Der Bobtail, offiziell bekannt als Old English Sheepdog, ist weit mehr als nur ein auffälliges Erscheinungsbild mit seinem charakteristischen, langen Fell. Diese britische Hunderasse blickt auf eine lange Geschichte als Hüte- und Treibhund zurück und hat sich zu einem liebevollen Familienbegleiter entwickelt. Mit seinem ausgeglichenen Wesen, seiner Treue und seiner ausgeprägten Lebensfreude erobert der Bobtail die Herzen vieler Menschen. Doch hinter der imposanten Fassade verbirgt sich ein Hund, der trotz seines ruhigen Auftretens auch Energie und einen ausgeprägten Spieltrieb besitzt. Dieser Artikel beleuchtet die Rassemerkmale, den Charakter, die Geschichte sowie die Pflege und Gesundheit des Bobtails.
Rassemerkmale und Erscheinungsbild: Mehr als nur Fell
Der Bobtail ist ein stattlicher Hund, dessen üppiges, langes Haarkleid sofort ins Auge fällt. Ursprünglich diente dieses dichte Fell dem Schutz vor rauen Wetterbedingungen und sogar vor Wolfsbissen während seiner Tätigkeit als Hütehund. Heute ist das Fell oft so üppig, dass die Haare vor den Augen hochgebunden werden müssen, damit der Hund seine Umgebung wahrnehmen kann. Der offizielle Rassestandard lehnt Übertreibungen ab, die die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes beeinträchtigen. Während alte Abbildungen den Old English Sheepdog mit einem gesunden, mittellangen Fell und freien Augen zeigen, neigt die heutige Zucht manchmal zu extremem Fellwuchs. Die Fellfarben reichen von Grau über Blau bis hin zu Grizzle. Die Rute, die früher kupiert wurde, wird heute natürlich getragen und sollte gut befedert sein.
Größe und Gewicht
Rüden erreichen eine Widerristhöhe von mindestens 61 cm, Hündinnen mindestens 56 cm. Das Gewicht ist nicht standardisiert, liegt aber im Bereich großer Hunde.
Lebenserwartung
Ein gut gezüchteter Bobtail hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 12 bis 13 Jahren, was für einen Hund dieser Größe beachtlich ist.
Wesen und Charaktereigenschaften: Der sanfte Beschützer
Trotz seiner manchmal behäbigen Erscheinung ist der Bobtail im Kern immer noch ein Hütehund geblieben. Er kann blitzschnell, voller Energie und Lebensfreude sein. Früher als Hütehund eingesetzt, hat er sich heute uneingeschränkt als Familienhund etabliert und behütet seine Menschenfamilie im besten Sinne. Bei aller Friedfertigkeit ist er jedoch auch in der Lage, seine Familie zu beschützen. Sein Spieltrieb bleibt ihm bis ins hohe Alter erhalten.
Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen treffend als: „Ein anpassungsfähiger Hund mit ausgeglichenem Wesen, kühn, treu und zuverlässig, ohne jegliches Zeichen von Nervosität oder unbegründeter Aggressivität.“ Gelegentlich kann der Bobtail stur und dickköpfig sein, was liebevolle Überzeugungskraft und Hundeverstand erfordert. Sein Charme liegt in seiner Intelligenz, seinem Humor und seiner tiefen Verbundenheit zu seinen Menschen. Er ist ein toller Begleiter für Singles, Familien, Junge und Alte.
Herkunft und Geschichte: Vom Hirtenhund zum Familienfreund
Der Bobtail stammt ursprünglich aus Großbritannien und war der Hütehund des Landadels und reicher Bauern. Neben kleineren Collies übernahm er Schutzfunktionen für Herden und Anwesen und trieb Vieh. Den Namen „Bobtail“ (Kurzschwanz) verdankt er einem Gendefekt, der zu einem Stummelschwanz führen kann. Wurde die Natur hier nicht fündig, wurde der Schwanz früher kupiert, was heute verboten ist. Bereits seit über hundert Jahren ist der Old English Sheepdog primär als attraktiver Begleithund bekannt.
Interessant ist, dass der Hund in historischen Beschreibungen und Abbildungen oft mit mittellangem Fell und freien Augen dargestellt wird, im Gegensatz zu den extrem behaarten Hunden der heutigen Zucht, deren üppiges Fell eine Belastung darstellen kann. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) erkannte den Bobtail 1963 offiziell an. In Deutschland wird er vom Club für Britische Hütehunde und dem Spezialclub Deutscher Old English Sheepdog Club im VDH betreut, was eine gefestigte Liebhabergemeinde sicherstellt.
