Der menschliche Körper verfügt über ein ausgeklügeltes Abwehrsystem, und Fieber spielt dabei eine wichtige, oft missverstandene Rolle. Eine Körpertemperatur zwischen 36 und 37 Grad Celsius gilt als normal. Bei Erwachsenen wird eine Temperatur bis 38 Grad als erhöhte Temperatur eingestuft, während Temperaturen darüber als Fieber gelten. Temperaturen über 42 Grad Celsius können lebensbedrohlich werden, da sie zur Zerstörung von Proteinen im Körper führen können. Es ist jedoch entscheidend zu verstehen, dass Fieber selbst keine Krankheit ist, sondern ein Symptom und ein wirkungsvolles Instrument des Körpers im Kampf gegen Viren und Bakterien.
Fieber als Beschleuniger körpereigener Abwehrprozesse
Wenn unser Körper mit einer Infektion konfrontiert wird, können Krankheitserreger und Entzündungsstoffe dazu führen, dass das Gehirn die Körpertemperatur anhebt. Dies geschieht, indem das innere Thermostat neu eingestellt wird. In der Anfangsphase des Fieberns kann es paradoxerweise zu Symptomen wie kalten Extremitäten, Frösteln und Schüttelfrost kommen. Dies liegt daran, dass das Gehirn die Durchblutung der äußeren Körperregionen reduziert, um die Wärme im Körperinneren zu konzentrieren. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel angekurbelt und die Muskelaktivität erhöht, was zu einer gesteigerten Wärmeproduktion führt – daher der Schüttelfrost.
Fieber schafft eine Umgebung, die für Krankheitserreger wie Viren und Bakterien, die sich optimal bei 37 Grad vermehren, ungünstig ist. Bei höheren Temperaturen können die Proteine einiger Erreger verklumpen, was ihre Vermehrung behindert oder sie sogar absterben lässt. Während einer Krankheit arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren. Insbesondere die Lymphozyten spielen eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Fieber kann die Effektivität dieser Abwehrzellen steigern, da es die Ausschüttung von sogenannten Heat-Shock-Proteinen fördert. Diese Proteine wirken wie ein Turbo für die Lymphozyten, machen sie schneller und erhöhen ihre Fähigkeit, Viren und Bakterien zu bekämpfen.
Grundsätzlich ist Fieber also eine positive Abwehrreaktion des Körpers und muss nicht immer behandelt werden. In den meisten Fällen normalisiert sich die Körpertemperatur innerhalb weniger Tage von selbst. Wenn das Fieber jedoch länger als drei Tage anhält, die Temperatur über 39 Grad steigt oder nach einer Besserung plötzlich wieder ansteigt, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.
Ab welcher Temperatur sollte Fieber bei Erwachsenen gesenkt werden?
Eine pauschale Antwort auf die Frage, ab welcher Temperatur Fieber medizinisch gesenkt werden sollte, gibt es nicht. Der Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten empfiehlt Erwachsenen, Fieber über 40 Grad oder anhaltendes Fieber medikamentös zu senken.
Bei älteren Menschen mit chronischen Vorerkrankungen oder bei Säuglingen kann hohes Fieber schneller zu Komplikationen führen und sollte daher früher behandelt werden. Eine dauerhaft erhöhte Körpertemperatur kann den Körper belasten und zu Herzrhythmusstörungen oder Dehydrierung führen. Im schlimmsten Fall kann eine starke Überhitzung zum Organversagen führen. Zudem ist es wichtig, bei anhaltendem hohem Fieber die Ursache abzuklären, um möglicherweise lebensbedrohliche Erkrankungen wie eine Blutvergiftung (Sepsis) auszuschließen.
Fieber bei Kindern: Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Bei Kindern wird von Fieber gesprochen, wenn die Körpertemperatur 38,5 Grad erreicht, bei Säuglingen unter drei Monaten bereits ab 38 Grad. Ein Arztbesuch ist in folgenden Fällen unerlässlich:
- Wenn das Fieber bei Kindern 39 Grad übersteigt (bei Säuglingen unter drei Monaten 38 Grad).
- Wenn das Fieber länger als drei Tage andauert.
- Bei wiederkehrendem Fieber oder Fieberschüben.
- Wenn das Kind apathisch, unruhig oder verwirrt erscheint.
- Wenn das Kind über einen längeren Zeitraum keine Flüssigkeit zu sich nehmen möchte.
- Bei begleitendem Erbrechen oder Durchfall.
- Bei Bauchschmerzen oder Hautausschlag.
Die Erforschung der Fiebersenkung: Noch viel Unbekanntes
Es gibt bislang keine eindeutigen, evidenzbasierten Daten, die den Nutzen einer Fiebersenkung bei Erwachsenen und Kindern belegen. Eine umfassende Meta-Analyse aus dem Jahr 2022, die 42 Studien untersuchte, kam zu dem Schluss, dass die Fiebertherapie das Risiko für Todesfälle und schwere unerwünschte Ereignisse nicht zu beeinflussen scheint. Auch die Frage, ob eine Fiebersenkung den Krankheitsverlauf verlängert, konnte nicht abschließend geklärt werden.
Die deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin gibt keine feste Temperaturschwelle vor, ab der eine Fiebersenkung zwingend notwendig ist. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt, fiebersenkende Mittel bei Temperaturen deutlich über 39 Grad in Absprache mit einem Arzt zu verabreichen.
