England, das Land der roten Doppeldeckerbusse und des Linksverkehrs – für viele deutsche Autofahrer eine faszinierende, aber auch herausfordernde Destination. Mit dem eigenen deutschen Auto die englischen Straßen zu erkunden, verspricht ein ganz besonderes Freiheitsgefühl und die Möglichkeit, abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu reisen. Doch bevor du dich ins Abenteuer stürzt, gibt es einige wichtige Dinge zu beachten, damit deine Reise reibungslos und sicher verläuft. Von den Verkehrsregeln über Mautgebühren bis hin zu spezifischen Besonderheiten – dieser Leitfaden hilft dir, dich bestens auf deine Fahrt in England vorzubereiten.
Dabei geht es nicht nur darum, sich an den Linksverkehr zu gewöhnen, sondern auch um technische Anpassungen am Fahrzeug, die richtige Versicherung und das Wissen um lokale Gegebenheiten. Die deutsche Ingenieurskunst im Automobilbau ist weltweit anerkannt, und ein deutsches Auto ist zweifellos ein zuverlässiger Begleiter. Dennoch erfordert das Fahren auf der britischen Insel eine sorgfältige Vorbereitung, um mögliche Unannehmlichkeiten oder gar rechtliche Probleme zu vermeiden.
Die Grundlagen: Linksverkehr und Geschwindigkeitsbegrenzungen
Der offensichtlichste Unterschied, der dir sofort ins Auge fallen wird, ist der Linksverkehr. In Deutschland fahren wir auf der rechten Seite, in England ist es die linke. Das bedeutet, dass das Lenkrad in deinem deutschen Auto nun auf der rechten Seite ist und du dich an das Fahren auf der gegenüberliegenden Straßenseite gewöhnen musst.
Gewöhnung an den Linksverkehr
Die Umstellung kann anfangs ungewohnt sein. Besonders beim Abbiegen, an Kreisverkehren und beim Überholen ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten.
- Kreisverkehre: In England fährt man im Kreisverkehr von links nach rechts und muss dem Verkehr von rechts Vorfahrt gewähren. Dies ist oft eine der größten Herausforderungen für deutsche Autofahrer.
- Überholen: Überholt wird grundsätzlich rechts. Linke Überholmanöver sind nur in Ausnahmefällen und mit äußerster Vorsicht durchzuführen.
- Parken: Achte darauf, dein Auto so zu parken, dass es auf der linken Seite der Straße steht, es sei denn, es gibt spezielle Beschilderungen.
Es ist ratsam, sich auf den ersten Kilometern langsam an den Linksverkehr zu gewöhnen. Nutze ruhigere Straßen außerhalb der Städte, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Viele Fahrer finden es hilfreich, sich auf der Beifahrerseite, die nun auf der straßenabgewandten Seite ist, besonders sicher zu fühlen, während die Nähe zum Gegenverkehr auf der Fahrerseite anfangs irritierend sein kann.
Tempolimits in England
Die Geschwindigkeitsbegrenzungen in England sind in Meilen pro Stunde (mph) angegeben. Es ist essenziell, sich mit den gängigen Tempolimits vertraut zu machen:
- Innerorts: 30 mph (ca. 48 km/h) – dies ist die Standardgeschwindigkeit in Wohngebieten und städtischen Bereichen, sofern nicht anders ausgeschildert.
- Außerorts (Landstraßen): 60 mph (ca. 96 km/h) für Autos.
- Schnellstraßen (Dual Carriageways) und Autobahnen: 70 mph (ca. 112 km/h) für Autos.
Achte genau auf die Beschilderung, da es immer wieder Ausnahmen gibt. Digitale Verkehrsschilder zeigen oft dynamische Geschwindigkeitsbegrenzungen an, die je nach Verkehrslage oder Witterungsbedingungen variieren können. Falschparken oder Geschwindigkeitsüberschreitungen können zu empfindlichen Geldstrafen führen, die oft teurer sind als in Deutschland.
Technische Anpassungen und Ausrüstung für dein deutsches Auto
Bevor du die Fähre oder den Eurotunnel nach England nimmst, solltest du prüfen, ob dein Fahrzeug den britischen Vorschriften entspricht und du die notwendige Ausrüstung an Bord hast.
