Die Suche nach effektiven Wegen zur Gewichtsreduktion ist allgegenwärtig. In den letzten Jahren haben sogenannte Abnehmspritzen, basierend auf Wirkstoffen wie Semaglutid, viel Aufmerksamkeit erregt. Doch was steckt wirklich hinter diesem Trend? Sind diese Medikamente eine Wunderwaffe gegen Übergewicht oder bergen sie Risiken, die bedacht werden müssen? Dieser Artikel beleuchtet die Fakten und gibt Einblicke in die Funktionsweise, Anwendung, Kosten und potenziellen Vorteile sowie Nebenwirkungen von Abnehmspritzen.
Was sind Abnehmspritzen und für wen sind sie gedacht?
Grundsätzlich sind Abnehmspritzen nicht für jeden gedacht, der ein paar Kilo zu viel auf die Waage bringt. Dr. Birkenfeld erklärt, dass bei einem leichten Übergewicht von beispielsweise fünf Kilogramm diese Spritzen nicht das Mittel der Wahl sind. Die Zulassung beschränkt sich auf Patienten mit Diabetes Typ 2 oder einem gesundheitsgefährdenden Übergewicht, definiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder höher. Der Einsatz jenseits dieser Indikationen wird ausdrücklich abgeraten, da wie bei jedem Medikament Nebenwirkungen auftreten können.
Aktuelle Medikamente auf dem Markt
Derzeit sind mehrere Wirkstoffe auf dem Markt. Semaglutid, bekannt als Ozempic in niedriger Dosierung für Diabetes Typ 2, wird in höherer Dosierung unter dem Namen Wegovy zur Behandlung von Adipositas eingesetzt. Semaglutid ahmt das körpereigene Hormon GLP-1 nach, das die Bauchspeicheldrüse und das Gehirn beeinflusst. Es reguliert den Blutzucker und fördert das Sättigungsgefühl, was stark übergewichtigen Personen helfen kann, innerhalb eines Jahres bis zu 15 Prozent ihres Körpergewichts zu verlieren. Tirzepatid, eine Weiterentwicklung, zeigt sogar noch höhere Wirksamkeit, indem es zwei körpereigene Hormone kombiniert, Übelkeit reduziert und Stoffwechsel sowie Nahrungsaufnahme positiv beeinflusst. Die Forschung ist hierbei nicht stehen geblieben und klinische Studien prüfen bereits Kombinationen aus drei oder mehr Hormonen, was darauf hindeutet, dass die aktuellen Medikamente erst der Anfang einer neuen Ära in der Gewichtsreduktion sein könnten.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Wie bei jedem Medikament gibt es auch bei Abnehmspritzen potenzielle Nebenwirkungen. In den ersten Monaten der Behandlung klagen etwa 20 bis 25 Prozent der Patienten über Übelkeit, Völlegefühl, Durchfall oder Erbrechen. Langfristig ist die Frage, ob Semaglutid das Risiko für Schilddrüsenkrebs erhöhen könnte, noch nicht abschließend geklärt. Ebenso werden sehr seltene Augennervenerkrankungen in Zusammenhang mit den Spritzen gebracht. Unklar ist auch, ob das Risiko für Bauchspeicheldrüsenentzündungen steigt. Wie beim Abnehmen generell üblich, kann es vermehrt zu Gallensteinen und entsprechenden Operationen kommen.
Anwendung und Kosten der Behandlung
Die Verschreibung von Abnehmspritzen kann durch den Hausarzt, einen Diabetologen oder einen Endokrinologen erfolgen. Die Anwendung ist relativ einfach: Einmal wöchentlich wird der Wirkstoff subkutan (unter die Haut) injiziert, was die Patienten in der Regel selbstständig durchführen können. Die Einmalkanülen sind sehr fein und kaum spürbar.
Die Kosten für die Behandlung variieren. Ozempic wird von den Krankenkassen übernommen, da es primär zur Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt wird. Wegovy zur Behandlung von Adipositas kostet etwa 300 Euro pro Monat, während Tirzepatid preislich bei rund 500 Euro pro Monat liegt. Günstiger werden diese Medikamente voraussichtlich erst nach Ablauf des Patentschutzes.
Kostenübernahme durch Krankenkassen
Derzeit werden die Kosten für Abnehmspritzen nur für Patienten mit Diabetes Typ 2 übernommen, da die Medikamente formal als Blutzuckerkontrollmittel gelten. Für die reine Gewichtsreduktion sieht das Sozialgesetzbuch vor, dass die Krankenkassen Medikamente, die ausschließlich der Gewichtsabnahme dienen, nicht bezahlen dürfen. Allerdings gibt es hier eine Entwicklung: Studien zeigen, dass adipöse Patienten ohne Diabetes, die Semaglutid erhalten, tatsächlich seltener Herzinfarkte erleiden und generell eine geringere Sterblichkeitsrate aufweisen. Diese veränderte medizinische Beweisführung könnte dazu führen, dass der Gesetzgeber hier Anpassungen vornimmt.
Abnehmspritzen und Fruchtbarkeit in der Schwangerschaft
Berichte über unerwartete Schwangerschaften während der Therapie mit Abnehmspritzen sind im Umlauf. Der genaue Hintergrund ist noch nicht vollständig geklärt. Übergewichtige Frauen und Männer leiden oft unter Insulinresistenz, was die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Es wird vermutet, dass der Gewichtsverlust durch die Medikamente die Fruchtbarkeit wiederherstellen könnte, anstatt dass die Spritzen direkt auf Eisprung oder Geschlechtshormone einwirken. Bei Frauen, die trotz Antibabypille unter Ozempic schwanger wurden, wird eine gelegentliche Einnahmepause der Pille als wahrscheinliche Ursache angenommen.
Für Schwangere gibt es keine Hinweise auf spezielle Gefahren durch diese Medikamente, dennoch wird von einer Anwendung während der Schwangerschaft abgeraten. Die Empfehlung lautet, vor einer geplanten Schwangerschaft Gewicht zu reduzieren und die Spritze abzusetzen.
Weitere potenzielle Vorteile
Abgesehen von der Gewichtsreduktion gibt es Hinweise auf weitere positive Effekte von Abnehmspritzen. So könnte die Therapie das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, senken. Auch das Risiko für Depressionen scheint geringer zu sein als bei operativen Magenverkleinerungen. Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass Semaglutid Unterstützung beim Rauchstopp oder bei der Reduzierung des Alkoholkonsums bieten kann. Spekulationen deuten sogar darauf hin, dass Semaglutid das Risiko für Alzheimer oder Parkinson senken könnte, was jedoch weiterer Forschung bedarf.

