Angela Merkel, die langjährige Bundeskanzlerin Deutschlands, hat in ihrer Amtszeit viele politische Weichen gestellt. Einer der Bereiche, der zunehmend an Bedeutung gewann und auch nach ihrer Amtszeit weiter verfolgt wird, ist die Wasserstofftechnologie. Insbesondere die strategische Ausrichtung Deutschlands auf Wasserstoff als Energieträger der Zukunft, mit Angela Merkel als treibende Kraft hinter wichtigen Entscheidungen, verdient eine genauere Betrachtung. Diese Strategie ist nicht nur ein technologischer Wandel, sondern auch ein Schlüssel zur Energiewende und zur Erreichung der Klimaziele.
Der Aufstieg des Wasserstoffs unter Angela Merkels Kanzlerschaft
Die Idee, Wasserstoff als sauberen Energieträger zu nutzen, ist nicht neu. Doch erst in den letzten Jahren ihrer Amtszeit entwickelte sich eine kohärente und ambitionierte Wasserstoffstrategie. Angela Merkel erkannte früh das Potenzial von grünem Wasserstoff – also Wasserstoff, der durch Elektrolyse mit erneuerbaren Energien hergestellt wird –, um Deutschland von fossilen Brennstoffen unabhängiger zu machen und die Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr voranzutreiben.
Motivationen für die Wasserstoffstrategie
Mehrere Faktoren spielten eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, massiv auf Wasserstoff zu setzen:
- Klimaschutzziele: Die Notwendigkeit, die nationalen und internationalen Klimaziele zu erreichen, war ein zentraler Treiber. Wasserstoff kann in Sektoren eingesetzt werden, in denen eine direkte Elektrifizierung schwierig ist, wie z.B. in der Stahlindustrie, der chemischen Industrie und im Schwerlastverkehr.
- Energiesicherheit: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus instabilen Regionen stellte ein Risiko für die Energiesicherheit Deutschlands dar. Der Ausbau der heimischen Wasserstoffproduktion aus erneuerbaren Energien versprach hier Abhilfe.
- Technologieführerschaft: Deutschland wollte seine Stärken in der Ingenieurskunst und der chemischen Industrie nutzen, um eine führende Rolle auf dem globalen Wasserstoffmarkt einzunehmen und neue Exportchancen zu erschließen.
- Industrielle Transformation: Die deutsche Industrie, insbesondere energieintensive Sektoren, stand vor der Herausforderung, ihre Prozesse klimafreundlich umzugestellen. Wasserstoff bot hier eine vielversprechende Lösung.
Die Nationale Wasserstoffstrategie: Eckpfeiler und Ziele
Im Juni 2020 wurde die von Angela Merkel maßgeblich mitgestaltete Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) verabschiedet. Diese Strategie legte den Grundstein für eine umfassende Förderung und den Ausbau der Wasserstofftechnologie in Deutschland.
Kernpunkte der Strategie
Die NWS umfasste eine Reihe von Zielen und Maßnahmen:
- Ausbau der heimischen Elektrolysekapazitäten: Bis 2030 sollten mindestens 5 Gigawatt (GW) Elektrolysekapazitäten installiert sein, bis 2035 dann 10 GW. Dies sollte die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland ankurbeln.
- Internationale Partnerschaften: Da Deutschland nicht genügend erneuerbare Energien produzieren kann, um den gesamten Bedarf an grünem Wasserstoff zu decken, wurden und werden internationale Partnerschaften mit Ländern aufgebaut, die ideale Bedingungen für die Wasserstoffproduktion bieten (z.B. Australien, Chile, Marokko). Importe von grünem Wasserstoff sollten eine entscheidende Rolle spielen.
- Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur: Der Aufbau eines leistungsfähigen Netzes für den Transport und die Speicherung von Wasserstoff war und ist ein zentraler Bestandteil der Strategie. Dies beinhaltet den Umbau bestehender Gaspipelines und den Neubau von Wasserstoffleitungen.
- Förderung von Anwendungsbereichen: Gezielte Förderprogramme für die Nutzung von Wasserstoff in Industrie, Verkehr und Energieerzeugung wurden aufgelegt, um die Markteinführung zu beschleunigen.
