Intervallfasten hat sich als bedeutender Trend in der Ernährungsmedizin etabliert und bietet nach aktuellen Forschungsergebnissen vielfältige Vorteile. Diese Methode kann nicht nur beim gesunden Abnehmen und der Gewichtskontrolle unterstützen, sondern auch zur Verbesserung der Blutzuckerwerte beitragen und potenziell vor Typ-2-Diabetes schützen. Die tiefgreifenden Auswirkungen auf Gesundheit und Alterungsprozesse werden intensiv erforscht, wobei Übersichtsarbeiten bereits positive Stoffwechseleffekte und eine gute Verträglichkeit des Kurzzeitfastens belegen. Die gesundheitlichen Vorteile des Intervallfastens sind vielfältig und machen es zu einem spannenden Thema für alle, die ihre Gesundheit optimieren möchten.
Intervallfasten: Eine kritische Betrachtung von Risiken
Im März 2024 sorgte eine Studie aus Shanghai für Aufsehen, die ein fast verdoppeltes Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Intervallfasten suggerierte. Diese Untersuchung basierte jedoch auf Gesundheitsdaten aus den USA und bezog sich auf Personen, die aus verschiedensten Gründen (Schichtdienst, Vorerkrankungen etc.) ihre Mahlzeiten an zwei zufälligen Tagen innerhalb von acht Stunden zu sich nahmen. Sie untersuchte somit kein bewusstes, planvolles Intervallfasten und hat nur begrenzte Aussagekraft für die gesundheitlichen Auswirkungen einer geplanten Ernährungsweise. Langzeitstudien, die Intervallfasten als bewusste Diätform untersuchen, sind weiterhin rar.
Vorsichtsmaßnahmen bei Vorerkrankungen und bestimmten Lebensphasen
Obwohl Intervallfasten vielen Menschen guttut, ist Vorsicht geboten bei bestimmten Vorerkrankungen oder Lebenssituationen. Mögliche Nebenwirkungen wie Hunger, Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Reizbarkeit können auftreten. Es ist ratsam, vor Beginn einer Fastenkur ärztlichen Rat einzuholen, insbesondere bei:
- Niedrigem Blutdruck
- Stoffwechselerkrankungen
- Chronischen Krankheiten
- Krebserkrankungen
- Hohem Lebensalter
Intervallfasten ist generell nicht geeignet für:
- Schwangere und Stillende
- Personen mit Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Binge Eating)
- Menschen mit Untergewicht
- Betroffene mit Migräne
Vielfältige Methoden des Intervallfastens
Intervallfasten bedeutet, auf bestimmte Nahrungsmittel, Getränke und Genussmittel für einen definierten Zeitraum zu verzichten. Es gibt verschiedene etablierte Methoden:
- 16:8-Methode: Eine tägliche Fastenperiode von 16 Stunden, gefolgt von einem Essensfenster von 8 Stunden, in dem üblicherweise zwei Mahlzeiten eingenommen werden.
- 5:2-Methode: An fünf Tagen der Woche wird normal gegessen, während an zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen die Kalorienzufuhr stark reduziert wird (ca. 500-850 kcal).
- 1:1-Methode (Alternierendes Fasten): Ein Tag wird normal gegessen, gefolgt von einem Tag mit stark reduzierter Kalorienzufuhr (ca. 25% der normalen Menge). Dieser Wechsel wiederholt sich.
Dr. Matthias Riedl beantwortet Fragen rund um Intervallfasten
Der bekannte Ernährungs-Doc Dr. Matthias Riedl widmet sich in einem Podcast den drängendsten Fragen zum Intervallfasten, Haferkuren, Gewichtsmanagement sowie Prä- und Probiotika.
Die wissenschaftlichen Hintergründe der Wirksamkeit von Kurzzeitfasten
Der menschliche Stoffwechsel ist evolutionär an Fastenperioden angepasst. In Zeiten des Überflusses wurde gegessen, in Zeiten des Mangels gefastet. Der Körper kann Energiereserven mobilisieren und den Energieverbrauch anpassen. Ein entscheidender Vorteil des Intervallfastens gegenüber längeren Fastenkuren oder Crash-Diäten ist, dass der Stoffwechsel in der Regel nicht gedrosselt und die Muskelmasse geschützt wird, was den gefürchteten Jo-Jo-Effekt vermeidet. Positive biochemische Veränderungen, wie eine verbesserte Zucker- und Fettstoffwechselregulation und die Ausschüttung entzündungshemmender Substanzen, tragen zur Wirksamkeit bei.
Studien deuten auf positive Effekte auf das Körpergewicht und Zellreinigung
Tierstudien mit Mäusen haben gezeigt, dass Tiere, die in einem bestimmten Zeitfenster fressen, schlanker bleiben und länger leben als jene mit ständigem Futterzugang, selbst bei gleicher Kalorienaufnahme. Dies wird mit der Aktivierung von zellulären Reinigungsprozessen, der sogenannten Autophagie, in Verbindung gebracht. Bei der Autophagie werden beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt, was die Zellfunktion erhält und potenziell den Alterungsprozess verlangsamen kann. Die optimale Dauer der Nahrungspause zur Anregung der Autophagie beim Menschen wird auf 12 bis 36 Stunden geschätzt.
Die 5:2-Methode: Flexibel Kalorien reduzieren
Die 5:2-Diät ist eine beliebte Form des Intervallfastens. An fünf Tagen wird normal gegessen, während an zwei Tagen die Kalorienzufuhr für Frauen auf 500-800 kcal und für Männer auf 600-850 kcal beschränkt wird. An diesen sogenannten Entlastungstagen sollten schnell verdauliche Kohlenhydrate wie Weißbrot, Nudeln oder Zucker gemieden werden, um den Körper zu ermutigen, auf seine Reserven zurückzugreifen. Studien deuten darauf hin, dass diese Methode eine effektive Unterstützung beim Abnehmen darstellt und leichter durchzuhalten ist als eine kontinuierliche Kalorienrestriktion.
