Ursula von der Leyen ist eine deutsche Politikerin, die seit 2019 Präsidentin der Europäischen Kommission ist. Sie ist die erste Frau in diesem Amt und eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der europäischen Politik. Doch wer ist die Frau hinter dem Amt, und welche Stationen prägten ihren Weg? Dieser Artikel beleuchtet das Leben und Wirken von Ursula von der Leyen, von ihren Anfängen bis zu ihrer jetzigen Rolle als mächtigste Frau Europas.
Frühe Jahre und akademische Laufbahn
Ursula von der Leyen wurde am 8. Oktober 1958 als Ursula Gertrud Albrecht in Brüssel geboren. Ihr Vater, Ernst Albrecht, war ein hoher Beamter der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und später Ministerpräsident von Niedersachsen. Diese familiäre Prägung durch Politik und internationale Beziehungen legte den Grundstein für ihre eigene Karriere.
Nach dem Abitur studierte von der Leyen Volkswirtschaftslehre an der Universität Göttingen und später an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Ihre akademische Laufbahn setzte sie in London fort, wo sie an der London School of Economics and Political Science studierte. 1987 promovierte sie in Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und begann ihre berufliche Laufbahn als Ärztin. Diese medizinische Ausbildung und ihre Erfahrung im Gesundheitswesen prägen bis heute ihren Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Gesundheitspolitik.
Erste Schritte in die Politik
Die politische Karriere von Ursula von der Leyen begann in den 1990er Jahren. Zunächst auf lokaler Ebene aktiv, trat sie 1985 in die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) ein. Ihr politischer Aufstieg war geprägt von Engagement und der Übernahme verschiedener Verantwortungspositionen. Von 2001 bis 2003 war sie Präsidentin der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag.
Ihre erste bundesweite Bekanntheit erlangte sie, als sie 2005 von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in das Kabinett der Bundesrepublik Deutschland berufen wurde. In dieser Funktion setzte sie sich für die Einführung des Elterngeldes und den Ausbau der Kinderbetreuung ein.
Ministerämter und wachsende Verantwortung
Nach vier Jahren im Familienministerium wechselte von der Leyen 2009 an die Spitze des Bundesministeriums der Verteidigung. Dieses Amt hatte sie bis 2019 inne und war damit die erste Frau, die dieses Ministerium leitete. In ihrer Amtszeit war sie mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter die Bundeswehrreform, Auslandseinsätze und die Modernisierung der Truppe. Ihre Zeit als Verteidigungsministerin war oft von intensiven Debatten und kritischen Auseinandersetzungen geprägt, doch sie hielt an ihren Positionen fest und trieb Reformen voran.
Parallel zu ihrer Ministertätigkeit übernahm von der Leyen auch wichtige Rollen innerhalb der Europäischen Union. Sie war Mitglied des Europäischen Parlaments und engagierte sich in verschiedenen Ausschüssen. Ihre diplomatischen Fähigkeiten und ihr Verständnis für europäische Prozesse machten sie zu einer gefragten Persönlichkeit auf internationaler Bühne.
Präsidentschaft der Europäischen Kommission
Der Höhepunkt ihrer politischen Karriere war zweifellos die Wahl zur Präsidentin der Europäischen Kommission im Juli 2019. Nach intensiven Verhandlungen und einer Kampfabstimmung im Europäischen Parlament wurde sie zur Nachfolgerin von Jean-Claude Juncker ernannt. Ihre Agenda als Kommissionspräsidentin ist ambitioniert und vielfältig. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Europa zu einer grüneren, digitaleren und gerechteren Union zu machen.
Wichtige Schwerpunkte ihrer Amtszeit sind der “European Green Deal”, der Europa bis 2050 klimaneutral machen soll, und die digitale Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft. Darüber hinaus widmet sie sich der Stärkung der europäischen Souveränität, der Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der Förderung von Gleichberechtigung.
Herausforderungen und Errungenschaften
Die Amtszeit von Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin ist von zahlreichen globalen Krisen geprägt. Die COVID-19-Pandemie stellte die EU vor immense Herausforderungen, die von der Leyen mit einer koordinierten Impfstoffbeschaffung und wirtschaftlichen Hilfsprogrammen zu bewältigen suchte. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise erforderten ebenfalls entschlossenes Handeln und eine Stärkung der europäischen Einheit.
Trotz dieser Widrigkeiten konnte die Europäische Kommission unter ihrer Führung wichtige Erfolge erzielen. Der “NextGenerationEU”-Aufbauplan zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und die Beschleunigung der Energiewende sind Beispiele dafür. Von der Leyen hat sich als starke und entschlossene Führungspersönlichkeit erwiesen, die Europa in schwierigen Zeiten zusammenhält.
Persönliches und Familie
Ursula von der Leyen ist mit Heiko von der Leyen verheiratet, einem Professor für Ingenieurwesen. Das Paar hat sieben gemeinsame Kinder. Ihre Rolle als Mutter und ihre familiären Bindungen prägen auch ihre politische Arbeit. Sie spricht offen über die Herausforderungen, Beruf und Familie zu vereinbaren, und setzt sich für familienfreundliche Politik ein. Diese persönliche Komponente macht sie für viele Menschen nahbar und authentisch.
Ihre Fähigkeit, eine anspruchsvolle politische Karriere mit einer großen Familie zu verbinden, wird oft bewundert und dient als Inspiration für viele Frauen. Sie verkörpert eine moderne Form der weiblichen Führung, die Stärke, Entschlossenheit und Einfühlungsvermögen vereint.
Fazit und Ausblick
Ursula von der Leyen hat sich von ihren Anfängen in Niedersachsen zu einer der global einflussreichsten politischen Persönlichkeiten entwickelt. Ihre Karriere ist ein beeindruckendes Beispiel für Durchhaltevermögen, strategisches Denken und die Fähigkeit, in Führungspositionen zu agieren. Als Präsidentin der Europäischen Kommission steht sie an der Spitze eines Kontinents, der vor großen Umbrüchen steht.
Ihr politisches Erbe wird maßgeblich davon abhängen, wie erfolgreich sie die Vision eines grünen, digitalen und souveränen Europas umsetzen kann. Mit ihrer Erfahrung, ihrem Engagement und ihrer pragmatischen Herangehensweise ist sie jedoch gut gerüstet, um die Zukunft Europas mitzugestalten und den Weg für kommende Generationen zu ebnen. Ihr Weg zeigt eindrucksvoll, wie man durch Beharrlichkeit und Vision die höchsten Ämter erreichen und die Welt nachhaltig beeinflussen kann.

