Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich SARS-CoV-2-Viren kontinuierlich verändert und neue Varianten hervorgebracht. Aktuell zeigt die Variante BA.3.2, die den inoffiziellen Spitznamen “Cicada” trägt, eine signifikante Verbreitung in Deutschland. Ihre Präsenz hat in den letzten Wochen stark zugenommen und beeinflusst die aktuelle Infektionslage.
Die wachsende Dominanz von Cicada (BA.3.2)
Mitte Dezember machte die Variante BA.3.2 laut Robert Koch-Institut (RKI) bereits 38 Prozent der nachgewiesenen SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland aus. Dies stellt einen deutlichen Anstieg im Vergleich zur Vorwoche dar, als ihr Anteil noch bei 9 Prozent lag. Gleichzeitig ging die bislang dominierende Variante Stratus (XFG) von 60 auf 34 Prozent zurück. Die Variante Nimbus, zusammen mit ihren Unterlinien, hat derzeit einen Anteil von 25 Prozent an den registrierten Infektionen. Die allgemeine Inzidenz liegt bei etwa 800 Erkrankten pro 100.000 Einwohner, während die Viruslast im Abwasser stabil geblieben ist.
Was steckt hinter der Corona-Variante Cicada?
Die Corona-Variante BA.3.2 ist eine Sublinie von Omikron. Sie wurde Anfang Dezember 2025 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als “variant under monitoring” (VUM) eingestuft. Cicada, entdeckt im November 2024, weist über 50 Mutationen im Vergleich zur ursprünglichen Omikron-Variante BA.3 auf. Trotz ihrer rasanten Verbreitung in Deutschland gehen die WHO und das RKI derzeit nicht von einem erhöhten Gesundheitsrisiko durch BA.3.2 aus. Es wird erwartet, dass die bestehenden Corona-Impfungen weiterhin einen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bieten. Weltweit war Cicada im November weniger dominant, verzeichnete aber ebenfalls einen Anstieg von 0,5 auf 5 Prozent der Fälle.
Die Corona-Variante Stratus (XFG)
Die von der WHO beobachtete Stratus-Variante (XFG) wird aufgrund ihrer Zusammensetzung aus Mutationen verschiedener Omikron-Subvarianten auch als “Frankenstein-Variante” bezeichnet. Der Virologe Alex Sigal prägte diesen Begriff im Jahr 2021, um die Komplexität der Mutationen zu beschreiben. Weltweit macht Stratus knapp 50 Prozent der Fälle aus, in Deutschland liegt der Anteil bei 34 Prozent. Die WHO schätzt das zusätzliche Risiko für die öffentliche Gesundheit weltweit als niedrig ein, und auch das RKI sieht in Deutschland keine erhöhte Gefahr. Stratus weist eine geringfügig höhere Immunflucht auf als die Omikron-Variante (LP.8.1), dennoch sollten die aktuellen Impfstoffe voraussichtlich weiterhin vor schweren Verläufen schützen.
Die Corona-Variante Nimbus (NB.1.8.1)
Nimbus ist eine weitere Abwandlung der Omikron-Variante, erstmals entdeckt im Januar 2025 und im Mai 2025 von der WHO als “Variante unter Beobachtung” eingestuft. Mit knapp 23 Prozent der weltweiten Fälle und 25 Prozent in Deutschland ist Nimbus ebenfalls eine relevante Variante.
Warum ist die Untersuchung von Corona-Varianten wichtig?
“Das Corona-Virus passt sich kontinuierlich an”, erklärt Dr. Henning Grüll von der Uniklinik Köln. Neue Varianten entstehen ständig, und einige, die sich möglicherweise schneller ausbreiten oder andere Eigenschaften aufweisen, werden genauer untersucht. Prof. Dr. Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen betont: “Immer wenn eine Variante besonders erfolgreich wird, rückt sie in den Fokus.” Bei der Untersuchung von Varianten konzentriert man sich auf das Spike-Protein, um zu verstehen, wie gut das Virus in Zellen eindringen und Antikörpern entkommen kann. Langfristige Infektionen, insbesondere bei immungeschwächten Personen, können die Entstehung neuer und unerwarteter Virus-Eigenschaften begünstigen. Die fortlaufende Beobachtung der SARS-CoV-2-Viren-Entwicklung bleibt daher entscheidend.
Bleiben Corona-Impfungen wirksam?
Die zugelassenen Corona-Impfstoffe dürften voraussichtlich auch gegen Nimbus und Stratus wirksam bleiben. Obwohl diese Varianten Mutationen aufweisen, die die Immunflucht leicht erhöhen könnten, deuten erste Laboruntersuchungen darauf hin, dass die Unterschiede gering sind. “Vor allem auch vor schweren Verläufen sollten die Impfungen weiterhin gut schützen”, versichert Dr. Grüll. Die WHO teilt diese Einschätzung hinsichtlich des Impfschutzes gegen schwere Erkrankungen.
Erkennen Coronatests neue Varianten?
Schnelltests sollten laut Dr. Grüll die Nimbus- und Stratus-Varianten bei einer akuten Infektion gut erkennen können, da sie meist einen stabilen Bereich des Virus, das Nukleokapsid-Protein, nachweisen. Kleinere Unterschiede bei Nimbus und die hohe Ähnlichkeit des Nukleokapsid-Proteins bei Stratus lassen darauf schließen, dass Schnelltests eine Infektion mit diesen Varianten ebenfalls zuverlässig nachweisen können. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass das Ergebnis eines Schnelltests keine Aussage über die Schwere des Verlaufs oder die weitere Genesung macht. Unabhängig von der Virusart ist es essenziell, sich vollständig auszukurieren und die Ansteckung anderer zu vermeiden.
Wichtiger Hinweis: Die ständig wechselnden Corona-Varianten unterstreichen die Bedeutung fortlaufender Forschung und Überwachung. Bleiben Sie informiert und schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen durch geeignete Maßnahmen und Impfungen.

