Blutarmut, medizinisch als Anämie bekannt, ist ein Zustand, der durch eine Verringerung der Hämoglobinkonzentration im Blut gekennzeichnet ist. Hämoglobin, der rote Blutfarbstoff, spielt eine entscheidende Rolle beim Sauerstofftransport im Körper. Je nach Ursache gibt es verschiedene Formen der Anämie, die sich in ihren Symptomen und Behandlungsmethoden unterscheiden. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und vor allem die ernährungstherapeutischen Ansätze zur Unterstützung der Behandlung von Blutarmut, mit einem besonderen Fokus auf die Eisenmangelanämie und megaloblastäre Anämie. Die hier vorgestellten Ernährungstipps basieren auf bewährten Empfehlungen und zielen darauf ab, die Blutbildung zu fördern und Mangelzustände auszugleichen.
Was ist Blutarmut (Anämie)?
Definition und Klassifikation
Eine Anämie liegt vor, wenn die Hämoglobinwerte unter bestimmten Grenzwerten liegen: unter 13 mg/dl bei Männern und unter 12 mg/dl bei Frauen (für nicht schwangere Erwachsene). Hämoglobin ist essentiell für den Sauerstofftransport und die Aufrechterhaltung des Blut-pH-Wertes. Die verschiedenen Anämieformen umfassen Blutungsanämie, Störungen der Hämoglobinsynthese, megaloblastäre Anämie (verursacht durch Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure), Anämie bei chronischen Erkrankungen/Entzündungen und hämolytische Anämie (erhöhter Abbau roter Blutkörperchen).
Symptome von Anämie
Die Symptome einer Blutarmut können vielfältig sein und hängen vom Schweregrad und der Geschwindigkeit des Auftretens ab. Häufige Anzeichen sind Blässe von Haut und Schleimhäuten, eine erhöhte Herzfrequenz (Herzklopfen), Schwindel, Ohrensausen und das Gefühl, “schwarz vor Augen zu werden”. Körperliche Ermüdung, Kälteempfindlichkeit sowie brüchige Haare und Nägel sind ebenfalls häufige Begleiterscheinungen.
Ursachen für Blutarmut
Die Ursachen für Blutarmut sind breit gefächert:
- Blutverluste: Dies kann durch starke Menstruationsblutungen, Magen-Darm-Erkrankungen oder Verletzungen/Operationen verursacht werden.
- Eisenmangel/gestörte Aufnahme: Ein Mangel an Eisen kann durch eine zu geringe Zufuhr über die Nahrung (z.B. bei vegetarischer Ernährung), Resorptionsstörungen (wie bei Zöliakie oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen) oder einen erhöhten Bedarf (in Wachstumsphasen, Schwangerschaft, Stillzeit) entstehen.
- Vitamin B12- oder Folsäuremangel: Diese führen zu einer gestörten Bildung roter Blutkörperchen (megaloblastäre Anämie).
- Chronische Erkrankungen/Entzündungen oder gesteigerter Abbau: Zustände wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) oder Niereninsuffizienz können ebenfalls zu Anämie führen.
Diagnose und Therapie
Diagnostische Maßnahmen
Zur Abklärung einer Blutarmut werden in der Regel ein Blutbild und eine Untersuchung des Eisenstoffwechsels durchgeführt. Dabei werden Parameter wie Hämoglobin (Hb), die roten Blutkörperchen (Anzahl, MCV, MCH), Ferritin (Eisenspeicher) und die Transferrinsättigung (TSAT) bestimmt. Ein Ferritinwert unter 30 µg/L deutet auf einen Eisenmangel hin. Je nach Befund können weitere Untersuchungen notwendig sein, um die genaue Ursache zu ermitteln.
Therapeutische Ansätze
Die Behandlung der Anämie richtet sich primär nach der zugrundeliegenden Ursache. Ziel ist es, die Sauerstoffversorgung des Körpers zu optimieren und eventuelle Nährstoffmängel auszugleichen.
- Eisenmangelanämie: Die Behandlung der Ursache steht im Vordergrund. Wenn die Ernährung nicht ausreicht, können ärztlich verordnete Eisenpräparate (meist in Tablettenform) eingesetzt werden.