Rezepte für Entlastungstage
Passende kalorienarme Rezepte ermöglichen die Zusammenstellung von Mahlzeiten für die Entlastungstage.
Informationen zur 5:2-Methode zum Herunterladen
Detaillierte Informationen zur Funktionsweise der 5:2-Methode und Rezeptvorschläge für einen Tag mit 800 kcal sind verfügbar.
Die 16:8-Methode: Einfache Integration in den Alltag
Die 16:8-Methode ist ideal für diejenigen, die keine ganzen Fastentage absolvieren möchten. Sie integriert eine 16-stündige Fastenperiode in den täglichen Rhythmus, oft durch das Auslassen der Früh- oder Spätmahlzeit. Dies ermöglicht dem Stoffwechsel eine nächtliche Erholungsphase. Die durchschnittliche Kalorienzufuhr reduziert sich hierbei um fünf bis zehn Prozent, was wissenschaftlich belegte Vorteile für die Gewichtsabnahme und die Reduktion von krankheitsassoziierten Risiken wie Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes mit sich bringt. Eine positive Auswirkung auf die Schlafqualität ist ebenfalls zu verzeichnen. Wer Schwierigkeiten hat, 16 Stunden durchzuhalten, kann schrittweise mit 12 oder 14 Stunden beginnen und die Fastenzeit langsam verlängern.
Video: Doc Andresen und Dr. Julia Fischer erläutern, wie man richtig fastet.
Die 1:1-Methode: Herausforderung mit Potenzial für Gewichtsverlust
Das alternierende Fasten (1:1-Methode) stellt eine größere Herausforderung dar und sollte nur nach ärztlicher Rücksprache begonnen werden. Diese Methode erfordert eine besonders ausgewogene Ernährung an den “normalen” Tagen, um eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen.
Leichte Vorteile für die Gewichtsabnahme durch alternierendes Fasten
Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die Daten aus 99 Studien mit über 6.500 übergewichtigen Erwachsenen verglich, fand leichte Vorteile beim alternierenden Fasten gegenüber einer klassischen Kalorienreduktion und der 16:8-Methode im Hinblick auf die Gewichtsabnahme. Die erzielten Gewichtsverluste lagen jedoch in allen untersuchten Intervallfasten-Gruppen unter der als relevant definierten Marke von zwei Kilogramm für übergewichtige Personen.
Erlaubte Getränke während des Intervallfastens
Während der Fastenperioden sind kalorienfreie Getränke wie Wasser, dünne Gemüsebrühe, ungesüßter Tee oder maßvoll schwarzer Kaffee gestattet und empfohlen.
Pausen zwischen den Mahlzeiten: Der Schlüssel zum Erfolg
Entscheidend bei allen Intervallfasten-Varianten ist, in den Essensphasen nicht häufiger oder deutlich mehr zu essen als gewohnt. Mindestens vier bis fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten sind wichtig, um den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und Heißhungerattacken vorzubeugen. Die Aufnahme von Kohlenhydraten zwischen den Mahlzeiten führt zu einem schnellen Anstieg des Blutzuckerspiegels und unterbricht den Fettabbau.
Wichtige Punkte für erfolgreiches Intervallfasten im Überblick
- Vermeiden Sie intensive körperliche Belastung während der Fastenphasen, bis sich Ihr Körper an den neuen Rhythmus gewöhnt hat.
- Essen Sie weiterhin normale Portionen und keine doppelt so großen Mahlzeiten.
- Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Gemüse (Ballaststoffe) und Proteinquellen (Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchte, Nüsse) zu jeder Mahlzeit, um Sättigung zu gewährleisten.
- Verzichten Sie auf Snacks zwischen den Mahlzeiten, einschließlich kalorienhaltiger Getränke wie Milchkaffee oder Saft.
- Kalorienfreie Getränke wie Wasser oder ungesüßter Tee können helfen, Hungergefühle zu überbrücken.
- Ein kurzer Spaziergang nach der ersten Mahlzeit kann die Verdauung unterstützen.
Expertenmeinung und weiterführende Informationen
Hamburg
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus LübeckDirektor des Instituts für Ernährungsmedizin https://www.uksh.de
Übersichtsarbeit zum Vergleich intermittierendes Fasten und klassische Kalorienreduktion von 2025; The BMJ:www.bmj.com
Wie Intervallfasten das Immunsystem stärkt
Intervallfasten kann die zelluläre Selbstreinigung fördern, das Immunsystem stärken und bei Erkrankungen wie Fettleber unterstützend wirken.
Verschiedene Fastenarten: Vor- und Nachteile
Längere Nahrungskarenz kann beim Abnehmen oder der Zellreinigung helfen, birgt aber auch potenzielle Nachteile.
Fasten: Wie lange dauert es und worauf sollte man achten?
Bewusster Verzicht und Entgiftung des Körpers sind zentrale Aspekte vieler Fastenformen.
Intervallfasten: So funktioniert gesundes Abnehmen
Die verschiedenen Methoden des Intervallfastens (16:8, 5:2 und 1:1) können effektiv beim Abnehmen und Halten des Gewichts unterstützen.
Bluthochdruck senken mit Ernährungsumstellung und Fastentagen
Ernährungsumstellungen und Fastentage können eine wirksame Strategie zur Senkung von Bluthochdruck sein.

