Auf den ersten Blick ist der afrikanische Automobilmarkt im Vergleich zu anderen Regionen der Welt winzig. Mit nur 44 Autos pro 1000 Einwohner, verglichen mit 602 in Europa und 830 in den USA, und einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden Menschen, ist der Besitz eines eigenen Fahrzeugs hier noch eine Seltenheit. Diese Zahlen verdeutlichen jedoch das immense Potenzial für den Verkauf von Neuwagen, insbesondere da die afrikanische Bevölkerung weiter wächst und sich die Urbanisierung beschleunigt, was den Transportbedarf erhöht.

Trotz dieses Potenzials wird der Markt derzeit von Gebrauchtwagen dominiert, die aus Industrieländern importiert werden. Diese machen schätzungsweise 80 Prozent der auf afrikanischen Straßen fahrenden Fahrzeuge aus. Die niedrige Kaufkraft eines Großteils der Bevölkerung, selbst der wachsenden Mittelschicht, erschwert den Absatz von Neufahrzeugen. Während in China 2019 fast 21 Millionen Neuwagen verkauft wurden, lag die Zahl in Afrika bei weniger als einer Million. Experten schätzen das Potenzial für Neuwagen in Afrika jedoch auf bis zu fünf Millionen pro Jahr, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

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Produktionszentren und neue Mobilitätskonzepte

Bislang konzentriert sich die Fahrzeugproduktion internationaler Konzerne in Afrika auf wenige Länder. Südafrika ist mit knapp der Hälfte der Produktion das wichtigste Zentrum, wo namhafte deutsche Hersteller wie BMW, Daimler und Volkswagen eigene Werke betreiben. Marokko und Ägypten folgen mit geringeren Produktionszahlen, während Volkswagen auch in Kenia, Äthiopien, Nigeria und Ghana aktiv ist und in Ruanda E-Mobilitätsprojekte testet.

Neben der reinen Fahrzeugproduktion rücken auch neue Mobilitätskonzepte in den Fokus. Ähnlich wie in den Industrieländern geht es darum, automobile Mobilität zugänglich zu machen, anstatt nur den Besitz eines eigenen Autos zu fördern. Volkswagen testet in Städten wie Kigali und Accra innovative Ansätze wie Car-Sharing und Ride-Hailing-Dienste, die über Apps zugänglich sind und den Nutzern flexible Transportlösungen bieten.

Hürden und Chancen für den afrikanischen Automobilmarkt

Damit der afrikanische Automobilmarkt sein volles Potenzial entfalten kann, müssen einige Hürden überwunden werden. Dazu gehören die Regulierung des Imports von Gebrauchtwagen, Investitionen in die Infrastruktur und die Schaffung eines förderlichen Geschäftsumfelds. Zehnjährige Steuerbefreiungen für Automobilproduzenten, wie sie beispielsweise Ghana anbietet, sind ein Schritt in die richtige Richtung.

Eine weitere entscheidende Voraussetzung ist die Bündelung der lokalen Nachfrage, da die Märkte in den 54 afrikanischen Ländern oft zu klein für eine wirtschaftlich rentable industrielle Produktion sind. Die 2021 gestartete African Continental Free Trade Association (AfCFTA), die den Abbau von Zöllen zum Ziel hat, birgt das Potenzial, Handelshindernisse zu beseitigen und Afrika als zusammenhängenden Markt attraktiver zu machen. Langfristig wird erwartet, dass diese Freihandelszone die Entwicklung des Automobilhandels und den Marktzugang auf dem Kontinent erheblich verbessern wird.

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Lokale Produzenten und die Rolle internationaler Partnerschaften

Obwohl ausländische Konzerne derzeit die Gewinne auf dem afrikanischen Automobilmarkt dominieren, gibt es auch Bestrebungen, eine eigene lokale Autoproduktion aufzubauen. Unternehmen wie Mobius Motors in Kenia, Kiira Motors in Uganda, Innoson Vehicle Manufacturing in Nigeria und Kantanka Automobile in Ghana produzieren robuste Fahrzeuge für den lokalen Bedarf, wenngleich in sehr kleinen Stückzahlen.

Experten betonen jedoch, dass der Aufbau einer eigenständigen Automobilindustrie ohne internationale Partnerschaften schwierig ist. Kooperationspartner, Ingenieure und Vertriebsstrukturen sind essenziell. Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen, ähnlich dem chinesischen Modell, könnten Afrika helfen, eine eigene Automobilindustrie zu entwickeln und die Wertschöpfungstiefe zu erhöhen. Der VDA betont ebenfalls die Bedeutung der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren in Vertrieb und Zulieferung, ein Ansatz, der in Südafrika bereits erfolgreich umgesetzt wurde und dort zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig mit über 110.000 Arbeitsplätzen geführt hat.