Film des Meisterschaftsfinales von FC Bayern vs. Eintracht Frankfurt

Am 12. Juni 1932 trafen der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt im Finale der Deutschen Fußballmeisterschaft aufeinander. Dieses historische Spiel, das im städtischen Stadion in Nürnberg stattfand, war nicht nur ein entscheidendes Match um den Titel, sondern auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland kurz vor der nationalsozialistischen Machtübernahme. Der FC Bayern gewann die Partie mit 2:0 und sicherte sich damit zum ersten Mal in seiner Geschichte die deutsche Meisterschaft.

Das Objekt: Ein historischer Film

Das zentrale Objekt dieses Artikels ist ein Schmalfilm, der auf 16mm gedreht wurde und das Meisterschaftsfinale von 1932 dokumentiert. Diese Aufnahme befindet sich heute in der Archivsammlung des Leo Baeck Institute in New York. Der Film zeigt nicht nur das sportliche Geschehen, sondern auch Impressionen der Zuschauer und die Anzeigetafel, die den Endstand von 2:0 für den FC Bayern München festhält. Die Lizenz des Films erlaubt eine nicht-kommerzielle Nutzung unter Namensnennung und Weitergabe unter gleichen Bedingungen (cc by-nc-nd/4.0/deed.de). Dieser Film ist ein wichtiges Zeitdokument, das Einblicke in die Fußballkultur und die Atmosphäre dieser Ära gewährt.

Historischer Kontext: Jüdische Vereine im deutschen Fußball

Bemerkenswerterweise galten sowohl der FC Bayern München als auch Eintracht Frankfurt zu dieser Zeit als „Judenklubs“. Diese Zuschreibung basierte auf der starken Präsenz von jüdischen Mitgliedern, Funktionären und Gönnern in beiden Vereinen. Im Falle des FC Bayern war Kurt Landauer, ein jüdischer Unternehmer, seit 1919 Präsident und prägte den Verein maßgeblich. Auch bei Eintracht Frankfurt spielte die jüdische Gemeinschaft eine bedeutende Rolle, unter anderem durch die finanzielle Unterstützung einer jüdischen Schuhfabrik und die Führung durch Walter Neumann. Die Tatsache, dass diese beiden als „Judenklubs“ identifizierten Mannschaften im Finale um die deutsche Meisterschaft standen, unterstreicht die Ambivalenz und die zunehmende Spannungen in der deutschen Gesellschaft vor 1933. Die antisemitischen Rufe, die Fans von Eintracht Frankfurt auf dem Weg zum Spiel in Nürnberg entgegenschlugen, gaben bereits eine Vorahnung auf die Verfolgung, die jüdische Deutsche und jüdische Vereine unter der kommenden NS-Herrschaft erfahren sollten.

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Die nationalsozialistische Ideologie lehnte die Präsenz von Juden im Sport ab. Kurz nach dem Halbfinale, als der FC Bayern den 1. FC Nürnberg besiegt hatte, rief Julius Streicher, der Gauleiter von Nürnberg, in seiner antisemitischen Zeitung „Der Stürmer“ zum Rauswurf des jüdischen Trainers des 1. FCN, Jenö Konrad, auf. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden jüdische Funktionäre und Sportler systematisch aus den Vereinen ausgeschlossen. So wurden beispielsweise 14 Fußballklubs, darunter auch Bayern München und Eintracht Frankfurt, im April 1933 zur sogenannten „Stuttgarter Erklärung“ unterzeichnet, die die Bereitschaft zum Ausschluss von Juden aus dem Sport bekräftigte. Viele jüdische Sportler und Funktionäre sahen sich gezwungen auszuwandern oder in jüdischen Sportvereinen wie Makkabi oder Der Schild Zuflucht zu suchen. Das Engagement von Fans und Vereinen wie dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt in der Aufarbeitung dieser dunklen Geschichte, unter anderem durch Gedenkveranstaltungen und Publikationen, ist ein wichtiger Schritt zur Erinnerung und zum antifaschistischen Gedenken. Der FC Bayern München und Eintracht Frankfurt sind heute engagiert, die Erinnerung an ihre jüdischen Mitglieder aufrechtzuerhalten.

Kurt Landauer: Vom Ruhm in die Emigration und zurück

Die persönliche Geschichte von Kurt Landauer ist untrennbar mit dem FC Bayern München verbunden. Als jüdischer Münchner Unternehmer trat er 1901 dem Verein bei und wurde später zu dessen Präsidenten gewählt. Er führte den FC Bayern zu seinem ersten großen Erfolg, der deutschen Meisterschaft 1932. Doch nur wenige Monate später, nach der Machtergreifung Hitlers, wurde Landauer zum Rücktritt gezwungen. Die nationalsozialistische Herrschaft brachte für ihn und viele andere jüdische Deutsche unermessliches Leid mit sich. Landauer wurde 1938 verhaftet und im Konzentrationslager Dachau interniert. Nach seiner Freilassung gelang ihm 1939 die Flucht in die Schweiz, wo er die Kriegsjahre überlebte, während seine Geschwister der „Endlösung“ zum Opfer fielen.

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Nach dem Krieg kehrte Kurt Landauer 1947 nach München zurück und wurde überraschenderweise erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Diese Rückkehr war auch strategisch motiviert, um die notwendige Lizenz von der Besatzungsbehörde zu erhalten. Trotz seines entscheidenden Beitrags zur Sanierung des Vereins in der Nachkriegszeit wurde Landauer 1951, nach dem Ende der Besatzungszeit, von der Generalversammlung abgewählt. Die Vereinsführung und die kollektive Erinnerung verdrängten lange die unangenehme Geschichte der Verfolgung jüdischer Mitglieder. Erst in den letzten Jahrzehnten, auch durch die Arbeit von Fan-Initiativen wie „Schickeria“ und die Bemühungen des Leo Baeck Instituts, wird Kurt Landauers Lebenswerk und die dunkle Geschichte des FC Bayern während der NS-Zeit umfassend aufgearbeitet. Filme wie „Landauer. Der Präsident“ und Dokumentationen würdigen heute sein Vermächtnis.

Die Geschichte des Fußballs in Deutschland ist reich an sportlichen Erfolgen, aber auch an schmerzhaften Erinnerungen. Das Meisterschaftsfinale von 1932 und die Schicksale von Persönlichkeiten wie Kurt Landauer erinnern uns daran, wie wichtig es ist, sich der Vergangenheit zu stellen und aus ihr zu lernen, um eine inklusive und faire Zukunft im Sport zu gestalten.