Appetitzügler & Co.: Was steckt hinter den Schlankheitsversprechen?

Der Wunsch nach weniger Appetit, insbesondere nach süßen oder herzhaften Versuchungen, ist ein allgegenwärtiger Begleiter auf dem Weg zur Gewichtsreduktion. Produkte, die als Appetitzügler, Appetithemmer oder Sättigungskapseln beworben werden, versprechen Abhilfe, indem sie das Hungergefühl dämpfen oder das Sättigungsgefühl verstärken sollen. Doch was verbirgt sich wirklich hinter diesen Produkten und wie wirksam sind sie?

Verschiedene Ansätze zur Appetitregulierung

Die Produktgruppe der Appetitzügler ist nicht klar definiert und umfasst verschiedene Ansätze, um das Essverhalten zu beeinflussen. Häufig finden sich in diesen Nahrungsergänzungsmitteln Pflanzenextrakte wie Mate oder Guarana. Diese Stoffe haben eine leicht hungerdämpfende, anregende und entwässernde Wirkung, führen jedoch nicht zu einer echten oder gar dauerhaften Gewichtsreduktion. Wissenschaftliche Belege für eine signifikante, hungerdämpfende Wirkung, die beworben werden darf, fehlen hierbei.

Andere Produkte setzen auf sogenannte Quellstoffe, die aus Ballaststoffen wie Apfelpektin, Alginat, Zellulose oder Glucomannan bestehen. Diese Substanzen können im Darm eine beachtliche Menge Wasser binden und aufquellen, was ein Sättigungsgefühl auslöst. Insbesondere für Glucomannan gibt es wissenschaftliche Belege, die auf eine Unterstützung bei der Gewichtsreduktion hindeuten. Auch Fettblocker, wie Chitosan oder der Arzneistoff Orlistat, werden oft zu dieser Gruppe gezählt. Sie verhindern die Fettverdauung im Darm, wodurch Fette unverdaut ausgeschieden werden. Dies kann zu einer gesteigerten Darmtätigkeit und einem Sättigungsgefühl führen. Trotz dieser Mechanismen sollte man keine Wunder ohne eigene Anstrengung erwarten.

Worauf bei der Anwendung von Appetitzüglern zu achten ist

Die Wirksamkeit von Appetitzüglern ist untrennbar mit einer zusätzlichen Kalorienzufuhr-Einschränkung verbunden. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion erfordert eine Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung und Verhaltensänderungen, einschließlich ausreichend Entspannung und Schlaf. Bei quellenden Appetithemmern besteht die Gefahr, dass sich der Körper an den Sättigungseffekt gewöhnt. Nach erfolgreicher Gewichtsabnahme ist es wichtig, die fehlende Sättigung nicht durch erhöhte Essensmengen zu kompensieren. Hierbei helfen viel Trinken (vor allem warme Getränke), der Verzehr von Rohkost und kleine Mengen ungesalzener Nüsse.

Weiterlesen >>  Eisenmangelanämie: Ursachen, Symptome und Behandlung

Einige Produkte enthalten Pflanzenstoffe mit abführender oder entwässernder Wirkung, wie Sennes, Rhabarberwurzel oder Faulbaum. Der daraus resultierende Gewichtsverlust ist jedoch nur teilweise “echt”. Insbesondere abführende Pflanzenstoffe sind Arzneistoffe, die in Nahrungsergänzungsmitteln keinen Platz haben sollten, aber häufig in Produkten aus dem Internet zu finden sind – teils ohne ordnungsgemäße Deklaration.

Besondere Vorsicht ist bei Schlankheitsmitteln aus dem Internet geboten. In angeblichen Schlankheitstees, -kaffees oder -kapseln sowie Fatburnern werden oft gesundheitlich riskante und verbotene Zusatzstoffe wie Sibutramin, Ephedrin oder sogar Dinitrophenol (DNP) gefunden. Bei Produkten mit Quellstoffen wie Glucomannan ist es wichtig, die Kapseln mit reichlich Wasser einzunehmen, um Verstopfungen vorzubeugen. Eine zu hohe Dosis kann zu Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen führen; die Herstellerhinweise sind unbedingt zu beachten.

Fettbinder oder Fettblocker wie Chitosan oder Orlistat können die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen, essentiellen Fettsäuren und gleichzeitig eingenommenen Medikamenten (wie der Pille) beeinträchtigen. Die Anwendungshinweise sind hierbei zu beachten. Es können Wechselwirkungen mit Arzneimitteln auftreten, weshalb bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme vor der Verwendung solcher Produkte ärztlicher Rat oder eine Apothekenberatung unerlässlich ist.

Abgrenzung zu medizinischen Präparaten und natürliche Alternativen

Von Nahrungsergänzungsmitteln sind die sogenannten “Anorektika” abzugrenzen. Dies sind Medikamente oder Arzneistoffe, die die körpereigene Regulation von Hunger und Sättigung im Gehirn beeinflussen. Sie können ärztlich verschrieben werden, um eine krankhafte Fettsucht (Adipositas) zu behandeln. Früher in Deutschland erhältliche Wirkstoffe wie Amfepramon wurden aufgrund erheblicher Risiken vom europäischen Markt genommen. Die Kosten für Anorektika werden von den Krankenkassen nicht übernommen, da sie als Lifestyle-Medikamente gelten. Mögliche Nebenwirkungen sind vielfältig und reichen von Herzrasen über Schlafstörungen bis hin zu psychischen Veränderungen. Bei Dauergebrauch besteht die Gefahr einer Abhängigkeit.

Weiterlesen >>  Mumps Krankheit: Ursachen, Symptome, Komplikationen und Impfschutz

Als natürliche Appetitzügler eignen sich beispielsweise Nüsse wie Mandeln, die durch ihren hohen Eiweiß- und Ballaststoffgehalt lange sättigen. Auch ballaststoffreiches Gemüse und Obst wie Karotten oder Äpfel, die gut gekaut werden müssen, sind ideale Hungerstiller. Warme Speisen wie Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen) oder auch ein hart gekochtes Ei können den Hunger ebenfalls stillen. Warme Getränke wie Gemüsebrühe oder Tees (Ingwer, Pfefferminz, Mate) füllen den Magen und können das Hungergefühl reduzieren. Selbst der Duft von Vanille soll den Appetit zügeln, beispielsweise in Form von Vanillemark in fettarmem Joghurt. Ein einfacher Tipp bei akuten Hungerattacken ist auch das Zähneputzen mit Pfefferminz-Zahnpasta. Probieren Sie aus, was für Sie am besten funktioniert.