Blähungen sind ein weit verbreitetes Problem, das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen kann. Doch was genau sind Blähungen, wie entstehen sie, und wann sollte man ärztlichen Rat suchen? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Blähungen, von alltäglichen Essgewohnheiten bis hin zu tieferliegenden gesundheitlichen Problemen, und gibt praktische Tipps zur Linderung und Vorbeugung.
Wie entstehen Blähungen?
Blähungen entstehen durch ein Zusammenspiel von verschluckter Luft und Gasen, die bei der Verdauung im Dickdarm durch Bakterien produziert werden. Während des Essens und Trinkens nehmen wir unweigerlich Luft auf, die in den Magen gelangt. Dort beginnt die Magensäure mit der Aufspaltung der Nahrung, bevor diese weiter in den Dünndarm transportiert wird. Im Dickdarm sind Millionen von Bakterien ansässig, die bei der Zersetzung von Nahrungsresten Gase wie Kohlendioxid, Methan und Schwefelwasserstoff freisetzen. Ein Teil dieser Gase wird über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen und über die Lunge ausgeatmet, während der Rest als Darmwind den Körper verlässt.
Wie viel Pupsen ist normal?
Die Vorstellung, dass übermäßiges Pupsen ein Zeichen für Krankheit ist, ist weit verbreitet. Laut Prof. Jörg Albert, einem Gastroenterologen am Klinikum Stuttgart, ist das jedoch meist unbegründet. Durchschnittlich produziert ein Mensch täglich etwa 20 bis 30 Darmwinde, was einem Volumen von 1 bis 1,5 Litern entspricht – eine völlig normale Menge. In 95% der Fälle liegen diesen Flatulenzen keine ernsthaften Erkrankungen zugrunde. Oft verlaufen sie unbemerkt, können aber manchmal auch unangenehm werden.
Schmerzhafte Blähungen: Wenn Gas zum Problem wird
Nicht alle Blähungen sind gleich. Während manche Flatulenzen zwar geruchlich auffällig, aber ansonsten harmlos sind, können andere mit starken Schmerzen einhergehen. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die produzierte Gasmenge bei schmerzhaften und schmerzlosen Blähungen oft sehr ähnlich ist. Der entscheidende Unterschied liegt offenbar in der individuellen Wahrnehmung der Darmtätigkeit. Prof. Albert spricht hier von einer gestörten Darm-Hirn-Achse, bei der die Reizübertragung ins Gehirn beeinträchtigt ist.
Gründe für starke Blähungen
Zahlreiche Faktoren können zu starken Blähungen beitragen:
- Hastiges Essen und Trinken: Wer schnell isst oder trinkt, verschluckt mehr Luft. Kohlensäurehaltige Getränke wie Limonaden und Mineralwasser erhöhen die Gasmenge im Verdauungstrakt zusätzlich, da der Stickstoffanteil kaum vom Körper resorbiert werden kann und ausgeschieden werden muss.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktose-, Fructose- oder Glutenintoleranz sind häufige Auslöser für Verdauungsbeschwerden, einschließlich Blähungen.
- Bestimmte Lebensmittel: Hülsenfrüchte, Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Steinobst, Vollkornprodukte, stark zuckerhaltige oder stark verarbeitete Lebensmittel sowie Schweinefleisch können je nach individueller Darmflora zu vermehrten Gasen führen.
- Stress: Chronischer Stress kann durch die Ausschüttung von Cortisol die Darmtätigkeit reduzieren und Blähungen begünstigen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, darunter Antidepressiva, Diabetes-Medikamente und opioidhaltige Schmerzmittel, können die Verdauung beeinflussen und Blähungen verursachen.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können Schwankungen des Hormonspiegels während der Menstruation, Schwangerschaft oder Wechseljahre die Verdauung beeinflussen.
