Der Wunsch nach weniger Appetit und schneller Gewichtsabnahme ist groß, besonders wenn der Heißhunger auf Süßes oder Herzhaftes das Abnehmen erschwert. Produkte, die als Appetithemmer, Appetitzügler oder Sättigungskapseln beworben werden, versprechen genau das: Sie sollen das Hungergefühl drosseln und die Sättigung verstärken, um so beim Reduzieren des Körpergewichts zu helfen. Die Wirkmechanismen dieser oft als Nahrungsergänzungsmittel deklarierten Produkte sind vielfältig und eine klare Definition fehlt meist.
Einige Präparate enthalten Extrakte aus Mate oder Guarana. Diese pflanzlichen Stoffe können eine leicht hungerdämpfende und anregende Wirkung haben, jedoch führen sie in der Regel nicht zu einer echten oder gar dauerhaften Gewichtsreduktion. Wissenschaftliche Belege für eine signifikante hungerdämpfende Wirkung, die beworben werden darf, fehlen oft.
Andere Produkte basieren auf quellfähigen Ballaststoffen wie Apfelpektin, Alginat, Zellulose oder Glucomannan. Diese binden Wasser im Darm und quellen auf, was ein Sättigungsgefühl hervorrufen kann. Nur für Glucomannan gibt es wissenschaftliche Belege, die eine unterstützende Wirkung bei der Gewichtsreduktion nahelegen.
Auch sogenannte Fettblocker, wie Chitosan oder der Arzneistoff Orlistat, werden oft in diesem Kontext genannt. Sie blockieren die Fettverdauung im Darm, wodurch Fette unverdaut ausgeschieden werden. Dies kann zu einer gesteigerten Darmtätigkeit führen und ebenfalls ein Sättigungsgefühl erzeugen.
Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Produkte keine Wunder bewirken. Ein nachhaltiger Gewichtsverlust erfordert immer eine Kombination aus Ernährungsumstellung, ausreichender Bewegung und Verhaltensänderungen.
Worauf Sie bei der Anwendung von Appetithemmern achten sollten
Die Wirksamkeit von Appetithemmern und ähnlichen Produkten ist stark an zusätzliche Maßnahmen gekoppelt:
- Kalorienzufuhr einschränken: Ohne eine Reduzierung der Kalorienaufnahme funktionieren diese Produkte nicht. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion erfordert eine umfassende Ernährungsumstellung und dauerhafte Änderungen im Bewegungs- und Verhalten. Ausreichend Schlaf und Entspannung sind ebenfalls essenziell.
- Gewöhnungseffekt vermeiden: Bei quellenden Mitteln besteht die Gefahr, sich an das Sättigungsgefühl zu gewöhnen. Nach erfolgreicher Gewichtsabnahme ist es wichtig, die fehlende Sättigung nicht durch gesteigerte Essensmengen zu kompensieren. Viel Trinken (vorzugsweise warme Getränke), Rohkost und kleine Mengen ungesalzener Nüsse können helfen.
- Vorsicht bei Zusätzen: Manche Produkte enthalten pflanzliche Stoffe mit abführender (z.B. Sennes, Rhabarberwurzel, Faulbaum) oder entwässernder Wirkung (z.B. Brennnessel, Löwenzahn). Ein Gewichtsverlust durch diese Zusätze ist nur teilweise “echt”. Insbesondere abführende Pflanzenstoffe sind Arzneistoffe und gehören nicht in Nahrungsergänzungsmittel. Sie werden häufig in Produkten aus dem Internet gefunden und sind nicht immer in der Zutatenliste aufgeführt.
- Gefahren bei Produkten aus dem Internet: Bei Schlankheitsmitteln aus dem Internet ist besondere Vorsicht geboten. Oftmals werden in angeblichen Schlankheitstees, -kaffees, -kapseln oder Fatburnern gesundheitlich riskante und verbotene Zusätze wie Sibutramin, Ephedrin oder Dinitrophenol (DNP) gefunden.
- Umgang mit Quellstoffen: Produkte mit Quellstoffen (Apfelpektin, Alginat, Zellulose, Glucomannan) müssen mit reichlich Wasser eingenommen werden, um Verstopfungen vorzubeugen. Eine zu hohe Dosis kann zu Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen führen. Beachten Sie stets die Herstellerangaben.
- Fettbinder und Fettblocker: Bei Produkten mit Fettbindern oder Fettblockern (Chitosan, Orlistat) kann die Aufnahme fettlöslicher Vitamine, essentieller Fettsäuren und auch von gleichzeitig eingenommenen Medikamenten beeinträchtigt werden. Beachten Sie die Anwendungshinweise genau.
