Das Barfen, eine Fütterungsmethode, die auf der Idee basiert, Hunde so zu ernähren, wie es ihre Vorfahren, die Wölfe, tun würden, gewinnt zunehmend an Popularität. Diese Rohfutterdiät verspricht zahlreiche gesundheitliche Vorteile, birgt aber auch Herausforderungen. Dieser Leitfaden beleuchtet alle wichtigen Aspekte des Barfens für Hunde – von der Berechnung der richtigen Futtermenge über passende Rezepte bis hin zu den Vor- und Nachteilen.
Was bedeutet Barfen und für welche Hunde ist es geeignet?
Barfen steht für “Biologisch Artgerechtes Rohes Futter”. Es handelt sich um eine Ernährungsweise, bei der Hunde hauptsächlich mit rohem Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse und Obst gefüttert werden. Das Ziel ist es, eine Ernährung zu schaffen, die dem natürlichen Beutetier-Prinzip entspricht und somit die artgerechten Bedürfnisse des Hundes erfüllt. Grundsätzlich ist das Barfen für fast alle Hunde geeignet, solange die Mahlzeiten individuell an die jeweiligen Bedürfnisse des Tieres angepasst werden. Dies ermöglicht eine genaue Kontrolle über die Nahrungsbestandteile und stellt sicher, dass der Hund nur das erhält, was er verträgt. Besonders profitieren können Hunde mit Allergien, Unverträglichkeiten oder einem empfindlichen Magen-Darm-Trakt von den gesundheitlichen Vorteilen des Barfens. Bei Hunden mit Vorerkrankungen wie Leber-, Nieren- oder Darmerkrankungen ist jedoch Vorsicht geboten und eine Rücksprache mit dem Tierarzt unerlässlich, da die hohe Protein- und Bakterienbelastung das Risiko einer Verschlimmerung bergen kann. Auch für Welpen, Junghunde, Senioren, Hunde mit Allergien oder einem sensiblen Magen gibt es spezielle Anpassungen, die beachtet werden müssen.
Die richtige Barf-Menge für Hunde berechnen
Die Ermittlung der korrekten Futtermenge ist ein entscheidender Schritt beim Barfen. Als Faustregel gilt, dass erwachsene Hunde etwa 2 bis 3 % ihres Körpergewichts an Futter pro Tag erhalten sollten. Es gibt einfache Online-Rechner, die diese Berechnung erleichtern.
Faustregeln für die Futtermenge:
- Übergewichtige, Senioren, wenig aktive und kranke Hunde: ca. 2 % des Körpergewichts.
- Hunde mit Untergewicht oder hohem Aktivitätslevel: 3 – 4 % des Körpergewichts.
- Welpen (täglich): ca. 6 – 8 % des Körpergewichts.
- Junghunde (täglich): ca. 5 – 7 % des Körpergewichts.
Beispielrechnungen:
- Ein 3 kg schwerer Welpe benötigt täglich etwa 180 – 240 g Futter (bei 6-8 %).
- Ein 11 kg schwerer Junghund benötigt ungefähr 550 – 770 g Barf-Futter pro Tag (bei 5-7 %).
- Ein 40 kg schwerer erwachsener Hund erhält etwa 800 – 1.200 g Futter pro Tag (bei 2-3 %).
Diese Angaben sind Richtwerte. Die genaue Menge muss immer individuell an den Gesundheitszustand, das Alter, das Aktivitätslevel und die spezifischen Bedürfnisse des Hundes angepasst werden.
Passende Barf-Rezepte für Hunde auswählen
Nachdem die Futtermenge ermittelt wurde, ist die Auswahl passender Rezepte der nächste Schritt. Ein wöchentlicher Barf-Plan hilft, den Überblick über die tägliche Nährstoff- und Kalorienzufuhr zu behalten. Die Rezepte und Mengenangaben sollten stets individuell angepasst werden.
Beispielrezepte:
Für erwachsene Hunde (30 kg, 3% Futterbedarf, 80:20 Fleisch:Pflanze):
- Tagesmenge: 900 g
- 360 g Rindermuskelfleisch
- 144 g Rinderpansen
- 108 g Rinderleber
- 108 g Rinderknochen
- 180 g Obst-Gemüse-Mix
Verschiedene Barf-Rezepte für Hunde
Für Senioren Hunde (20 kg, 2% Futterbedarf, 80:20 Fleisch:Pflanze):
- Tagesmenge: 400 g
- 160 g Wildfleisch
- 64 g Lammpansen
- 48 g Wildleber
- 48 g Wildknochen
- 80 g Obst-Gemüse-Mix
Für Welpen (4 kg, 7% Futterbedarf, 70:30 Fleisch:Pflanze):
- Tagesmenge: 280 g
- 98 g Pferdefleisch
- 39,2 g Lammpansen
- 29,4 g Lammleber
- 29,4 g Kalbsbrustknochen
- 84 g Obst-Gemüse-Mix
Tipps zum Barfen für Anfänger
Bei Rezepten, die Ihr Hund gut annimmt, ist es ratsam, diese zu notieren und öfter in den Plan zu integrieren. Dennoch sollte auf Abwechslung geachtet werden, um Unverträglichkeiten oder Allergien vorzubeugen.
