Katzen-Pankreatitis: Akute und chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüsenentzündung, medizinisch als Pankreatitis bekannt, ist eine häufige und potenziell lebensbedrohliche Erkrankung bei Katzen jeden Alters. Die Diagnose gestaltet sich oft schwierig, da Katzen ihre Krankheitssymptome geschickt verbergen und die Anzeichen einer Pankreatitis unspezifisch und wechselhaft sein können. Dieser Artikel beleuchtet die Funktion der Bauchspeicheldrüse, die Diagnostik, Ursachen, Symptome, Verlaufsformen sowie Therapie und Prognose der felinen Pankreatitis.

Die Rolle der Bauchspeicheldrüse

Das Pankreas (Bauchspeicheldrüse) spielt eine entscheidende Rolle bei der Verarbeitung und Verdauung von Nahrung. Es arbeitet sowohl endokrin als auch exokrin. Endokrin produziert es Hormone wie Insulin und Glucagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Exokrin gibt es Verdauungsenzyme in den Dünndarm ab, die Nahrung in ihre Bestandteile (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate) aufspalten. Eine Pankreatitis entsteht, wenn die Bauchspeicheldrüse Enzyme vorzeitig in das eigene Gewebe abgibt, was zu einer Selbstverdauung des Organs und des umliegenden Gewebes führt.

Diagnose der Katzen-Pankreatitis

Die Ultraschalldiagnostik ist die bevorzugte bildgebende Methode zur Feststellung einer felinen Pankreatitis, da sie eine detailliertere Darstellung des Organs ermöglicht als Röntgen oder Computertomografie. Labordiagnostisch kann ein Test (Spec fPL®) die Konzentration der pankreasspezifischen Lipase messen.

Ursachen, Symptome und Verlauf der Pankreatitis bei Katzen

Die genauen Ursachen der Katzen-Pankreatitis sind nicht vollständig geklärt, aber folgende Faktoren können begünstigend oder auslösend wirken:

  • Ernährung: fettreiche oder ungeeignete Nahrung.
  • Übergewicht: Ein erheblicher Risikofaktor.
  • Hormonelle Erkrankungen: wie das Cushing-Syndrom, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenüberfunktion.
  • Infektionskrankheiten: beispielsweise durch Feline Coronaviren (FCoV), Felines Immundefizienz-Virus (FIV), Caliciviren oder Toxoplasmose.
  • Chronische Darmentzündung (IBD): Inflammatory Bowel Disease ist ein signifikanter Risikofaktor.
  • Entzündliche Gallenerkrankung: der Cholangitis-Cholangiohepatitis-Komplex (CCH-Komplex).
  • Traumata: stumpfe Verletzungen oder Stürze.
  • Tumore: können ebenfalls eine Rolle spielen.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können Auslöser sein.
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Besonders hervorzuheben ist die sogenannte Triaditis, eine Erkrankung, bei der eine Pankreatitis, eine Cholangiohepatitis und eine IBD gleichzeitig auftreten. Die anatomische Besonderheit der Katze mit einem gemeinsamen Ausführungssystem für Galle und Pankreas kann bei chronischem Erbrechen zu einem Rückfluss von Gallen- und Pankreassekret in die Bauchspeicheldrüse führen und somit eine Entzündung begünstigen.

Die Symptome einer Pankreatitis bei Katzen sind oft unspezifisch und können variieren:

  • Appetitlosigkeit bis Nahrungsverweigerung (Anorexie).
  • Gewichtsverlust.
  • Erbrechen.
  • Bauchschmerzen (abdominale Schmerzen).
  • Teilnahmslosigkeit.
  • Durchfall mit nachfolgender Dehydrierung (Flüssigkeitsverlust).
  • Verstopfung.
  • Gelbfärbung der Schleimhäute (Ikterus).
  • Atembeschwerden.
  • Niedrige Körpertemperatur (Hypothermie).

Trotz ihrer oft dezenten Anzeichen ist eine Bauchspeicheldrüsenentzündung für Katzen sehr schmerzhaft.

Verlaufsformen der felinen Pankreatitis

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung kann unbehandelt in eine chronische Pankreatitis übergehen. Während einige milde Verläufe vollständig ausheilen können, gibt es auch schwerwiegende Verläufe, die sich systemisch ausbreiten und zu multiplem Organversagen führen können. Chronische Formen erfordern regelmäßige tierärztliche Kontrollen, da die Entzündung wiederkehrend auftreten kann. Langfristig kann eine chronische Pankreatitis zu Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer exokrinen Pankreasinsuffizienz (unzureichende Produktion von Verdauungsenzymen) führen.

Therapie und Prognose der Pankreatitis bei Katzen

Da die genaue Ursache selten eindeutig geklärt werden kann, konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Je nach Schweregrad und Allgemeinzustand der Katze kann eine stationäre Aufnahme notwendig sein. Die Sicherstellung der Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr ist essenziell, da Katzen keine längeren Futterpausen verkraften. Ein Mangel an Nahrung führt zur Mobilisierung von Körperfettreserven, was die Leber überlasten und zu einer hepatischen Lipidose (Fettlebersyndrom) bis hin zum Leberversagen führen kann.

Die Behandlung umfasst in der Regel Antibiotika, Schmerzmittel, Medikamente gegen Übelkeit und zur Appetitanregung. Ergänzend erfolgt eine angepasste Ernährung mit kohlenhydratreichem und fettreduziertem Futter sowie die Gabe von Verdauungsenzymen zur Entlastung des Pankreas.

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Die Prognose für Katzen mit Pankreatitis hängt von der Schwere und Dauer der Erkrankung, der Intensität der Behandlung sowie dem Auftreten von Begleiterkrankungen und Komplikationen ab. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Therapie sind entscheidend für eine positive Prognose. Regelmäßige Nachuntersuchungen sind bei chronischen Verläufen unerlässlich, um das Wohlbefinden der Katze langfristig zu sichern.