Gold eilt seit über dreieinhalb Jahren von einem Rekordhoch zum nächsten. Angesichts geopolitischer Krisen, Inflation und massiver Käufe durch Zentralbanken fragen sich viele Anleger, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Einstieg oder Verkauf ist. Wir beleuchten die Hintergründe und geben eine Einschätzung.
Gold hat sich als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten bewährt und kann als langfristige Beimischung das Portfolio stabilisieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Geldanlage, von physischem Gold bis hin zu goldbasierten Wertpapieren und Fonds.
Gold als sicherer Hafen und seine aktuelle Entwicklung
Gold gilt für viele Anlegerinnen und Anleger als Inbegriff der stabilen Geldanlage in Zeiten volatiler Märkte und geopolitischer Unsicherheiten. Seit Oktober 2022 hat sich der Goldpreis verdreifacht und Anfang 2026 ein neues Allzeithoch von über 5.000 US-Dollar je Feinunze erreicht. Diese beeindruckende Rallye wird von mehreren Faktoren angetrieben.
Dazu zählen:
- Geopolitische Krisen in Nahost, der Ukraine und Taiwan, sowie politische Unsicherheiten in den USA.
- Schwankende Aktienmärkte.
- Währungsschwankungen, insbesondere bei Euro und US-Dollar.
- Starke Nachfrage von Zentralbanken, vor allem aus China und anderen Schwellenländern.
- Die Zinspolitik in den USA.
- Privatanleger, die Gold als Krisenwährung schätzen.
Angesichts dieser Rekordrallye stellt sich die Frage: Ist es noch sinnvoll, in Gold zu investieren? Marco Schwarzbach von der DekaBank gibt Einblicke.
Experteninterview: Chancen und Risiken von Goldinvestments
Ist Gold als sicherer Hafen noch eine gute Wahl?
Gold fungiert weiterhin als sicherer Hafen und sein steigender Preis spiegelt die Verunsicherung an den globalen Finanzmärkten wider. Gleichzeitig nutzen Anleger Gold zur breiteren Streuung und Risikominimierung ihres Portfolios. Ein Anteil von 5 bis 10 Prozent kann sinnvoll sein, jedoch bietet Gold im Gegensatz zu Aktien oder Anleihen keine laufenden Erträge.
Wie wahrscheinlich ist ein Einbruch des Goldpreises?
Ein spürbarer Einbruch ist derzeit unwahrscheinlich, da Faktoren wie Zentralbankkäufe, Zuflüsse bei physisch gedeckten Gold-ETFs, geopolitische Unsicherheiten und sinkende Leitzinsen in den USA unterstützend wirken. Dennoch ist eine Korrektur oder Konsolidierung innerhalb des Aufwärtstrends jederzeit möglich.
Welche Alternativen gibt es zu Gold?
Klassische Alternativen als sicherer Hafen sind US-Staatsanleihen und der US-Dollar. Auch deutsche und europäische Staatsanleihen sowie bonitätsstarke Unternehmensanleihen können als sichere Basis dienen und bieten den Vorteil regelmäßiger Zinserträge.
Jüngste Entwicklung und Prognose
Der Goldpreis hat seit Anfang 2025 Rekordhöhen erreicht und übertrifft damit klar die Rendite des DAX. Prognosen von Investmentbanken wie Bank of America, HSBC und Goldman Sachs wurden bereits übertroffen. Mittelfristig erwarten sie Goldpreise von 6.000 bis 7.000 US-Dollar.
Wer investiert in Gold? Die Rolle von Privatanlegern und Zentralbanken
Die weltweite Goldnachfrage stieg 2025 auf knapp 4.975 Tonnen, ein neuer Rekordwert. Privatanleger kauften so viel Gold wie selten zuvor, vor allem in Form von Barren und Münzen. Auch börsengehandelte Goldfonds und Gold-Wertpapiere wie ETFs und ETCs verzeichneten starke Mittelzuflüsse.
Die großen Zentralbanken, insbesondere China, aber auch Indien, die Türkei und Russland, haben ihre Goldreserven 2025 erheblich aufgestockt, um sich unabhängiger vom US-Dollar zu machen und ihre Währungsreserven zu diversifizieren. Allein 2025 kauften sie über 1.000 Tonnen Gold. In Deutschland befinden sich über 9.000 Tonnen Gold in privater Hand, was Deutschland zum weltweiten Spitzenreiter beim privaten Goldbesitz macht.
Der chinesische Markt gewinnt zunehmend an Bedeutung, sowohl bei den Käufen der Zentralbank als auch im privaten Sektor.