Scheinwerfer-Umstellung
Ein wesentlicher Punkt ist die Umstellung der Scheinwerfer. Da du auf der linken Seite fährst, ist der entgegenkommende Verkehr nun auf der rechten Seite. Moderne Fahrzeuge mit asymmetrischer Scheinwerfer-Leuchtweitenregulierung (oft für Rechtsverkehr optimiert) können den Gegenverkehr blenden. Viele Fahrzeuge haben eine Einstellungsmöglichkeit an den Scheinwerfern selbst, die den Lichtkegel für den Linksverkehr anpasst. Falls dein Auto diese Funktion nicht hat, kannst du spezielle Abdeckungen für die Scheinwerfer anbringen. Die Nichtbeachtung kann zu einem Bußgeld führen und ist ein Sicherheitsrisiko. Erkundige dich in deiner Werkstatt, wie du die Scheinwerfer deines Modells korrekt einstellst.
Warnwesten und Verbandskasten
In Großbritannien ist es Pflicht, Warnwesten für alle Insassen mitzuführen. Diese sollten gut erreichbar im Fahrgastraum aufbewahrt werden, nicht im Kofferraum. Beim Verlassen des Fahrzeugs bei einer Panne oder einem Unfall auf der Fahrbahn außerhalb geschlossener Ortschaften musst du die Warnweste anziehen. Ein Verbandskasten ist ebenfalls obligatorisch, ebenso wie ein Warndreieck. Die spezifischen Anforderungen an das Warndreieck können leicht variieren, aber ein Standard-Warndreieck wie in Deutschland ist in der Regel ausreichend.
Reifendruck und Umweltzonen
Informiere dich über die aktuellen Vorschriften bezüglich Umweltzonen (Low Emission Zones, LEZ) oder Ultra Low Emission Zones (ULEZ) in Städten wie London. Manche Städte verlangen eine Registrierung oder Gebühren für Fahrzeuge, die bestimmte Emissionsstandards nicht erfüllen. Dies gilt auch für ausländische Fahrzeuge. Prüfe die Websites der jeweiligen Städte, um sicherzustellen, dass dein Auto die Kriterien erfüllt oder ob du eine Gebühr entrichten musst. Achte zudem auf den korrekten Reifendruck, der durch die veränderte Gewichtsverteilung beim Linksverkehr und potenziell unterschiedliche Straßenoberflächen beeinflusst werden kann.
Versicherung und Dokumente
Eine gültige Kfz-Versicherung ist unerlässlich. Prüfe, ob deine deutsche Versicherung auch für Fahrten in Großbritannien gilt und welche Deckungssummen im Schadensfall greifen.
Grüne Karte und Versicherungsschutz
Obwohl die Grüne Karte in vielen EU-Ländern nicht mehr zwingend vorgeschrieben ist, kann sie als Nachweis deiner Versicherung für Fahrten außerhalb der EU nützlich sein. Kläre mit deiner Versicherung, ob sie für Großbritannien weiterhin ausgestellt wird und ob dein Versicherungsschutz alle notwendigen Aspekte abdeckt, insbesondere die Haftpflicht für das Fahren auf der linken Seite. Achte auf die genauen Bedingungen deiner Police, falls du einen Unfall hast.
Fahrzeugpapiere und Führerschein
Stelle sicher, dass du alle erforderlichen Dokumente bei dir hast:
- Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I): Muss im Fahrzeug mitgeführt werden.
- Führerschein: Dein deutscher Führerschein ist in Großbritannien gültig.
- Personalausweis oder Reisepass: Zur Identifikation.
Es ist immer ratsam, Kopien wichtiger Dokumente getrennt von den Originalen aufzubewahren, falls diese verloren gehen sollten.
Mautgebühren und Straßenbenutzungsgebühren
Großbritannien erhebt für die Benutzung bestimmter Straßen, Brücken und Tunnel Mautgebühren. In London gibt es zudem die Congestion Charge und die bereits erwähnte ULEZ.
London Congestion Charge und ULEZ
Die Congestion Charge in London ist eine Gebühr für das Befahren des zentralen Stadtgebiets während bestimmter Zeiten. Die ULEZ zielt darauf ab, die Luftqualität zu verbessern, indem sie ältere, emissionsstärkere Fahrzeuge belastet. Die Gebühren können je nach Fahrzeugtyp und Emissionsklasse variieren. Die Bezahlung erfolgt oft online oder über spezielle Apps. Bei Nichtbeachtung drohen hohe Strafen. Informiere dich unbedingt vorab auf den offiziellen Websites (z.B. Transport for London), um die aktuellen Tarife und Betriebszeiten zu erfahren und dein Fahrzeug gegebenenfalls zu registrieren.
