Nachhaltigkeit ist mehr als nur ein Schlagwort – sie ist ein Leitbild für das 21. Jahrhundert, das uns alle betrifft. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) befähigt uns, die Herausforderungen unserer Zeit zu verstehen und verantwortungsvoll zu handeln. Von Umweltschutz über soziale Gerechtigkeit bis hin zu wirtschaftlicher Stabilität – BNE liefert die Werkzeuge, um eine lebenswerte Zukunft für uns und kommende Generationen zu schaffen. Sie fördert zukunftsfähiges Denken und Handeln, damit wir bewusste Entscheidungen treffen können, die unseren Planeten schützen und allen Menschen faire Entwicklungschancen ermöglichen.
Die Wurzeln des Nachhaltigkeitsprinzips
Das Prinzip der Nachhaltigkeit hat seine Ursprünge bereits im 18. Jahrhundert. Hans-Karl von Carlowitz formulierte 1713 in seinem Werk “Silvicultura oeconomica” erstmals die Idee, nur so viel Holz zu schlagen, wie der Wald auch wieder nachwachsen kann. Diese frühe Definition, die sich auf die Forstwirtschaft bezog, hat sich über die Jahrhunderte zu einem umfassenden Leitbild entwickelt. Heute erkennt man, dass Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft untrennbar miteinander verbunden sind. Langfristiger Wohlstand und gesellschaftlicher Fortschritt sind ohne eine intakte Umwelt nicht möglich, ebenso wenig wie effektiver Umweltschutz, wenn Menschen um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen.
Nachhaltige Entwicklung: Ein Balanceakt für die Zukunft
Die heutige Lebensweise in vielen Industrieländern ist oft durch hohen Konsum, intensive Ressourcennutzung und erhebliche Mengen an Energieverbrauch, Verkehrsaufkommen und Abfall geprägt. Die zentrale Frage ist hierbei, welche dieser Aspekte vermeidbar sind, ohne die Entwicklung eines Landes übermäßig einzuschränken. Das Prinzip der nachhaltigen Entwicklung zielt darauf ab, dass Menschen und Staaten wachsen und sich weiterentwickeln können, jedoch nicht auf Kosten anderer Regionen oder zukünftiger Generationen. Es geht um eine chancengerechte Entwicklung, die ein friedliches Zusammenleben ermöglicht und gleichzeitig ein dauerhaft tragfähiges Ökosystem bewahrt.
BNE im Kontext der Agenda 2030
Die Vereinten Nationen verabschiedeten im Jahr 2015 die globale Nachhaltigkeitsagenda mit 17 Zielen, um eine friedliche und nachhaltige Weltgesellschaft zu gestalten. Diese Ziele umfassen Bereiche wie nachhaltigen Konsum und Produktion sowie Geschlechtergerechtigkeit. Eine hochwertige Bildung ist dabei eine grundlegende Voraussetzung für das Erreichen dieser Ziele. BNE ist der Kern von Bildungsziel 4 und wird in Teilziel 4.7 präzisiert. Dieses fordert, dass alle Lernenden bis 2030 die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, einschließlich Bildung für nachhaltige Entwicklung, Förderung von Menschenrechten, Geschlechtergleichstellung, einer Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft sowie der Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung. BNE ist somit ein entscheidender Motor für die gesamte Agenda 2030 und wird auch in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie auf nationaler und internationaler Ebene gefördert.
Mehr als nur Faktenwissen: Das Ziel guter Bildung
Bildung wird oft auf formale schulische Bildung reduziert, die vor allem Faktenwissen vermittelt. Doch wichtige Alltagskompetenzen entwickeln sich auch außerhalb der Schule. Gutes Bildungswesen sollte daher neben der formalen Allgemeinbildung auch die “Alltagsbildung” und die anwendungsorientierte Wissensvermittlung fördern. Ziel guter Bildung ist es, Menschen zu befähigen, praktische und soziale Kompetenzen zu entwickeln und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Dies beinhaltet vorausschauendes Denken, interdisziplinäres Wissen, autonomes Handeln und die Partizipation an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen. BNE geht über reines Faktenwissen hinaus und ermöglicht die Entwicklung dieser entscheidenden Fähigkeiten.
Bildung zu Weltbürgerinnen und Weltbürgern
BNE beschreibt eine ganzheitliche und transformative Bildung, die Lerninhalte, Pädagogik und Lernumgebungen einschließt. Interaktive Lehr- und Lernmethoden fördern forschendes, aktionsorientiertes und transformatives Lernen. BNE thematisiert nicht nur Aspekte wie Klimaschutz und Biodiversität, sondern fördert durch partizipative Methoden auch kritisches Denken und Teamfähigkeit. Sie unterstützt Lernende dabei, eine globale Perspektive zu entwickeln und sich als Weltbürger zu verstehen, was bereits bei alltäglichen Entscheidungen beginnt. Ein Beispiel hierfür ist die Auseinandersetzung mit Tourismus und Nachhaltigkeit: Ist Fernreisen vertretbar, wenn sie die Umwelt belasten, oder überwiegen die Entwicklungsmöglichkeiten, die Tourismus für Schwellenländer bietet?
Zahlreiche BNE-Initiativen greifen solche Fragen auf und ermöglichen es den Teilnehmenden, innovative Lösungsansätze zu entwickeln. Lehrmaterialien zu Themen wie Klima, nachhaltiger Konsum und Produktion sowie Geschlechtergleichstellung unterstützen Lehrende und Lernende bei der Auseinandersetzung mit spezifischen BNE-Themen. Porträts von Akteuren veranschaulichen zudem, wie BNE in der Praxis umgesetzt werden kann.
Aktuelles und weiterführende Informationen
Unsere BNE-Gremien stellen sich vor – eine Neuerung, die mehr Transparenz in die Arbeitsprozesse bringt. Tipps für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode bieten praktische Anregungen für den Alltag. Ein neues Onlinedossier zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung vertieft die Materie.
Für weiterführende Informationen stehen Ihnen folgende Ressourcen zur Verfügung:

