Teacup Hunde: Was Anna über gesunde Haustier-Welpen wissen sollte

Drei entzückende Teacup-Hunde-Welpen in einer Teetasse, die die unethische Zuchtpraxis der Miniaturisierung verdeutlichen.

Stell dir vor, Anna möchte einen Haustier-Welpen. Sie sieht vielleicht Bilder von winzigen Hunden mit großen Kulleraugen, die in eine Teetasse passen – sogenannte Teacup Dogs oder Teetassen-Hunde. Diese Mini-Hunde, die das Kindchen-Schema voll erfüllen, sind seit einigen Jahren ein Trend. Es gibt sie als winzige Versionen bekannter Rassen wie Chihuahua, Spitz, Yorkshire Terrier oder Pudel. Doch was auf den ersten Blick entzückend wirkt, birgt eine dunkle Wahrheit über Zuchtpraktiken und Tierleid. Für verantwortungsbewusste Tierliebhaber, die sich mit Anna und die Haustiere befassen, ist es wichtig zu verstehen, dass diese Züchtungen gravierende gesundheitliche und soziale Probleme für die Tiere mit sich bringen, unter denen die Hunde-Welpen ihr ganzes Leben leiden müssen. Sie sind oft nicht größer als 20 Zentimeter und wiegen meist weniger als eineinhalb Kilogramm, passen also selbst ausgewachsen noch in einen Tee-Pott. Doch hinter dem niedlichen Äußeren verbirgt sich oft Qualzucht.

Das Märchen vom “Welpen fürs Leben”: Was sind Teacup Hunde wirklich?

Teacup Dogs werden als dauerhaft kleine Hunde vermarktet, die ihr “Welpen”-Aussehen ein Leben lang behalten. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eigenständige Rassen, sondern um spezielle, extreme Züchtungen bestehender Rassen. Ihr geringes Gewicht und ihre zarte Konstitution sind keine natürlichen Merkmale, sondern das Ergebnis eines fragwürdigen Zuchtprinzips. Statt auf Gesundheit und Robustheit zu setzen, wird hier das äußerliche Kindchen-Schema maximiert – leider auf Kosten der Tiere.

Weiterlesen >>  Kostenlose Katzenbilder zum Ausmalen: Kreativer Spaß für jedes Alter

Die dunkle Seite der Zucht: “Kümmerlinge” und Qualzucht

Die Züchter von Teacup Dogs ignorieren Darwins These des “Surviving of the fittest” vollständig. Statt die stärksten Tiere zur Vermehrung zu nutzen, werden die sogenannten „Kümmerlinge“ miteinander verpaart – das sind die schwächsten und kleinsten Tiere eines Wurfs. Andrea Mihali vom Deutschen Tierschutzbund kritisiert diese Praxis scharf. Die Folge dieser gezielten Miniaturisierung sind zahlreiche Erkrankungen, denn nicht alle Organe oder auch das Gehirn lassen sich bei Hunden in gleichem Maße durch Zucht verkleinern, ohne dass die Tiere darunter leiden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren pelzigen Freunden bedeutet auch, sich mit der Herkunft unserer Haustiere auseinanderzusetzen. Wer sich mit der Pflege von Tieren beschäftigt, findet auch nützliche Informationen zur Unterstützung, beispielsweise Hausmittel gegen rollige Katzen.

Schwerwiegende gesundheitliche Folgen der Miniaturisierung

Die extreme Verkleinerung der Hunde führt zu einer Vielzahl an gesundheitlichen Problemen:

  • Offene Fontanelle: Am Kopf der Tiere wächst die Fontanelle, die bei Welpen natürlich offen ist, oft nicht zu. Das macht sie extrem anfällig für Kopfverletzungen.
  • Lebershunt: Bei der Leber kann die Züchtung zu einem sogenannten Lebershunt führen. Hierbei transportiert ein Blutgefäß das Blut um die Leber herum, sodass es nicht entgiftet werden kann. Betroffene Hunde müssen häufig kostspielige Operationen über sich ergehen lassen und teures Spezialfutter fressen.
  • Trachealkollaps: Teacup Dogs erleiden häufiger einen Trachealkollaps. Eine Instabilität im Halsbereich führt dazu, dass die Luftröhre zusammenklappt, die Luftzufuhr gestört wird und der Hund kaum atmen kann.
  • Weitere Probleme: Herzdefekte, Kreislaufschwächen, Gebiss- und Kieferanomalien, fragile Knochen, Zittern durch eine zu niedrige Körpertemperatur und Unterzucker sind weitere mögliche Folgen der Schrumpf-Zucht. Es ist absurd, so Mihali, einen so krank gezüchteten Mini-Hund zu kaufen, der dann auch noch hohe Arztkosten verursachen kann.
Weiterlesen >>  Kuschel Haustiere: Die Magie der Wärme-Kuscheltiere entdecken

Drei entzückende Teacup-Hunde-Welpen in einer Teetasse, die die unethische Zuchtpraxis der Miniaturisierung verdeutlichen.Drei entzückende Teacup-Hunde-Welpen in einer Teetasse, die die unethische Zuchtpraxis der Miniaturisierung verdeutlichen.

Keine Mode-Accessoires, sondern Lebewesen: Die soziale Dimension

Diese Winzlinge werden oft als Modeerscheinung betrachtet, die ins Designertäschchen passt und mit der die Besitzer auffallen möchten. Stars wie Paris Hilton haben diese Mini-Züchtungen berühmt gemacht und präsentierten ihre Mini-Hunde gerne in sozialen Medien. Doch Expertin Mihali betont, dass es sich um ein lebendes Tier und kein Spielzeug handelt. In den USA tragen die Tiere genau diesen Namen: “Toy-Dog”, “Spielzeug-Hund”. Egal wie modisch sie erscheinen mögen, sie bleiben Hunde, die regelmäßig Auslauf, artgerechte Ernährung und soziale Kontakte benötigen. Oft werden diese Hunde nur herumgetragen, haben keine sozialen Kontakte zu Artgenossen und sind nicht ausreichend sozialisiert. Die Probleme von Züchtungen können auch bei anderen Tieren beobachtet werden, wie zum Beispiel bei Katzen mit kurzen Beinen, die ähnliche ethische Fragen aufwerfen.

Paris Hilton trägt ihren Teacup Hund Tinkerbell in einer Handtasche, ein Beispiel für den Trend, Haustiere als Modeaccessoires zu inszenieren.Paris Hilton trägt ihren Teacup Hund Tinkerbell in einer Handtasche, ein Beispiel für den Trend, Haustiere als Modeaccessoires zu inszenieren.

Der undurchsichtige Handel im Internet und die “Welpen-Mafia”

Offizielle Zahlen zur Anzahl der Teacup Dogs in Deutschland gibt es nicht, da diese speziell kleingezüchteten Tiere in keinem seriösen Zuchtverzeichnis geführt werden. Die meisten Tiere werden über das Internet gehandelt, oft ohne jegliche Kontrolle. Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin der Welttierschutzgesellschaft, warnt, dass der weltweite Versand und die mangelnde Kenntnis der Verkäufer über die künftigen Besitzer gegen die Seriosität solcher Angebote sprechen. Zudem sind selbst ausgestellte Zertifikate oft wertlos, da es immer wieder Tierärzte gibt, die solche Papiere ohne genaue Prüfung ausstellen. Dies verdeutlicht die Notwendigkeit, sich beim Kauf eines Haustieres genau zu informieren und unseriöse Angebote zu meiden, selbst wenn es sich um die teuerste Katze der Welt handelt.

Weiterlesen >>  Arthrose beim Hund: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Gesetzliche Lücken und der Ruf nach einem Qualzucht-Verbot

Laut der “Zuchtordnung des Verbandes für das deutsche Hundewesen” (VDH) mit Stand 2021 müsste die Zucht von Teacup-Hunden verboten sein, da diese ein Mindestgewicht von zwei Kilogramm für Zuchthunde vorschreibt. Teacup-Hunde wiegen jedoch häufig sogar weniger als 1.000 Gramm. Zudem dürfen nach VDH-Zuchtordnung nur gesunde, verhaltenssichere und rassetypische Hunde zur Zucht eingesetzt werden – Kriterien, die bei Teacup Dogs nicht erfüllt sind. Für Tierschützer fallen Teacup Dogs unter die sogenannte “Qualzucht”. Sie fordern eine Neuregelung und einen “konkreten Qualzuchtparagrafen”, da der jetzige Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes, der das Verbot von Qualzuchten regelt, “sehr offen formuliert” sei. Dies erschwert es erheblich, gegen Züchter von Mini-Hunden vorzugehen.

Nachfrage bestimmt die Zucht der Mini-Hunde

Auch wenn eine Gesetzesänderung dazu beitragen könnte, Züchter oder Händler zur Rechenschaft zu ziehen, liegt das Ende der Zucht von Teacup Dogs maßgeblich an der Nachfrage. Wenn niemand mehr solche “Modehündchen” kauft, wird die Zucht unrentabel und könnte eingestellt werden. Es ist unsere Verantwortung als Gesellschaft und als potenzielle Haustierbesitzer, uns gegen solche Praktiken auszusprechen.

Fazit: Verantwortungsvoll handeln beim Wunsch nach einem Welpen

Für alle, die sich wie Anna einen Hunde-Welpen wünschen, ist es entscheidend, sich umfassend über die Herkunft und die Gesundheit des Tieres zu informieren. Ein glückliches und gesundes Haustier ist das Ergebnis verantwortungsvoller Zucht und artgerechter Haltung, nicht eines fragwürdigen Modetrends. Unterstützen wir seriöse Züchter oder Tierheime und tragen wir dazu bei, dass Tiere nicht für fragwürdige Schönheitsideale leiden müssen. Bevor du dich für einen Haustier-Welpen entscheidest, informiere dich gründlich und wähle ein Tier, das ein gesundes und erfülltes Leben führen kann.