- Wechselwirkungen mit Medikamenten: Einige Produkte können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln haben. Beispielsweise darf Orlistat nicht zusammen mit gerinnungshemmenden Medikamenten eingenommen werden. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollten Sie vor der Verwendung solcher Produkte unbedingt ärztlichen Rat einholen oder sich in der Apotheke beraten lassen.
Abgrenzung zu “Anorektika”
Von Nahrungsergänzungsmitteln sind sogenannte “Anorektika” zu unterscheiden. Dies sind Medikamente oder Arzneistoffe (z.B. Liraglutid, Cathin), die über das Gehirn die körpereigene Regulation von Hunger und Sättigung beeinflussen. Sie können unter ärztlicher Verschreibung zur Unterstützung einer Therapie bei krankhafter Fettsucht (Adipositas) eingesetzt werden, typischerweise ab einem BMI von 30.
Der Wirkstoff Amfepramon war in Deutschland bis Anfang 2023 unter verschiedenen Markennamen erhältlich. Aufgrund des Risikos schwerwiegender Nebenwirkungen wie pulmonaler arterieller Hypertonie, kardio- und zerebrovaskulärer Erkrankungen sowie Abhängigkeitspotenzial wurde das Nutzen-Risiko-Verhältnis als ungünstig eingestuft und die Zulassungen in der EU widerrufen.
Krankenkassen übernehmen die Kosten für Anorektika in der Regel nicht, da sie als Lifestyle-Medikamente gelten. Mögliche Nebenwirkungen können Herzrasen, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Impotenz, psychische Veränderungen, Übelkeit, Magen-Darm-Probleme und bei einigen Wirkstoffen auch Abhängigkeit sein. Insbesondere Cathin und Amfepramon sind wegen ihrer gefährlichen Nebenwirkungen in vielen Ländern nicht zur Behandlung von Übergewicht zugelassen.
Natürliche Appetithemmer als Tipp
Für eine natürliche Unterstützung des Sättigungsgefühls und zur Appetitkontrolle eignen sich folgende Tipps:
- Nüsse: Besonders Mandeln sind wegen ihres hohen Protein- und Ballaststoffgehalts ideal, um lange satt zu machen.
- Gemüse und Obst: Sorten, die gut gekaut werden müssen, wie Karotten oder Äpfel, sind gute Hungerstiller. Äpfel sind zudem eine natürliche Pektinquelle.
- Hülsenfrüchte: Linsen, Kichererbsen oder Kidneybohnen sättigen gut, besonders in Kombination mit etwas Schärfe wie Chili.
- Gekochtes Ei: Ein hart gekochtes Ei ist ein guter und lange sättigender Zwischensnack.
- Warme Getränke: Gemüsebrühe oder Tees wie Ingwer-, Pfefferminz- oder Matetee können den Magen füllen und das Hungergefühl reduzieren.
- Vanilleduft: Der Duft von Vanille kann den Appetit dämpfen. Eine gute Kombination ist Vanillemark in fettarmem Naturjoghurt oder Magerquark.
- Pfefferminz-Zahnpasta: Das Zähneputzen mit Minz-Zahnpasta kann bei akuten Hungerattacken helfen und sollte ausprobiert werden.
Quellen:
Said A (2016): Mit Arzneimitteln zum Wunschgewicht? Zu Wirkungen und Risiken von zugelassenen und nicht zugelassenen Antiadiposita. Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 10, S. 48
Patientenleitlinie zur Diagnose und Behandlung der Adipositas, 1. Ausgabe Januar 2019
Gemeinsamer Bundesausschuss: Verordnungsausschluss von Lifestyle Arzneimitteln, Stand: 08.02.2025
Gemeinsamer Bundesausschuss: G-BA vollzieht den gesetzlichen Verordnungsausschluss für das Abmagerungsmittel Wegovy® nach. Stand: 21.03.2024
Arzneimittel-Richtlinie, Anlage II: Verordnungsausschluss von Arzneimitteln zur Erhöhung der Lebensqualität gemäß § 34 Abs. 1 Satz 7 SGB V, letzte Änderung 08.02.2025
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Amfepramon: Umsetzung des Durchführungsbeschlusses. Stand: 08.02.2023
Rote-Hand-Brief (06.02.2023): Amfepramon-haltige Arzneimittel sind nicht länger auf dem europäischen Markt verfügbar.