- Vitamin B12- oder Folsäuremangel: Hier erfolgt eine gezielte Zufuhr der entsprechenden Nährstoffe, Folsäure meist oral und Vitamin B12 oft durch Injektionen. Die Behandlung einer möglichen Grunderkrankung ist ebenfalls wichtig.
- Anämie bei chronischen Erkrankungen: Die Therapie konzentriert sich auf die Behandlung der Grunderkrankung.
Ernährungstherapie bei Blutarmut
Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung spielt eine zentrale Rolle zur Unterstützung der Therapie und zur Vorbeugung von Mangelzuständen. Die Ernährungstherapie fokussiert sich auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen, Folsäure und Vitamin B12 sowie auf die Auswahl von Lebensmitteln, die die Nährstoffaufnahme fördern und hemmende Substanzen meiden.
Eisenbewusste Ernährung
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Eisenzufuhr von 11 mg für Männer und 16 mg für Frauen (ab der Menopause 14 mg).
- Tierische Lebensmittel: Fleisch (insbesondere Innereien), Wurstwaren, Geflügel und Fisch liefern gut verwertbares Häm-Eisen.
- Pflanzliche Quellen: Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, grünes Gemüse, Nüsse und Samen sind ebenfalls gute Eisenlieferanten. Die Aufnahme pflanzlichen Eisens wird durch gleichzeitigen Verzehr von Vitamin C-reichen Lebensmitteln (z.B. Paprika, Zitrusfrüchte) signifikant verbessert.
- Eisenaufnahme hemmen: Phytinsäure (in Reis, Mais, Getreide), Oxalsäure (in Rhabarber, Spinat), Tannine (in schwarzem Tee, Kaffee) und Milchprodukte können die Eisenaufnahme durch Komplexbildung hemmen.
Lebensmitteltabelle: Eisengehalt pro 100g
| Lebensmittel | Eisen [mg] pro 100g |
|---|---|
| Geflügelleberwurst | 23 |
| Schweineleber | 20 |
| Salzhering | 20 |
| Sojamehl | 12 |
| Rollmops | 12 |
| Sesam | 10 |
| Hirse | 7 |
| Leinsamen | 7 |
| Cashewkerne | 6 |
| Bulgur | 5 |
| Getreide/- Haferflocken | 4 |
| Vollkornbrötchen | 3 |
| Tofu | 3 |
| Hasel-/Walnüsse | 3 |
| Rinderfilet | 2 |
| Ei | 2 |
Quelle: Berechnet mit PRODI expert®, BLS 3.02
Folsäure- und Vitamin B12-reiche Ernährung
Die DGE empfiehlt 300 µg Folsäure und 4,0 µg Vitamin B12 pro Tag.
- Folsäure: Reichlich vorhanden in grünem Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen und Leber. Schonende Zubereitung erhält die Hitzeempfindlichkeit der Folsäure.
- Vitamin B12: Fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Eiern, Milch und Käse zu finden. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung ist eine ärztlich kontrollierte Supplementierung oft unerlässlich.
Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?
Für Betroffene stehen zahlreiche Informationsquellen und Unterstützungsangebote zur Verfügung. Die DEBInet-Rezeptdatenbank bietet eine Auswahl geeigneter Rezepte bei Blutarmut, und über die Lebensmittelsuche können Angaben zum Eisengehalt und Folsäuregehalt eingesehen werden. Für detailliertere Informationen zu Krankheitsverlauf und Ernährungstherapie können Sie sich an eine zertifizierte Ernährungsfachkraft, einen Ernährungsmediziner oder den DEBInet Premium-Bereich wenden.
Literaturhinweise:
- DEBInet – Deutsches Ernährungsberatungs- & Informationsnetz: Ernährungstipps I Blutarmut (Anämie).
- Behnisch W et al. (2021): S1-Leitlinie Eisenmangelanämie. Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH).
- Guideline on haemoglobin cutoffs to define anaemia in individuals and populations. Geneva: World Health Organization; 2024.
Die Behandlung von Blutarmut erfordert oft eine Kombination aus medizinischer Therapie und angepasster Ernährung. Durch eine bewusste Lebensmittelauswahl, die reich an Eisen, Folsäure und Vitamin B12 ist, können Betroffene ihre Genesung aktiv unterstützen und die Lebensqualität verbessern. Bei Fragen oder Unsicherheiten ist die Konsultation eines Arztes oder einer Ernährungsfachkraft stets ratsam.