Brücken- und Tunnelmaut
Zusätzlich gibt es mautpflichtige Brücken und Tunnel, wie z.B. die Dartford Crossing im Osten Londons, die Humber Bridge oder der Mersey Gateway. Die Bezahlung erfolgt oft über automatische Systeme (Kennzeichenerkennung) oder an Mautstellen. Erkundige dich im Voraus über die spezifischen Gebühren und Zahlungsmethoden für die Strecken, die du planst zu befahren.
Umgang mit dem Linksverkehr und Notfälle
Der Linksverkehr erfordert ständige Aufmerksamkeit. Hier sind einige zusätzliche Tipps, um sicher ans Ziel zu kommen und was im Notfall zu tun ist.
Navigation und Parken
Nutze ein Navigationssystem, das für das Fahren im Linksverkehr konfiguriert ist. Viele Systeme erlauben die Einstellung des Ziellandes, was automatisch die korrekte Routenführung gewährleistet. Achte beim Parken auf die örtlichen Beschilderungen. Parkscheiben und Parkuhren sind weit verbreitet. In Wohngebieten kann es zeitliche Beschränkungen geben, und das Parken auf Gehwegen ist in vielen Gegenden verboten.
Notrufnummern
Die einheitliche europäische Notrufnummer 112 funktioniert auch in Großbritannien. Alternativ kannst du die lokale Nummer 999 wählen, um Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst zu erreichen. Es ist ratsam, sich diese Nummern zu notieren.
Pannen und Unfälle
Solltest du eine Panne haben, ziehe die Warnweste an und bringe dich und deine Mitfahrer in Sicherheit, idealerweise abseits der Fahrbahn. Stelle das Warndreieck auf. Kontaktiere deinen Pannendienst oder die örtliche Polizei über 112 oder 999. Dokumentiere den Unfallhergang sorgfältig, mache Fotos und tausche Kontaktdaten mit dem Unfallgegner aus.
Die Vorteile, mit dem eigenen Auto zu reisen
Trotz der Herausforderungen bietet das Reisen mit dem eigenen deutschen Auto nach England unschätzbare Vorteile. Du genießt maximale Flexibilität bei der Routenplanung und kannst spontan Stopps einlegen, um malerische Dörfer, versteckte Küstenabschnitte oder historische Stätten zu entdecken, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwer zu erreichen wären. Dein vertrautes Fahrzeug ermöglicht es dir zudem, Gepäck nach Belieben zu verstauen und dich wie zu Hause zu fühlen, egal wie weit du reist.
Die Möglichkeit, die Landschaft in deinem eigenen Tempo zu erleben, von den sanften Hügeln der Cotswolds bis zu den dramatischen Küstenlinien von Cornwall, ist ein unvergleichliches Erlebnis. Du bist nicht an Fahrpläne gebunden und kannst jederzeit anhalten, um Fotos zu machen oder die lokale Küche zu genießen. Das Gefühl der Unabhängigkeit und die Freiheit, wirklich in das Land einzutauchen, machen die Reise mit dem eigenen Auto besonders reizvoll.
Fazit: Ein Abenteuer, das gut vorbereitet sein will
Die Fahrt mit einem deutschen Auto nach England ist ein aufregendes Abenteuer, das dir unvergessliche Eindrücke bescheren kann. Der Schlüssel zu einer gelungenen Reise liegt in einer gründlichen Vorbereitung. Indem du dich mit den Besonderheiten des Linksverkehrs, den technischen Anforderungen an dein Fahrzeug, den Verkehrsregeln und den Mautsystemen auseinandersetzt, schaffst du die besten Voraussetzungen für eine entspannte und sichere Fahrt. Denke daran, dass dein deutsches Auto ein Stück Heimat auf Rädern ist, das dich sicher durch die englischen Landschaften navigieren wird, wenn du ihm die nötige Aufmerksamkeit und Vorbereitung schenkst. Genieße die Fahrt und entdecke die Schönheit Großbritanniens!