Die richtige Ernährung bei Blähungen
Viele als blähend geltende Lebensmittel wie Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind eigentlich sehr gesund und reich an wichtigen Ballaststoffen. Anstatt sie komplett zu meiden, empfiehlt sich eine langsame Gewöhnung. Kleine Mengen, beispielsweise von roten Linsen, können die Darmflora dazu anregen, sich umzustellen. Ähnlich verhält es sich mit Vollkornprodukten: Wer sie selten isst, kann anfangs Verdauungsbeschwerden haben. Prof. Dr. Patrick Michl, Gastroenterologe an der Uniklinik Heidelberg, betont, dass das Weglassen von Ballaststoffen aufgrund von Blähungen keine gute Idee sei, da sie essenziell für die allgemeine Gesundheit sind und präventiv gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirken. Auch eine plötzliche Erhöhung der Proteinzufuhr kann die Darmflora überfordern. Generell sollte jede Ernährungsumstellung schrittweise erfolgen.
Probiotika: Ein Allheilmittel für den Darm?
Probiotika werden oft als Mittel zur Wiederherstellung einer gesunden Darmflora angepriesen, insbesondere nach Antibiotikatherapien. Die wissenschaftliche Evidenz hierzu ist jedoch uneinheitlich, wie Prof. Albert anmerkt. Die Ernährung spiele für eine gesunde Darmflora die entscheidende Rolle.
Blähungen durch Zucker und Süßstoffe
Softdrinks, Limonaden und Eistees enthalten oft große Mengen Industriezucker. Auch “Light”-Produkte mit Süßstoffen können problematisch sein, da sowohl Zucker als auch Süßstoffe im Dünndarm schlecht verdaut werden. Die Bakterien im Dickdarm freuen sich über dieses “Futter” und produzieren dabei vermehrt Gase. Als gesündere Alternativen empfehlen sich Tee oder stilles Wasser.
Wann sollte man zum Arzt?
Bestimmte Symptome sollten Anlass für einen Arztbesuch sein: Blut im Stuhl, starker und anhaltender Durchfall, unerklärlicher Gewichtsverlust oder nächtliche Schmerzattacken, die den Schlaf stören. Der Geruch der Blähungen allein gibt keinen Aufschluss über die Schwere der Ursache. Prof. Dr. Patrick Michl erklärt, dass der typische Geruch nach faulen Eiern auf Schwefelwasserstoffe zurückzuführen ist, die bei der Zersetzung von Nahrung entstehen.
Ärztlich abgeklärt werden sollte, ob hinter den Beschwerden ein träger Darm (Obstipation), ein Darmverschluss (lebensbedrohlich!), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Zöliakie stecken. Prof. Michl weist auch darauf hin, dass Blähungen, insbesondere durch hastiges Essen verursacht, fälschlicherweise als Herzsymptome fehlinterpretiert werden können.
Was hilft gegen Blähungen?
Zur Linderung von Blähungen können bewährte Hausmittel wie Anis, Fenchel oder Kümmel eingesetzt werden – als Gewürz, pur gekaut oder als Tee. Ihre ätherischen Öle wirken krampflösend, verdauungsfördernd und lindern Beschwerden. Auch Pfefferminzöl ist beliebt.
Generell ist es ratsam, Mahlzeiten in Ruhe und im Sitzen einzunehmen, anstatt unterwegs schnell etwas hinunterzuschlingen. Enge Kleidung kann ebenfalls kontraproduktiv sein. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von etwa zwei Litern täglich, vorzugsweise stilles Wasser, ist wichtig. Regelmäßige Bewegung entlastet den Darm und beugt übermäßiger Luftansammlung vor. Bei akuten Beschwerden können Medikamente mit Wirkstoffen wie Simeticon oder Dimeticon helfen, die Gasbildung zu reduzieren. Krampflösende Medikamente können unterstützend eingesetzt werden, sollten aber nicht als Dauertherapie dienen.
Experten in diesem Artikel:
- Prof. Dr. med. Jörg Albert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie, gastrointestinale Onkologie, Hepatologie und Infektiologie am Klinikum Stuttgart.
- Prof. Dr. med. Patrick Michl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektionskrankheiten, Vergiftungen und Ärztliche Leitung der Privatambulanz an der Uniklinik Heidelberg.

