CAMWorks vs. Mastercam: Ein detaillierter Vergleich für die Zerspanungsindustrie

Die Wahl des richtigen CAD/CAM-Systems ist entscheidend für die Effizienz und den Erfolg in der modernen Zerspanungsindustrie. Zwei prominente Akteure auf diesem Markt sind CAMWorks und Mastercam. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede, Gemeinsamkeiten und spezifischen Vorteile beider Systeme, um Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Einleitung: Die Bedeutung von CAD/CAM-Systemen

In der Fertigungsbranche sind Computer-Aided Design (CAD) und Computer-Aided Manufacturing (CAM) unverzichtbare Werkzeuge. Sie ermöglichen die präzise Gestaltung von Bauteilen und die effiziente Programmierung von CNC-Maschinen. Sowohl CAMWorks als auch Mastercam bieten leistungsstarke Lösungen, doch ihre Ansätze und Architekturen unterscheiden sich signifikant.

CAMWorks und Mastercam im direkten Vergleich

Mastercam, ein etablierter Marktführer, blickt auf eine lange Erfolgsgeschichte zurück und ist seit 1983 auf dem Markt. CAMWorks hingegen, mit Ursprung in Indien, trat 1995 auf die Bühne. Diese unterschiedlichen Markteintrittszeiten spiegeln sich in der Verbreitung wider: Mastercam verzeichnete bis September 2020 rund 276.000 Lizenzen, während CAMWorks auf etwa 50.000 Lizenzen (laut CIMData Report 06/2020) kam.

Grundlegende Systemarchitektur

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Systemarchitektur. CAMWorks ist stark von seiner Abhängigkeit von CAD-Systemen wie Solidworks oder Solid Edge geprägt. Es erfordert zwingend eine dieser Basislösungen, was bedeutet, dass auf einem CAM-Programmierplatz immer auch eine CAD-Software vorhanden sein muss. Mastercam hingegen ist primär als Stand-Alone-Installation konzipiert, die auf jedem gängigen Windows-PC installiert werden kann. Es gibt zwar auch eine integrierte Variante für Solidworks, diese ist jedoch nicht zwingend erforderlich.

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Diese Abhängigkeit von CAD-Systemen kann für Unternehmen, die bereits andere CAD-Lösungen wie Catia, Creo (Pro/ENGINEER) oder Siemens NX im Einsatz haben, ein entscheidender Faktor sein. Die Einführung eines weiteren, separaten CAD-Systems wie Solidworks nur für CAMWorks kann den Verwaltungs- und Kostenaufwand erhöhen.

Lizenzierung, Kosten und Postprozessoren

Die Kostenstruktur beider Systeme ist komplex und hängt stark von den gewählten Modulen und der jeweiligen Ausbaustufe ab. Grundsätzlich sind die Anschaffungskosten für die reinen CAM-Funktionalitäten bei beiden Systemen auf einem ähnlichen Niveau angesiedelt.

Ein kritischer Punkt bei CAMWorks sind die zusätzlichen Kosten für das benötigte CAD-System (Solidworks/Solid Edge) sowie die laufenden Wartungsgebühren dafür. Bei Mastercam ist die Software-Wartung zwar ebenfalls empfehlenswert, aber nicht zwingend für den Weiterbetrieb einer älteren Version erforderlich.

Beide Systeme bieten die Möglichkeit, kundenindividuelle Postprozessoren zu entwickeln, was für die Anpassung an spezifische CNC-Maschinen und Fertigungsprozesse unerlässlich ist.

Module und Funktionalitäten

Sowohl CAMWorks als auch Mastercam sind modular aufgebaut und lassen sich detailliert an die Kundenbedürfnisse anpassen. Die verfügbaren Module umfassen typischerweise:

  • 2,5D-Fräsen
  • 3D-Fräsen
  • 5-Achsen-Fräsen (positionierend und simultan)
  • Drehen
  • Fräsdrehen
  • Drahtschneiden

Mastercam bietet darüber hinaus spezialisierte Module wie Dynamic Motion für HSC-Bearbeitungen, Router-Funktionen, Kreissegmentfräsen im 5-Achsen-Simultanbetrieb, erweiterte Bohrungserkennung sowie spezifische Pakete für die Port- und Blade-Bearbeitung. CAMWorks ergänzt sein Portfolio unter anderem mit VoluMill für optimierte Schruppstrategien.

Schulungsaufwand und Anwenderkompetenz

Ein weiterer bedeutender Unterschied betrifft den Schulungsaufwand und die erforderlichen Kenntnisse der Anwender. Bei CAMWorks müssen CNC-Fräser und -Programmierer nicht nur die CAM-Software, sondern auch das zugrundeliegende CAD-System (Solidworks/Solid Edge) beherrschen. Dies kann den Schulungsaufwand und die Einarbeitungszeit erhöhen, obwohl die Konstruktionsaufgaben nicht in ihrem primären Tätigkeitsbereich liegen. Bei Mastercam konzentriert sich der Anwenderfokus primär auf die CAM-Anwendung.

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Fazit: Welche Lösung ist die richtige?

Die Wahl zwischen CAMWorks und Mastercam hängt stark von den individuellen Anforderungen und der bestehenden IT-Infrastruktur eines Unternehmens ab.

  • Mastercam eignet sich hervorragend für Unternehmen, die eine flexible, integrierte Stand-Alone-Lösung suchen und Wert auf eine breite Palette an spezialisierten Bearbeitungsstrategien legen. Die langjährige Markterfahrung und die große Nutzerbasis sprechen für die Stabilität und Zuverlässigkeit des Systems.
  • CAMWorks ist eine attraktive Option für Betriebe, die bereits stark in das Solidworks-Ökosystem integriert sind und eine nahtlose CAD/CAM-Verbindung innerhalb dieser Umgebung wünschen. Die Abhängigkeit von Solidworks ist hierbei sowohl ein Vorteil als auch ein potenzieller Nachteil.

Letztendlich ist eine sorgfältige Analyse der eigenen Fertigungsprozesse, der vorhandenen Softwarelandschaft und der Budgetvorgaben unerlässlich, um die optimale Entscheidung zu treffen. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit erfahrenen Softwareanbietern wie der unicam Software GmbH kann dabei helfen, die spezifischen Herausforderungen zu meistern und die Vorteile des gewählten Systems voll auszuschöpfen.