Herausforderungen und Kritikpunkte
Trotz der ambitionierten Ziele und des klaren politischen Willens stand die Wasserstoffstrategie auch vor erheblichen Herausforderungen und war Gegenstand von Kritik.
Technische und wirtschaftliche Hürden
- Kosten für grünen Wasserstoff: Die Herstellung von grünem Wasserstoff ist derzeit noch teurer als die Produktion von grauem Wasserstoff (aus fossilen Brennstoffen) oder die Nutzung fossiler Energien. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen, sind Skaleneffekte und technologische Fortschritte notwendig.
- Infrastrukturausbau: Der Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoffinfrastruktur ist ein komplexes und kostspieliges Unterfangen, das Zeit und erhebliche Investitionen erfordert.
- Effizienzverluste: Bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und wieder zurück in Strom oder andere Energieformen kommt es zu Effizienzverlusten.
Politische und gesellschaftliche Debatten
- Fokus auf “grünen” Wasserstoff: Es gab Diskussionen darüber, ob die Strategie ausreichend auf die Produktion von ausschließlich “grünem” Wasserstoff ausgerichtet ist oder ob auch “blauer” (grauer Wasserstoff mit CO2-Abscheidung) oder “Türkiser” Wasserstoff eine Übergangsrolle spielen sollte. Angela Merkel hielt jedoch am Primat des grünen Wasserstoffs fest, um die Glaubwürdigkeit der Klimaziele zu wahren.
- Internationale Abhängigkeiten: Kritiker bemängelten, dass die Strategie zu stark auf Importe setzt und damit neue Abhängigkeiten schaffen könnte.
Angela Merkels Vermächtnis in der Wasserstofftechnologie
Auch wenn Angela Merkel nicht mehr im Amt ist, prägt ihre Wasserstoffstrategie die deutsche Energiepolitik maßgeblich. Sie hat die Weichen für eine Zukunft gestellt, in der Wasserstoff eine zentrale Rolle im Energiemix spielen soll. Ihre Entschlossenheit, auf diese Technologie zu setzen, war ein wichtiger Impuls für Forschung, Entwicklung und Investitionen in diesem Sektor.
Die Rolle von Wasserstoff für die Energiewende
Die fortschreitende Entwicklung der Wasserstofftechnologie ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Sie ermöglicht:
- Dekarbonisierung der Industrie: Schlüssektoren wie die Stahl- und Chemieindustrie können durch Wasserstoff ihre CO2-Emissionen drastisch reduzieren.
- Nachhaltiger Verkehr: Insbesondere im Schwerlastverkehr, in der Luftfahrt und im Schiffsverkehr bietet Wasserstoff (oder daraus hergestellte E-Fuels) eine emissionsarme Alternative zu fossilen Brennstoffen.
- Speicherung erneuerbarer Energien: Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Quellen kann zur Herstellung von Wasserstoff genutzt und dieser gespeichert werden, um Schwankungen in der Stromversorgung auszugleichen.
Die Zukunft gestalten: Wasserstoff als Chance für Deutschland
Die von Angela Merkel mitinitiierte Wasserstoffstrategie ist ein langfristiges Projekt. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um die ambitionierten Ziele zu erreichen. Es bedarf weiterhin starker politischer Unterstützung, erheblicher Investitionen aus der Wirtschaft und weiterer technologischer Innovationen.
Ausblick
Die Vision von Angela Merkel ist eine, in der Deutschland eine Vorreiterrolle bei der Wasserstofftechnologie einnimmt und damit nicht nur seine Klimaziele erreicht, sondern auch seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in einer sich wandelnden Welt stärkt. Die Weichen sind gestellt, und der Weg ist klar: Wasserstoff ist ein zentraler Baustein für eine nachhaltige und sichere Energiezukunft Deutschlands. Die fortwährende Förderung und der konsequente Ausbau der entsprechenden Infrastruktur und Anwendungsfelder werden entscheidend sein, um dieses Vermächtnis erfolgreich in die Tat umzusetzen.

