Das Bundeskartellamt hat heute die Pläne der Harry-Brot GmbH zur Übernahme der industriellen Bäckerei der Glockenbrot Bäckerei GmbH & Co. OHG in Bergkirchen sowie zur Gründung zweier Joint Ventures mit der REWE Group freigegeben. Glockenbrot, ein Hersteller von Brot und Backwaren, gehört derzeit zur REWE Group. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, erläuterte: “Harry-Brot ist mit Abstand der führende Hersteller von Brot und Backwaren in Deutschland. Die geplante Übernahme von REWEs Tochtergesellschaft Glockenbrot wird diese Position weiter stärken. Wir haben jedoch keine ernsthaften wettbewerblichen Bedenken festgestellt, die eine Untersagung der Fusion gerechtfertigt hätten.” Die Entscheidung basiert auf der Einschätzung, dass Glockenbrot die Waren bisher vollständig innerhalb des Konzerns für REWE produzierte und die Übernahme die Wettbewerbssituation für andere Marktteilnehmer nur in begrenztem Umfang verändern wird. Insbesondere im relevanten Markt für verpackte Backwaren werden nach der Übernahme weiterhin wettbewerbsfähige Konkurrenten bestehen bleiben. Das Kartellamt wird die wettbewerblichen Auswirkungen der zusätzlich geplanten Kooperation zwischen REWE und Harry-Brot weiterhin beobachten.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Harry-Brot einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen produziert in zehn Bäckereien Brot und Backwaren für den Lebensmitteleinzelhandel und andere Kunden. Es vermarktet seine Markenprodukte im Lebensmitteleinzelhandel und agiert zudem als Lieferant für Handelsmarken. Glockenbrot produzierte bisher Brot und Backwaren für Handelsmarken der REWE Group in zwei Bäckereien in Frankfurt und Bergkirchen. REWE beabsichtigt, die eigene Produktion von Brot und Backwaren einzustellen und stattdessen eine Kooperation mit Harry-Brot für die Belieferung von REWE einzugehen.
Diese Kooperation umfasst die Übernahme der industriellen Bäckerei in Bergkirchen durch Harry-Brot und die Gründung zweier Joint Ventures, die als Immobiliengesellschaften für die industrielle Bäckerei in Bergkirchen und eine neue Produktionsstätte in Erlensee fungieren werden. Die beiden Bäckereien werden von Harry-Brot allein betrieben, ohne dass REWE Einfluss auf deren Betrieb nehmen kann. Die Glockenbrot-Anlage in Frankfurt wird geschlossen. Das Vorhaben ist an eine langfristige Liefer- und Kooperationsvereinbarung gekoppelt.
Die Fusion wird insbesondere den Markt für verpackte Brote betreffen, also industriell verpackte, verzehrfertige Brote (einschließlich Brötchen), die den Verbrauchern in Selbstbedienungsregalen des Lebensmitteleinzelhandels angeboten werden. In diesem Sektor hält Harry-Brot in Deutschland einen Marktanteil von über 40 Prozent. Die Übernahme stellt eine vertikale Entflechtung dar, das heißt, ein Produzent wird aus der Handelsgruppe REWE herausgelöst. Die von Glockenbrot für REWE produzierten Mengen flossen bisher nicht in das Marktvolumen ein, da es sich um konzerninterne Verkäufe handelte. REWE beabsichtigt nun, die Produktion auszulagern, und die Mengen werden infolge der Kooperation zunächst von Harry-Brot geliefert, was dessen Marktanteil erhöht. Im Vergleich zur Situation vor der Fusion wird sich die Wettbewerbssituation für die anderen Marktteilnehmer jedoch nur marginal ändern.
Trotz der starken Marktposition von Harry-Brot hat das Bundeskartellamt festgestellt, dass der Wettbewerb auch nach der Fusion ausreichend stark bleiben wird und die Lebensmitteleinzelhändler über ausreichende alternative Bezugsquellen verfügen werden. Tatsächlich werden die Übernahme der Backanlage in Bergkirchen und die neue Backanlage in Erlensee voraussichtlich das Angebot erweitern und den Wettbewerb zumindest in Süddeutschland verstärken.
Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass die Fusion den wirksamen Wettbewerb zwischen rivalisierenden Herstellern erheblich beeinträchtigen wird. In dieser Hinsicht war es besonders wichtig zu berücksichtigen, dass die Glockenbrot-Waren bisher intern für die REWE Group produziert wurden. Folglich konnten andere Hersteller bereits vor der Fusion nicht um diese Mengen konkurrieren.
Auf den Märkten für vor- und aufbackfertige Produkte (teilweise gebackene Waren, die frisch oder tiefgekühlt an den Handel geliefert und dann im Geschäft fertig gebacken werden), die ebenfalls von der Fusion betroffen sind, ergaben sich aus den Marktpositionen von Harry-Brot und Glockenbrot keine wettbewerblichen Bedenken. Die deutsche Brotkultur ist vielfältig und regional geprägt, und auch wenn große industrielle Bäckereien wie Harry-Brot eine wichtige Rolle spielen, bleibt die Vielfalt im Angebot für die Verbraucher gewährleistet.