Bei der Entscheidung, ob das Fieber gesenkt werden soll, spielen weitere Faktoren eine Rolle. Ist ein Kind trotz Fieber munter, isst und trinkt es normal, sind in der Regel keine Maßnahmen erforderlich. Fühlt sich das Kind jedoch schlecht, leidet es unter Gliederschmerzen oder hat keinen Appetit, kann eine Fiebersenkung auch bei niedrigeren Temperaturen sinnvoll sein.
Fiebersenkung mit Medikamenten: Paracetamol und Ibuprofen
Medikamentöse Fiebersenker wie Paracetamol, Ibuprofen oder das verschreibungspflichtige Novaminsulfon (Metamizol) können helfen, das Krankheitsgefühl zu lindern. Diese Medikamente wirken schmerzlindernd und fiebersenkend, indem sie im Gehirn den Sollwert für die Körpertemperatur herabsetzen. Die Wirkung hält in der Regel bis zu sechs Stunden an. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Medikamente nur die Symptome lindern und keine Heilung bewirken. Der Körper benötigt trotz der Linderung Ruhe, um die Erreger effektiv zu bekämpfen. Überanstrengung sollte daher unbedingt vermieden werden.
Um einer Dehydrierung durch Fieber entgegenzuwirken, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr essenziell. Als Faustregel gilt: Pro Grad erhöhter Körpertemperatur benötigt der Körper täglich zusätzlich einen halben bis einen Liter Flüssigkeit. Bei 39 Grad Celsius sollten also insgesamt mindestens 2,5 Liter Wasser pro Tag getrunken werden. Wer Schwierigkeiten hat, ausreichend zu trinken, sollte erwägen, das Fieber zu senken.
Hausmittel zur Fiebersenkung: Wadenwickel und mehr
Physikalische Maßnahmen wie Wadenwickel können ebenfalls zur Fiebersenkung beitragen. Dabei werden Leintücher, die mit handwarmem Wasser befeuchtet sind, für einige Minuten um die Waden gewickelt. Die Temperatur der Tücher sollte nur leicht unter der gemessenen Körpertemperatur liegen. Zu kaltes Wasser kann die Blutgefäße verengen und die Wärmeabgabe des Körpers behindern. Bei Kindern sollten Wadenwickel nicht angewendet werden, wenn sie kalte Hände oder Füße haben.
Auch das Befeuchten des Bettlakens kann kühlend wirken, allerdings ist die Wirkung oft nur von kurzer Dauer, da der Fieberbefehl im Gehirn weiterhin aktiv ist.
Weitere unterstützende Hausmittel, die dem Körper helfen können, das Fieber zu senken und die Genesung zu fördern, sind:
- Bettruhe: Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Ruhe.
- Schweißtreibende Tees: Tees aus Schafgarbe, Linden- oder Holunderblüten können durch Schwitzen zur Kühlung beitragen.
- Leichte Kost: Eine leichte Ernährung belastet den Verdauungstrakt nicht zusätzlich.
- Suppen: Suppen liefern wichtige Mineralien, die durch Schwitzen verloren gehen können.
Die richtige Methode zur Fiebermessung
Für eine genaue Messung der Körperkerntemperatur empfiehlt sich die rektale Messung im Po. Messungen im Mund oder unter den Achseln können Schwankungen aufweisen und niedrigere Werte ergeben als im Körperinneren. Mit speziellen Thermometern kann auch im Ohr gemessen werden, doch hier können Faktoren wie Ohrenschmalz oder der Winkel der Messung das Ergebnis verfälschen.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt Eltern, ihren Kindern bei Temperaturen deutlich über 39 Grad in Absprache mit einer Ärztin und Arzt fiebersenkende Mittel zu verabreichen. Bei der Frage, ob das Fieber medikamentoso gesenkt werden sollte, kommt es aber auch auf weitere Faktoren an. Ist ein Kind munter, isst und trinkt normal, müssen in der Regel keine Maßnahmen ergriffen werden. Fühlt es sich hingegen schlecht, hat Gliederschmerzen oder keinen Appetit, kann eine Fiebersenkung auch bei niedrigeren Temperaturen sinnvoll sein.
Die richtige Methode zur Fiebermessung
Für eine genaue Messung der Körperkerntemperatur empfiehlt sich die rektale Messung im Po. Messungen im Mund oder unter den Achseln können Schwankungen aufweisen und niedrigere Werte ergeben als im Körperinneren. Mit speziellen Thermometern kann auch im Ohr gemessen werden, doch hier können Faktoren wie Ohrenschmalz oder der Winkel der Messung das Ergebnis verfälschen.
Experten im Gesundheitswesen bieten wertvolle Einblicke und Unterstützung bei Fragen rund um das Thema Fieber.
Experten zum Thema:
- Gemeinschaftspraxis für Innere Medizin & hausärztliche Versorgung: www.praxis-rahlstedt.de
- Hausärztliche Praxis vor dem Mühlentor Dres. med. Ruser, Günther, Brandt und Kötter in Partnerschaft: www.luebmed.de
- Zentrum für Innere Medizin I. Medizinische Klinik und Poliklinik (Gastroenterologie mit Sektionen Infektiologie und Tropenmedizin) Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: https://www.uke.de
- Ratgeber “Fieber senken” der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
Fieber ist ein natürlicher und oft hilfreicher Prozess des Körpers. Ein besseres Verständnis seiner Funktion und die richtige Vorgehensweise bei erhöhter Temperatur können dazu beitragen, die Gesundheit optimal zu unterstützen. Bei Unsicherheiten ist es immer ratsam, ärztlichen Rat einzuholen.