Barfen für Hunde in unterschiedlichem Alter und unterschiedlicher Größe
Das Barfen ist für Hunde jeden Alters und jeder Größe möglich, erfordert jedoch spezifische Anpassungen:
Barfen für Welpen und Junghunde:
Das Gewicht und der Nährstoffbedarf ändern sich wöchentlich. Regelmäßiges Wiegen ist unerlässlich, um eine bedarfsgerechte Fütterung zu gewährleisten und gesundheitliche Schäden an Knochen und Gelenken zu vermeiden. Bei Junghunden sind zudem das schnelle Wachstum, hormonelle Veränderungen und die steigende Aktivität zu berücksichtigen.
Barfen für Senioren Hunde:
Die Mahlzeiten sollten leicht verdaulich sein und eine weiche Konsistenz aufweisen. Aufgrund des sinkenden Energiebedarfs und einer veränderten Verdauung ist eine hohe Nährstoffqualität bei reduzierter Kalorienzufuhr wichtig (mageres Fleisch, weniger fette Innereien).
Barfen für kleine Hunde:
Kleine Hunde haben oft ein empfindlicheres Verdauungssystem. Dies muss bei der Umstellung auf Barf, der Futtermenge und der Zutatenwahl berücksichtigt werden.
Barfen für große Hunde:
Große Hunde neigen zu Gelenkproblemen. Eine Anpassung der Futtermenge und Zusammensetzung ist wichtig. Natürliche Zusätze wie Grünlippmuschelpulver, Kollagen oder Algenkalk können zum Schutz der Gelenke und Knochen beitragen.
Vor- und Nachteile des Barfens für Hunde
Vorteile:
- Individuelle Zusammenstellung: Volle Kontrolle über die Inhaltsstoffe.
- Erfüllung der Bedürfnisse: Optimale Abstimmung auf Kalorien- und Nährstoffbedarf.
- Ausgewogene Ernährung: Versorgung mit Muskelfleisch, Innereien, Knochen, Gemüse und Obst.
- Naturnahe Mahlzeiten: Frei von künstlichen Zusatzstoffen, Zucker und Füllstoffen.
- Geeignet für sensible Hunde: Berücksichtigung von Diäten bei Allergien, Unverträglichkeiten oder Magen-Darm-Problemen.
- Natürliche Zahnpflege: Förderung des Zahnabriebs durch Kauen von Fleisch und Knochen.
Nachteile:
- Risiko der Fehlernährung: Ohne ausreichende Kenntnisse können Mangelerscheinungen oder Überversorgung auftreten.
- Risiko der Keimbelastung: Rohes Fleisch kann Krankheitserreger enthalten, die für Menschen gefährlich sein können.
- Strenge Hygienemaßnahmen: Notwendig zur Vermeidung der Übertragung von Parasiten, Bakterien oder Salmonellen.
- Hoher Aufwand: Zeitintensiver Prozess der Zubereitung, Lagerung und Fütterung im Vergleich zu Fertigfutter.
Um die Risiken zu minimieren, sind strenge Hygienevorschriften, korrekte Lagerung und ein fundiertes Wissen über die Bedürfnisse des eigenen Hundes unerlässlich.
Kosten des Barfens für Hunde
Die monatlichen Kosten für das Barfen variieren je nach Größe des Hundes:
- Kleine Hunde (bis 10 kg): 20 – 40 Euro pro Monat.
- Mittelgroße Hunde (bis 30 kg): 50 – 80 Euro pro Monat.
- Große Hunde (bis 60 kg): 100 – 180 Euro pro Monat.
Dies entspricht durchschnittlich etwa 1 bis 3 Euro pro Tag. Die genauen Kosten hängen von der Fleischqualität, der Wahl zwischen Fertigbarf oder selbst zusammengestellten Mahlzeiten, der Größe des Hundes und seinen individuellen diätetischen Bedürfnissen ab. Hochwertiges Barf-Fleisch, Obst-Gemüse-Mixe und natürliche Zusätze sind im Fachhandel erhältlich.