Pflege, Gesundheit und Krankheiten: Ein Fell mit Anforderungen
Aufgrund seines üppigen Fells benötigt der Bobtail regelmäßige und intensive Fellpflege, mehrmals pro Woche. Je dichter und länger das Fell, desto mehr Aufwand ist erforderlich.
Obwohl der Bobtail im Kern eine gesunde Rasse ist, können durch die einseitige Zucht auf äußere Merkmale und extremes Fell gesundheitliche Probleme auftreten. Hautprobleme und Schwierigkeiten bei der Thermoregulation sind möglich. Verbreitete Erbkrankheiten wie der MDR1-Defekt sowie Augen- und Ohrenerkrankungen werden in seriösen Zuchten bekämpft. Viele Bobtails leiden unter ihrem Fell am Kopf, was ihre Sicht und Lebensqualität einschränkt.
Ernährung
Der Bobtail stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Hochwertiges Futter ist jedoch für seine Gesundheit von Vorteil. Viele Hunde dieser Rasse schätzen auch fleischige Knochen und frisches Fleisch. Auch das Barfen ist für den Bobtail eine Option.
Aktivitäten und Auslastung: Vielseitiger Begleiter
Der Bobtail stellt keine übermäßigen Anforderungen an Aktivitäten, eignet sich aber für viele Hundesportarten, die sowohl ihm als auch seinem Halter Spaß machen können. Auch wenn er nicht der ideale Hund für extremen Hundesport ist, so kann er doch Freude an gemeinsamen Unternehmungen finden.
Überlegungen vor der Anschaffung: Der richtige Züchter
Bei Interesse an einem Bobtail sollte man sich an seriöse Züchter wenden, die nicht primär auf Ausstellungen und Äußerlichkeiten züchten, oder im Tierheim Ausschau halten. Es ist ratsam, sich frühzeitig um Kontakte zu Züchtern zu bemühen. Ein seriöser Züchter ist dem VDH angeschlossen, testet seine Hunde auf Erbkrankheiten und achtet auf eine Vermeidung von Inzucht. Der Wurf sollte gut dokumentiert sein, und die Besichtigung des Wurfes zusammen mit der Mutterhündin ist empfehlenswert. Vom Kauf über das Internet wird abgeraten, da hier das Risiko, von einem Hundehändler oder Vermehrer zu kaufen, sehr hoch ist.
Erziehung und Haltung: Liebevolle Konsequenz ist gefragt
Der Bobtail ist ein ruhiger, aber auch temperamentvoller Hund, der sich gut in die Familie einbinden lässt, vorausgesetzt, er erhält eine fachkundige Erziehung. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Er ist ein liebevolles Familienmitglied und ein toller Partner für Kinder. Regelmäßige Beschäftigung ist wichtig, da Langeweile dazu führen kann, dass er seine Energie am Mobiliar auslässt.
Der Old English Sheepdog benimmt sich auf Reisen vorbildlich und auch in Restaurants oder Hotels. Jedoch muss man auf sein Fell achten und es sollte nicht zu heiß sein. Reisen mit einem großen, stark behaarten Hund ist nicht überall gern gesehen.
Die Fellpflege ist ein wichtiger Aspekt, besonders bei Ausstellungslinien. Wenn das Fell nass wird, braucht es aufgrund der dichten Unterwolle lange zum Trocknen und kann dann „nach Hund riechen“. Der Transport im Auto sollte idealerweise in einer professionellen Transportbox erfolgen.
Der Bobtail lässt sich gut erziehen, ist jedoch kein Hund, der nur auf Befehle wartet. Er ist offen, ehrlich und arbeitet gerne mit seinem Halter zusammen. Zuweilen zeigt er sich etwas stur und hat einen starken Charakter. Die Kunst liegt darin, eine gute Balance zwischen Konsequenz und Führung zu finden. Eine enge emotionale Bindung und gegenseitiges Vertrauen sind die entscheidende Grundlage. Mit seiner Friedfertigkeit und hohen Reizschwelle für Aggressivität ist er auch für weniger erfahrene Halter gut zu führen.
Fazit: Ein Charakterhund mit Stil
Der Bobtail ist eine markante Erscheinung mit einem ebenso markanten Charakter – temperamentvoll und doch gelassen. Mit etwas Fellpflege ist dieser ansonsten robuste und anspruchslose Hund ein wunderbarer Begleiter. Leider wurde dieser klassische Hütehund im Ausstellungsring zuweilen zu einer reinen Modeerscheinung degradiert, was seiner ursprünglichen Natur nicht immer gerecht wird. Wer sich für einen Bobtail entscheidet, erhält einen treuen Freund, der mit seinem Charme und seiner Lebensfreude begeistert.