ETFs und ETCs: Börsengehandelte Goldprodukte
Obwohl es im Gesamtjahr 2025 weltweit Nettoabflüsse bei Gold-ETFs und -ETCs gab, kehrte sich der Trend im vierten Quartal um, mit Nettozuflüssen von etwa 19 Tonnen. Dies spiegelt die steigende Nachfrage nach Gold als Absicherung gegen geopolitische Unsicherheiten, Zinssenkungserwartungen und Währungsabwertungen wider.
Lohnt sich ein Goldkauf jetzt noch?
Trotz der starken Rallye sprechen weiterhin viele Faktoren für eine anhaltend hohe Nachfrage:
- Anhaltende geopolitische Unsicherheiten.
- Erwartete Zinssenkungen in Europa und den USA.
- Käufe durch Zentralbanken.
Gold eignet sich als Beimischung im Portfolio zur langfristigen Absicherung. Ein Anteil von 5 bis 10 Prozent am Gesamtvermögen wird empfohlen.
Investitionsmöglichkeiten in Gold
- Physisches Gold (Barren und Münzen): Erhältlich in verschiedenen Größen, weltweit handelbar. Achten Sie auf seriöse Händler, Echtheit und sichere Lagerung.
- Wertpapiere (ETCs und ETFs): Gold-ETCs bilden den Goldpreis 1:1 ab und sind meist physisch hinterlegt. Sie sind einfach an der Börse handelbar.
Steuerliche Behandlung von Gold in Deutschland
Die Besteuerung von Gold hängt von der Anlageform ab. Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold sind in Deutschland steuerfrei, wenn es länger als ein Jahr gehalten wird. Seit 2024 sind Spekulationsgewinne bis 1.000 Euro pro Jahr steuerfrei. Anlagegold ist von der Mehrwertsteuer befreit.
Faktoren, die den Goldpreis beeinflussen
- Angebot und Nachfrage am Weltmarkt.
- Zentralbankkäufe und -verkäufe.
- Entwicklung des US-Dollar und anderer Währungen.
- Inflationserwartungen.
- Zinsniveau.
- Kriege und geopolitische Krisen.
- Entwicklung anderer Anlageklassen.
Wechselkursschwankungen, insbesondere des US-Dollars, beeinflussen den Goldpreis direkt.
Gold als Beimischung im Portfolio: 3 Tipps
- Empfohlener Anteil: 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens.
- Diversifikation: Gold entwickelt sich oft gegenläufig zu Aktien und senkt die Volatilität des Portfolios.
- Langfristige Perspektive: Gold eignet sich für Anleger, die Wert auf Stabilität und Werterhalt legen.
Worauf beim Goldkauf achten?
- Preisvergleich: Geringe Aufschläge zum aktuellen Goldpreis.
- Seriosität: Zertifizierte Händler, Sparkassen oder Banken.
- Lagerung: Sichere Aufbewahrung (Bankschließfach, Tresor).
- Handelbarkeit: Weltweite Akzeptanz von Barren und Münzen.
- Verkauf: Planen Sie den Wiederverkauf.
Häufige Irrtümer über Goldinvestments
- Gold bringt Ertrag: Nein, Gold erwirtschaftet keine laufenden Erträge, sondern nur Kursgewinne oder -verluste.
- Nur Gold schützt vor Inflation: Sachwerte wie Immobilien oder inflationsgeschützte Anleihen sind ebenfalls gute Alternativen.
- Gold hat kein Währungsrisiko: Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, beeinflusst der Wechselkurs den Gewinn.
- Der Wert von Gold wird immer bleiben: Es gibt keine Garantie für zukünftige Rekorde; die Nachfrage ist entscheidend.
- Gold ist stabil: Der Goldpreis war in der Vergangenheit sehr volatil.
- Gold ist günstig: Gold ist teuer, und Aufschläge sowie Gebühren können die Rendite schmälern.
- Gold ist absolut krisensicher: Zentralbanken können den Markt beeinflussen, und in der Geschichte gab es auch Goldverbote.
Fazit: Gold bleibt ein wichtiger Baustein für Ihre Geldanlage
Gold bleibt 2026 eine wichtige Ergänzung für eine solide Anlagestrategie. Die aktuelle Rekordbewertung spiegelt geopolitische Unsicherheiten und hohe Nachfrage wider. Langfristige Anleger, die Gold als 5- bis 10-prozentige Beimischung betrachten, können profitieren. Gold sollte immer Teil einer breit gestreuten Anlagestrategie bleiben.
Ihre Sparkasse bietet verschiedene Möglichkeiten, in Gold zu investieren, sei es physisches Gold, Gold-Zertifikate, ETCs oder Mischfonds. Lassen Sie sich von den Finanzexpertinnen und -experten Ihrer Sparkasse individuell beraten.
