Die Ausbildung eines Assistenzhundes ist ein komplexer und langwieriger Prozess, der darauf abzielt, Hunden spezifische Fähigkeiten zu vermitteln, um Menschen mit Behinderungen im Alltag zu unterstützen. In Deutschland kooperiert das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum T.A.R.S.Q. mit qualifizierten Trainern in verschiedenen Regionen, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Ziel ist es, dass jeder, der auf einen solchen vierbeinigen Helfer angewiesen ist, auch einen ausgebildeten Assistenzhund erhalten kann. Die Reise von einem Welpen zu einem professionell ausgebildeten Assistenzhund dauert in der Regel zwischen 18 und 24 Monaten und beinhaltet sowohl eine Grundausbildung als auch das Training spezifischer Aufgaben.
Selbstausbildung: Der Weg zum Assistenzhund mit eigenem Hund
Für Menschen, die einen eigenen Hund ausbilden möchten, gibt es zwei Hauptwege: die Ausbildung mit einem Welpen oder die Umschulung eines bereits vorhandenen Hundes.
Ausbildung mit einem Welpen
Wenn Sie sich für die Ausbildung mit einem Welpen entscheiden, können Sie sich entweder direkt an einen qualifizierten Trainer in Ihrer Nähe wenden oder eine allgemeine Anfrage an das Deutsche Assistenzhund-Zentrum stellen, welches Ihre Anfrage dann an den nächstgelegenen Trainer weiterleitet. In persönlichen Gesprächen können Sie alle Ihre Fragen klären und sich über den realistischen Ablauf und die damit verbundenen Überlegungen informieren. Nach Ihrer Entscheidung für einen Assistenzhund beginnt die Suche nach einem geeigneten Welpen.
Der Welpe zieht in der Regel im Alter von neun Wochen bei Ihnen ein und bleibt für die gesamte Ausbildungszeit bei Ihnen. Über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten besuchen Sie gemeinsam Trainingsstunden, die an verschiedenen Orten in der Öffentlichkeit stattfinden können, um den Hund an unterschiedliche Umgebungen zu gewöhnen. Das erste Lebensjahr ist der Grundausbildung gewidmet. Nach Abschluss dieser Phase und vor Beginn der Spezialausbildung, in der die spezifischen Hilfsleistungen erlernt werden, steht ein Eignungstest an. Dieser Test, der sich über 12 Monate erstreckt, unterteilt sich in einen Wesenstest ab einem Alter von 12 Monaten und eine gesundheitliche Überprüfung durch einen Tierarzt. Besteht der Hund diese Tests, beginnt die Spezialausbildung.
Abschließend absolvieren Sie und Ihr Hund gemeinsam mit dem Trainer den Public Access Test des Dachverbandes IAADP. Dieser Test überprüft, ob der Hund sich in allen Situationen angemessen verhält und die hohen Standards erfüllt. Im Anschluss daran folgt die staatliche Assistenzhund-Team-Prüfung bei einem staatlichen Prüfer. Nach erfolgreichem Bestehen erhält Ihr Hund eine Assistenzhundeweste und ist offiziell anerkannt. Dies ermöglicht Ihnen den Zugang zu öffentlichen Gebäuden und die Mitnahme des Hundes in der Flugzeugkabine.
Ausbildung eines bereits vorhandenen Hundes
Auch wenn Sie bereits einen Hund besitzen, besteht die Möglichkeit, diesen mit entsprechender Eignung zu einem Assistenzhund auszubilden. Alter und Rasse spielen dabei eine untergeordnete Rolle, solange der Hund die nötigen Voraussetzungen mitbringt.
Kontaktieren Sie einen kooperierenden Assistenzhundetrainer, um einen Einschulungstest für Ihren Hund zu vereinbaren. Hierbei wird die grundsätzliche charakterliche Eignung geprüft, wobei kein vorheriges Training oder eine abgeschlossene Grundausbildung erforderlich sind.
Nach einigen Monaten Training und Abschluss der Grundausbildung muss Ihr Hund mindestens 12 Monate alt sein, um an der staatlich vorgeschriebenen 2-teiligen Eignungsprüfung teilzunehmen. Diese Prüfung umfasst eine gesundheitliche Untersuchung durch Tierärzte und eine Überprüfung des Wesens und Verhaltens durch Ihren Trainer. Fällt diese positiv aus, beginnt die Spezialausbildung. Der Trainer führt Sie durch den Public Access Test des IAADP als Vorbereitung auf die Team-Prüfung.
Anschließend legen Sie gemeinsam die staatliche Assistenzhund-Team-Prüfung ab, um die Anerkennung als Assistenzhund zu erhalten. Der Trainer erarbeitet mit Ihnen und Ihrem Hund einen individuellen Trainingsplan, der auf den erlernten Aufgaben basiert und steht Ihnen bei Fragen jederzeit zur Seite.
Fremdausbildung: Professionelle Unterstützung durch Trainer
Die kooperierenden Assistenzhundetrainer bilden Hunde für verschiedenste Bedürfnisse nach höchsten Standards aus. Einige bieten auch die sogenannte Fremdausbildung an, bei der der Hund individuell vom Trainer ausgebildet wird.
Die Welpen stammen meist aus Zuchtprogrammen oder von ausgewählten Züchtern und werden durch spezielle Tests für ihre zukünftigen Aufgaben ausgewählt. Nur wenige Welpen sind für diese anspruchsvolle Aufgabe geeignet. Zwischen acht und zwölf Wochen leben die Welpen in einer Patenfamilie, die sie an das Familienleben und verschiedene Umgebungsreize gewöhnt und unter Anleitung Grundkommandos übt. Regelmäßige Treffen mit Betreuern stellen die optimale Sozialisierung und Gewöhnung sicher.
Zwischen 12 und 18 Monaten zieht der Junghund zum Assistenzhundetrainer. Umfassende Gesundheitsuntersuchungen sowie Wesens- und Eignungstests werden durchgeführt, um sicherzustellen, dass der Hund den Anforderungen gewachsen ist und sich souverän in öffentlichen Umgebungen bewegen kann. Nach erfolgreichem Bestehen dieser Tests wird der Hund sechs bis zwölf Monate auf seine spezifischen Aufgaben trainiert. Vor dem Matching mit einem potenziellen Halter absolviert der Trainer mit dem Hund den Public Access Test der IAADP.
Anschließend wird das Profil des Hundes mit den Profilen der Bewerber abgeglichen. Nach einem Kennenlernen und der Bestätigung einer guten Zusammenarbeit beginnt die Einarbeitung des Teams über mindestens vier Wochen, meist in der Nähe des Wohnortes des Bewerbers.
Nachdem sich Mensch und Hund aneinander gewöhnt haben und als eingespieltes Team agieren, folgt die staatliche Assistenzhund-Team-Prüfung, um sicherzustellen, dass der Hund die benötigte Hilfe bietet. Nach bestandener Prüfung ist der Hund offiziell ein Assistenzhund. Der Trainer bleibt während der Lebenszeit des Assistenzhundes in Kontakt, bietet bei Bedarf Nachschulungen an und steht mit Rat und Tat zur Seite.

