Der Chihuahua, weltweit als kleinste Hunderasse anerkannt, ist weit mehr als nur ein niedliches Accessoire. Er stammt aus der gleichnamigen mexikanischen Republik und blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis in die Zivilisation der Tolteken reicht. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass diese Hunde, bekannt als “Techichi”, bereits damals von den Ureinwohnern domestiziert und als Begleiter geschätzt wurden. Ihre Darstellungen finden sich noch heute in der Architektur alter Städte. Diese Wurzeln spiegeln sich im Wesen des modernen Chihuahuas wider: ein kleiner Körper, der einen bemerkenswerten Mut und eine lebhafte Persönlichkeit beherbergt.
Ein Erscheinungsbild, das Herzen höherschlagen lässt
Das charakteristische Merkmal des Chihuahuas ist sein Apfelkopf, eine gut gerundete Schädelform, die ihm einen unverwechselbaren Ausdruck verleiht. Seine Haltung ist stolz und aufmerksam. Die leicht über den Körper hinausragende Körperlänge im Verhältnis zur Schulterhöhe verleiht ihm eine leicht rechteckige, elegante Silhouette, die bei Rüden besonders ausgeprägt ist. Hündinnen dürfen aufgrund ihrer Fortpflanzungsfunktion eine etwas längere Körperlinie aufweisen.
Kopf und Ausdruck: Feinheiten, die den Unterschied machen
Der Kopf ist von zentraler Bedeutung. Die Schädelkuppel ist breit und gut gerundet, was dem typischen “Apfelkopf” seine Form gibt. Der Stopp, der Übergang von der Stirn zur Schnauze, ist deutlich ausgeprägt, tief und breit. Die Schnauze selbst ist kurz, von der Seite betrachtet gerade und am Ansatz breit, verjüngt sich aber zur Spitze hin. Die Lefzen sind trocken und liegen eng an. Während alle Farben der Nase erlaubt sind, ist ein aufwärts gerichteter Nasenrücken unerwünscht. Die Augen sind groß, rundlich und ausdrucksstark, aber nicht hervorstehend; sie sollten dunkel sein. Helle Augen sind zwar toleriert, aber nicht ideal. Die Ohren sind ein weiteres markantes Merkmal: groß, aufrecht und weit geöffnet, breiter am Ansatz und sich zu einer leicht abgerundeten Spitze verjüngend. Im Ruhezustand werden sie seitlich gehalten, sodass sie einen Winkel von etwa 45° bilden.
Körperbau und Haltung: Kompakte Eleganz
Der Körper des Chihuahuas ist kompakt und wohlgeformt. Die Oberlinie ist gerade und fest. Der Rücken ist kurz und kräftig, die Lendenpartie stark bemuskelt. Der Kruppenbereich ist breit und stark, weder zu steil noch abfallend. Der Brustkorb ist breit und tief mit gut gewölbten Rippen, von vorne betrachtet geräumig, aber nicht übermäßig. Von der Seite reicht die Brust bis zu den Ellbogen. Ein tonnenförmiger Brustkorb ist unerwünscht. Der Bauch ist deutlich hochgezogen, was dem Hund eine elegante Silhouette verleiht.
Gangwerk und Bewegung: Lebhaft und energisch
Das Gangwerk des Chihuahuas ist lang, federnd, energisch und aktiv. Er zeigt eine gute Raumgriff- und Schubfähigkeit. Von hinten betrachtet bewegen sich die Hinterläufe fast parallel, sodass die Tritte der Hinterpfoten direkt in die der Vorderpfoten passen. Bei höherem Tempo konvergieren die Gliedmaßen zur Mitte hin, sodass die Spur einstudiert wird. Die Bewegung sollte frei und federnd sein, ohne sichtbare Anstrengung, mit erhobenem Kopf und festem Rücken.
Fellvarianten: Vielfalt in Textur und Länge
Der Chihuahua tritt in zwei Fellvarianten auf:
- Glatthaarig: Das Fell ist kurz, liegt eng am Körper an und ist glänzend mit weicher Textur. Bei vorhandenem Unterfell kann das Haar etwas länger sein. An Hals und Bauch sind spärliche Haare zulässig, an Hals und Rute etwas länger, an Gesicht und Ohren kurz. Kahle Hunde sind nicht erwünscht.
- Rauhaarig (Langhaarig): Das Fell ist fein und seidig, glatt oder leicht gewellt. Ein zu dichtes Unterfell ist nicht erwünscht. Das Deckhaar ist länger und bildet eine Befederung an Ohren, Hals, Rückseite der Vorder- und Hinterläufe, an den Pfoten und an der Rute. Hunde mit sehr langem, wallendem Haar werden nicht akzeptiert.
Alle Farben und Farbkombinationen sind erlaubt, mit Ausnahme des Merle-Faktors.
Gewicht und Größe: Der kleinste unter den Kleinen
Beim Chihuahua wird ausschließlich das Gewicht zur Beurteilung herangezogen. Das Idealgewicht liegt zwischen 1,5 und 3 kg. Hunde mit einem Gewicht zwischen 1 und 1,5 kg sind toleriert. Tiere, die weniger als 500 Gramm oder mehr als 3 kg wiegen, werden disqualifiziert.
Gesundheit und Temperament: Ein starker Charakter im kleinen Körper
Chihuahuas sind bekannt für ihr lebhaftes, aufmerksames und sehr mutiges Temperament. Sie sind loyale Begleiter und oft sehr anhänglich gegenüber ihren Besitzern. Trotz ihrer geringen Größe sind sie keine Schoßhündchen im eigentlichen Sinne, sondern benötigen Beschäftigung und Erziehung. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße können sie empfindlich auf Kälte reagieren und benötigen bei kühler Witterung oft einen schützenden Mantel. Eine offene Fontanelle (Molera) ist bei Welpen und manchmal auch bei erwachsenen Tieren vorhanden und erfordert besondere Vorsicht, um Verletzungen zu vermeiden. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind wichtig, um mögliche gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Die Zucht sollte nur mit funktional und klinisch gesunden Hunden erfolgen, die den rassetypischen Merkmalen entsprechen.
Der Chihuahua ist ein faszinierender kleiner Hund, der mit seinem großen Charakter und seiner liebevollen Art überzeugt und ein treuer Begleiter für viele Lebenslagen sein kann.

